Sky oder DFB? Freund und Sammer in der Kritik

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Matthias Sammer (li.) steht wegen seiner Tätigkeit für den TV-Sender Sky in der Kritik.

Frankfurt - Im deutschen Fernsehen tummeln sich so viele Fußball-Experten wie nie zuvor - viele davon sind beim DFB tätig.  Die Kritik daran wird lauter.

Beim Pay-TV-Sender Sky sitzen sie seit Saisonbeginn sogar auf dem Rasen, gleich hinter der Eckfahne. Ein Experten-Trio, bestehend aus den Ex-Profis Steffen Freund und Jan Age Fjortoft sowie dem ehemaligen Weltschiedsrichter Markus Merk. Es wird analysiert, diskutiert, seziert und vor allem unterhalten - ganz nach amerikanischem Vorbild.

„Jeder Sender zeigt mehr oder minder die gleichen Spiele, also muss er versuchen, dem Ganzen irgendwie seinen Stempel aufzudrücken“, sagt Christoph Bertling, Sportwissenschaftler am Institut für Kommunikationsforschung an der Sporthochschule Köln: „Aber der inhaltliche Mehrwert ist nicht besonders groß bei diesen Experten-Runden.“

Am Inhalt stören sich derzeit zum wiederholten Male die Verantwortlichen von Bayer Leverkusen. Sportdirektor Rudi Völler hatte nach dem Ellbogenschlag seines Kapitäns Simon Rolfes im Spiel gegen Schalke 04 die Sky-Experten als „Muppet Show“ bezeichnet und in einer Wutrede zum Rundumschlag ausgeholt.

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Besonders hatte es Völler dabei auf Steffen Freund abgesehen. Der Europameister von 1996 sei „beim DFB angestellt, ist U16-Nationaltrainer, der soll mal lieber auf die Plätze gehen und junge Spieler beobachten! Da sollten sich der DFB und sein Vorgesetzter Matthias Sammer mal mit befassen. Unsere Jugendtrainer scheinen sehr viel Zeit zu haben, das ist unglaublich! Das ist sehr, sehr grenzwertig.“

Bayer-Boss Wolfgang Holzhäuser sieht eine Interessenvermischung. Schon im November hatte der 61-Jährige die Sky-Experten Matthias Sammer und Steffen Freund kritisiert: „Der DFB sollte sich generell Gedanken darüber machen, in welche Rolle die Angestellten des weltweit größten Sportverbandes so alles schlüpfen dürfen und sollten.“

Die pikante Frage ist, ob Experten wie Sammer und Freund zusätzlich zu ihrem DFB-Gehalt auch von Sky ein Honorar erhalten. Für Holzhäuser wäre dieser Fall „ein Skandal“. „Man muss sich die Frage stellen, ob es sich ein DFB-Angestellter leisten kann, andere Trainer oder Nationalspieler in die Pfanne zu hauen und dafür Geld zu kassieren. Wenn der Verband glaubt, durch diese Auftritte mehr Profil zu bekommen, ist das erschütternd“, sagte er dem Express.

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Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hält sich in dem Konflikt bedeckt. Vorzeige-Experte Franz Beckenbauer, der selbst kürzlich seinen Vertrag mit Sky verlängert hat, kann die Aufregung nicht nachvollziehen und nimmt seine Kollegen im Fall Rolfes in Schutz: „Die können das sicher beurteilen. Ich bin schon überrascht über die Aufreger der Herren Völler und Holzhäuser.“

Sky-Vorstandsmitglied Carsten Schmidt sieht die Kritik ebenfalls gelassen, das eigene Experten-Team hält er für „hochkarätig besetzt“. Besonders Merk, der von Völler ebenfalls scharf angegriffen wurde, stehe für Kompetenz. Bei Sky sind zudem Stefan Effenberg, Ottmar Hitzfeld und Jens Lehmann tätig. „Die Sender dürfen nicht beim Experten sparen, sonst bringt das nichts“, rät Sportwissenschaftler Bertling.

Aus der heutigen Berichterstattung sind die sogennanten Fachmänner - bevorzugt Ex-Profis, Ex-Schiedsrichter und ehemalige oder arbeitslose Trainer - nicht mehr wegzudenken. Auch bei der EM 2012 in Polen und der Ukraine (8. Juni bis 1. Juli) sind wieder ihre Analysen und Einschätzungen gefragt. Mehmet Scholl steht wie gewohnt bei der ARD am Mikrofon, Oliver Kahn im ZDF. Und Michael Ballack gibt sein Debüt: Der ehemalige Kapitän der Nationalelf ist für den amerikanischen Sender ESPN im Einsatz.

SID

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