Nordkoreas Frauen droht Zwangsarbeit

+
Der Mannschaft der Nordkoreanerinnen könnte nach ihrer Heimkehr Unangenehmes blühen.

Berlin - Das WM-Aus ist besiegelt, und wenn Nordkoreas Fußballerinnen auch im letzten Gruppenspiel am Mittwochabend in Bochum gegen Kolumbien kein Tor gelingt, werden sie mit gemischten Gefühlen die Heimreise antreten.

Das WM-Aus ist besiegelt, und wenn Nordkoreas Fußballerinnen auch im letzten Gruppenspiel am Mittwochabend in Bochum gegen Kolumbien (20.45 Uhr) kein Tor gelingt, werden sie mit gemischten Gefühlen die Heimreise antreten. Das 0:1 gegen Schweden und das 0:2 gegen den politischen Erzfeind USA waren eine herbe Enttäuschung für das hoch gehandelte Team, eine Schmach für den stalinistisch geführten Staat.

Und schon gibt es Befürchtungen, dass die Sportlerinnen und ihr Trainer Kim Kwang-Min nach der Rückkehr dafür büßen müssen. Von schwerster körperlicher Arbeit, Umerziehungsmaßnahmen oder gesellschaftlicher Ächtung ist in der Vergangenheit berichtet worden, wenn nordkoreanische Sportler auf großer Bühne versagten.

“Swanz” und “Matildas” - Die Spitznamen der Frauen-Teams

"Swanz" und "Matildas" - Die Spitznamen der Frauen-Teams 

Nordkoreas Diktator Kim Jong-Il gilt als großer Fußball-Fan. Bei der Männer-WM 2010 genehmigte er nach dem positiven Auftakt des nordkoreanischen Teams gegen Brasilien (1:2) erstmals in der Geschichte eine TV-Live-Übertragung. Das war das 0:7 gegen Portugal, dem dann noch ein 0:3 gegen die Elfenbeinküste folgte. 2004 berichtete der ehemalige Nationaltrainer Moon Ki-Nam, dass die Sportler bei großen Siegen reich beschenkt würden. Passiere aber das Gegenteil, drohe ihnen die Arbeit in einer Kohlemine.

Nach der WM 2010 ist der Weltverband dann besorgniserregenden Gerüchten nachgegangen, und die FIFA forderte den nordkoreanischen Verband auf, sich zu erklären. Das Team habe nach der Rückkehr von der WM eine sechsstündige Sitzung mit hunderten Teilnehmern über sich ergehen lassen müssen, berichtete damals unter anderem der nicht kommerzielle, in Washington beheimatete Sender Radio Free Asia. Es habe ideologische Kritik durch andere Sportler und einen TV-Kommentator gegeben. Trainer Kim Jong-Hun habe damals wegen “Verrats“ der Ausschluss aus der Arbeiterpartei und die Abstellung zum Straßenbau gedroht.

Gerüchte um Zwangsarbeit gab es auch bei Nordkoreas WM-Helden von 1966, nachdem das Überraschungsteam nach einer 3:0-Führung das Viertelfinale gegen Portugal noch mit 3:5 verloren hatte. Diesen Spekulationen wollte die Staatsführung entgegenwirken und ließ ein BBC-Team ins Land, das mit den Spielern von damals sprechen durfte. Die Sportler wiesen in der Dokumentation “Das Spiel ihres Lebens“ Berichte über Arbeitslager natürlich energisch zurück.

Ob Fiktion oder Wahrheit, ein ungutes Gefühl beschleicht Beobachter angesichts dessen, was sein könnte. Das Auftreten des völlig abgeschotteten Teams wirkt jedenfalls befremdlich. Reden in der Öffentlichkeit ist verboten, vom Spielfeld geht es ohne zu duschen direkt in den Bus und zum Hotel. Und bei einer Flucht riskieren die Sportlerinnen das Wohl ihrer Angehörigen.

dapd

Kommentare