Overath Breitner: Darum heißt dieser Profi so

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Overath Breitner (oben) wurde nach zwei deutschen Legenden benannt

Santos - In Brasilien geben Väter ihren Söhnen oft die Namen berühmter Fußballer. Overath Breitner, benannt nach zwei deutschen Fußball-Ikonen, galt als großes Talent. Derzeit stockt aber seine Karriere.

Overath Breitner da Silva Medina: Ein Südamerikaner mit einem solchen Namen ist eigentlich prädestiniert für eine große Karriere als Fußballer. Passenderweise in der Bundesliga. Overath Breitner, so heißt der 22-Jährige tatsächlich, ist auch wirklich Fußballer beim brasilianischen Pele-Klub FC Santos - wo er aber immer noch auf seinen Durchbruch wartet. Und mit Deutschland hat er eigentlich so gar nichts am Hut, Wolfgang Overath und Paul Breitner kennt er nur vom Hörensagen.

„Bei der WM habe ich erst Brasilien die Daumen gedrückt. Und nach deren Ausscheiden den Holländern“, sagt er. Die ständigen Nachfragen nach seinem ungewöhnlichen Namen nerven ihn: „Überall, wo ich hinkomme, muss ich erzählen, wie ich zu diesem Namen gekommen bin. Daran ist mein Vater schuld. Er wollte mir die Namen zweier Fußballstars geben.“

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Es waren aber nicht irgendwelche, die der frühere Profi-Fußballer Joaquin da Silva als Namenspaten für seinen Sohn auswählte. „Bei der WM 1974 hat Deutschland hervorragend gespielt“, erklärt er: „Und Overath und Breitner sind mir besonders aufgefallen. Ich wollte immer, dass mein Sohn ein großer Fußballer wird. Und da dachte ich mir: Einen großen Namen hat er dann schon mal.“

Overath Breitner ist erst 15 Jahre nach Deutschlands WM-Triumph im venezolanischen Barcelona geboren, die beiden deutschen Mittelfeld-Strategen kannten damals nur noch die Älteren. „Meine Idole sind Ronaldinho und Zico“, sagt der Junior, dessen Bruder übrigens in Anlehnung an den früheren kroatischen Ballzauberer Robert Prosinecki da Silva Medina heißt.

Die deutschen Namensgeber können über ihren „Nachfolger“ jedenfalls schmunzeln. „Guter Name“, sagte Wolfgang Overath dem SID: „Ich wünsche dem Jungen alles Gute.“

Seine Kinder nach berühmten Fußballern zu benennen, ist in Brasilien inzwischen gute Tradition. Der frühere Stürmerstar Bebeto taufte seinen Sohn Mateus, in Anlehnung an den deutschen Rekordnationalspieler Lothar Matthäus. Bei der Copa Sao Paulo, dem wichtigsten A-Jugend-Turnier Brasiliens, spielten neulich 15 Spieler namens Romario, der im Geburtsjahr der betreffenden Nachwuchsspieler der größte Star war. Außerdem mit dabei: Rudigullithi da Silva Henrique, Lynneeker Nakamuta Paes de Albuquerque, Raikard dos Santos Soares und Roberto Baggio Araujo Bastos. Einzelne Spieler sind auch nach Musikgruppen benannt, wie beispielsweise Creedence Clearwater Couto, der beim FC Santa Cruz unter Vertrag steht.

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Overath Breitner hatte nicht nur seinen Namen als gute Voraussetzung. Er genoss eine grandiose Ausbildung. Mit neun kam er nach Brasilien und dort direkt in die Fußballschule von Paulo Cesar Carpegiani. Paraguays WM-Trainer von 1998 bildete zum Beispiel auch den Bremer Abwehrspieler Naldo oder Thiago Silva aus, der derzeit beim AC Mailand spielt.

Von dessen Camp wechselte der gebürtige Venezolaner zu Internacional Porto Alegre, wo er neben Alexandre Pato spielte. Während der heutige Milan-Star damals schon glänzte, hatte der sonnenverwöhnte Overath Breitner Probleme mit den kalten Wintern in Rio Grande do Sul. 2002 zog es den damals Zwölfjährigen deshalb nach Santos.

Von der Außenverteidigung rückte er dort, seinem Namen entsprechend, in die Mittelfeldzentrale. Overath Breitner schoss viele Freistoßtore und galt als großes Talent. 2006 schrieb Santos die Ablösesumme für den damals 17-Jährigen auf fünf Millionen Euro fest. Die Erwartungen hat er in der Folge aber nie erfüllt. Ganze 24 Spiele bestritt er bis heute für Santos, das ihn schon zweimal verlieh.

Und so ist Overath Breitner derzeit nur noch Träger eines großen Namens. Genauer gesagt sogar von zweien. Von der Bundesliga aber ist er meilenweit entfernt.

sid

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