Oranje-Coach hat die Qual der Wahl

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Bert van Marwijk hat ein Überangebot an hochklassigen Mittelfeldspielern.

Krakau - Robben, Sneijder, van der Vaart, Afellay - das offensive Mittelfeld ist das Prunkstück der Niederlande. Doch nicht alle Hochkaräter werden bei der EM in Polen und der Ukraine glänzen können.

Robben auf der rechten Seite, Sneijder im Zentrum und van der Vaart nur auf der Bank? Oder vielleicht doch ganz anders? Und wohin mit Afellay oder Kuyt? Bert van Marwijk hat Sorgen, von denen andere Trainer nur träumen können. Der Bondscoach hat in seiner Offensivabteilung eine derart große Auswahl von Hochkarätern, dass er gar nicht alle glänzen lassen kann. Sein größtes Problem während der Fußball-EM dürfte sein, die Bankdrücker bei Laune zu halten.

3 aus 5 heißt die Formel, die van Marwijk bei den Niederländern vor dem ersten Gruppenspiel am Samstag (18.00 Uhr/ARD) gegen Dänemark lösen muss. Derzeit haben Wesley Sneijder (geschätzter Marktwert: 32 Millionen Euro) in der Kreativzentrale sowie Arjen Robben (32) und Ibrahim Afellay (10) auf den Flügeln in der offensiven Dreierkette wohl die Nase vorn. Bedeutet: Rafael van der Vaart (25) und Dirk Kuyt (8) müssten sich vorerst ebenso mit einem Platz auf der Bank zufrieden geben wie Bundesliga-Torschützenkönig Klaas-Jan Huntelaar von Schalke 04.

„Wir sind alle gute Freunde“, sagte Sneijder (Inter Mailand), der zu bedenken gab: „Das Turnier wird lang sein. Daher wird es Möglichkeiten für alle Spieler geben. Wir brauchen jeden, wenn wir Europameister werden wollen.“

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Für seine starke Offensive und eher schwächelnde Defensive ist der Vize-Weltmeister Niederlande bekannt, doch so gefürchtet wie in diesem Jahr war die „Abteilung Attacke“ wohl noch nie. Im Vorfeld des Turniers bekam die Elftal aufgrund ihres Mega-Mittelfelds mit einem Marktwert von insgesamt etwa 107 Millionen Euro von verschiedenen Medien den Namen „das Brasilien Europas“ verpasst. Nicht ohne Grund.

Robben von Bayern München ist einer der besten Flügelspieler der Welt, dazu kommt im Zentrum der für extrem präzises Passspiel bekannte Sneijder. Van der Vaart von Tottenham Hotspur könnte als defensiver ausgerichteter Spezialist auf der Außenbahn spielen, während Afellay vom FC Barcelona die spielstärkere Variante wäre. Auf der linken Seite bietet sich eine weitere Option: Der zweikampfstarken Liverpooler Dirk Kuyt. Er könnte das Spiel noch variabler machen.

„Rafael (van der Vaart, d. Red.) weiß, welche Qualitäten er hat. Das wissen wir alle“, sagte Sneijder derweil über den früheren Bundesligaprofi vom Hamburger SV. Und auch den anderen potenziellen Reservisten sprach der kreative Ausnahmekönner, der am Samstag pünktlich zum Auftakt seinen 28. Geburtstag feiert, Mut zu: „Kuyt und Huntelaar werden beide ihre Chancen bekommen - und dann werden sie uns verbessern.“

Während die Frage nach der einzigen Position im Sturm - Robin van Persie erhielt den Vorzug vor Huntelaar - zu einer kleinen Staatsaffäre wurde, will sich van Marwijk bei der Besetzung des Mittelfeldes noch nicht in die Karten schauen lassen. Marco van Basten stichelte derweil gegen seinen Nachfolger und schlug vor, van Persie und Huntelaar als Doppelspitze aufzubieten. „Als Trainer würde ich versuchen, das Spiel so abzustimmen, dass beide Seite an Seite auflaufen können“, sagte van Basten, der die Niederländer bis 2008 betreut hatte.

Doch nervös lässt sich van Marwijk (60) nicht machen. Warum auch? Sind doch alles Luxusprobleme. „Wir sind gut auf Dänemark vorbereitet. Es wird ein großes Turnier, und der Auftakt ist das wichtigste Spiel der letzten sechs Monate“, sagte van Marwijk, der am 13. Juni in Charkow im zweiten Spiel der Gruppe B mit seinem Team auf die deutsche Nationalmannschaft trifft.

SID

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