Der packendste Titel-Krimi seit 20 Jahren?

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Bayern-Trainer Jupp Heynckes

Düsseldorf - Achtung, Hochspannung! Das dichte Gedränge an der Tabellenspitze der Fußball-Bundesliga verspricht den packendsten Meisterkrimi seit 20 Jahren: die Vorschau aufs Wochenende.

Vor dem zweiten Rückrundenspieltag gab es zuletzt in der Saison 1991/1992 eine ähnlich enge Konstellation. Damals wie heute liegen drei punktgleiche Teams vorn, damals wie heute rangiert der Verfolger nur einen Zähler dahinter.

Der verpatzte Rückrundenstart in Mönchengladbach, wo der Tabellenführer aus München beim 1:3 seinen Punktevorsprung verspielte, veranlasste Jupp Heynckes zu deutlichen Worten. “Ich habe der Mannschaft gesagt, bis Ende Mai möchte ich sie in einem anderen Gewand sehen, von der ersten bis zur letzten Minute, rauf und runter, kämpfen, rennen, aber auch Fußball spielen. Daran muss sich die Mannschaft messen lassen, sonst an nichts“, verriet der Trainer des FC Bayern vor dem Heimspiel gegen Wolfsburg.

Eine Pleite gegen das Team des ehemaligen Bayern-Trainers Felix Magath könnte die ohnehin gespannte Stimmung beim Titelfavoriten weiter verschärfen. Voller Frust über bereits fünf Saisonniederlagen, die der FC Bayern trotz deutlicher Vorteile beim Ballbesitz hinnehmen musste, machte sich Torjäger Mario Gomez für mehr Flexibilität im Offensivspiel stark: “Wenn man hinten liegt, muss man vorne mehr ins Risiko gehen.“ Auch Heynckes machte aus seiner Unzufriedenheit keinen Hehl: “Der FC Bayern muss anders agieren, wenn er große Ziele ansteuern will.“

Luxus pur: Das Trainingszentrum des FC Bayern

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Die Dortmunder verspüren dagegen wenig Lust auf einen Systemwechsel. Neun Tore erzielten sie zuletzt in Freiburg und Hamburg. Und doch ist der Respekt vor dem kommenden Konkurrenten groß. Schließlich reist Angstgegner Hoffenheim an, gegen den der BVB in der Bundesliga noch kein Heimspiel gewann. Mit Bezug auf das von der “Schall-Affäre“ überschattete 0:1 im Hinspiel appellierte Trainer Jürgen Klopp an die Fans, das sportliche Geschehen in den Mittelpunkt zu stellen: “Wir müssen gegen Hoffenheim nicht immer irgendwelche Nebenkriegsschauplätze aufmachen.“

Auf den ersten Blick stehen Schalke und Mönchengladbach kniffligere Aufgaben als den beiden Titelkonkurrenten bevor. Beide Teams treten auswärts an. Dem Revierclub bereitet die Personalmisere vor dem Spiel beim 1. FC Köln Kopfzerbrechen. Benedikt Höwedes, Lewis Holtby, Alexander Baumjohann und Peer Kluge müssen passen. Zudem ist der Einsatz von Raúl fraglich, für Rekonvaleszent Jefferson Farfan kommt ein Einsatz zu früh. “Wenn Raúl ausfallen sollte, hätten wir ein noch größeres Problem“, klagte Schalke-Trainer Huub Stevens.

Dagegen kann die Borussia in Bestbesetzung antreten. Der zuvor gesperrte Dante kehrt in der Partie beim VfB Stuttgart in die Innenverteidigung des Tabellenvierten zurück. Kaum vorstellbar, dass die beste Abwehr der Liga ähnlich viele Treffer kassiert wie beim 0:7 im vorigen Jahr an gleicher Stätte. Aber die Statistik verheißt wenig Gutes: Keines der letzten 13 Spiele beim VfB endete mit einem Sieg. “Wir sind selbstbewusst genug, um auch in Stuttgart etwas zu holen“, sagte Trainer Lucien Favre voller Hoffnung auf ein Ende der Serie.

Am Tabellenende kommt es, anders als an der Spitze, nicht nur zu Fernduellen um eine bessere Ausgangslage. Die jeweils durch nur einen Zähler voneinander getrennten Mannschaften zwischen Rang 13 und 18 bleiben am 19. Spieltag unter sich. Dabei steht vor allem Schlusslicht Augsburg (15 Punkte) gegen den Drittletzten Kaiserslautern (17) unter Druck. Nicht minder brisant ist die Partie zwischen Mainz (18) und Freiburg (16).

Selbst die Teams aus den beiden größten deutschen Städten, Berlin (20) und Hamburg (19), müssen zittern. Nach sieben Spielen ohne Sieg droht Aufsteiger Hertha BSC ein weiteres Abrutschen. Inständig hofft der neue Trainer Michael Skibbe, dessen Einstand beim 0:2 in Nürnberg misslang, auf ein befreiendes Erfolgserlebnis: “Man ist angespannt, aber das darf auch positiv gelenkt werden.“

dpa

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