Erste EM-Sensation: Holland verliert gegen Dänemark

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Ibrahim Affelay kann's nicht fassen: Trotz zahlreicher Torchancen unterlag die Niederlande gegen Dänemark - die erste große Überraschung der EM.

Charkow - Holland in Not: Dem vermeintlichen Titelanwärter Niederlande steht das Wasser vor dem Klassiker gegen Deutschland bis zum Hals. Gegen Dänemark gab's überraschend eine Pleite.

Holland in Not: Dem vermeintlichen Titelanwärter Niederlande steht das Wasser vor dem Klassiker gegen Deutschland bis zum Hals.

 Das Team von Bondscoach Bert van Marwijk wurde von Dänemark im ersten EM-Spiel kalt erwischt und verlor sensationell 0:1 (0:1). Damit ist „Oranje“ im zweiten Gruppenspiel am Mittwoch (20.45 Uhr/ZDF) gegen die deutsche Auswahl zum Siegen verdammt.

Das Ärgerliche aus Sicht der Niederländer: Die Niederlage vor vollkommen unnötig. Phasenweise passte die spielerisch weit überlegene Elftal ähnlich wie beim Handball am gegnerischen Strafraum hin und her, erspielte sich Chancen im Überfluss, das Tor allerdings gelang den Dänen. Und das aus dem Nichts: Michael Krohn-Dehli (24.) nutzte die erste und beste Chance. Arjen Robben verpasste mit einem Pfostenschuss in der 36. Minute den möglichen Ausgleich.

Blankes Entsetzen bei den holländischen Fans auf der Fan-Meile in Warschau.

Es war kein Trost, dass zumindest der erste Rekord der EM 2012 auf das niederländische Konto ging. Van Marwijk vertraute im Metalist-Stadion, der „Spinnen-Arena“, auf Jetro Willems. Der Linksverteidiger von der PSV Eindhoven löste mit 18 Jahren und 71 Tagen den Belgier Enzo Scifo (18/115) als jüngsten Spieler der EM-Historie ab. Willems zeigte keine Scheu, er feuerte gleich einen gewaltigen Fernschuss ab (3.) - knapp drüber.

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Im Fokus stand jedoch ein anderer. Für Robben, der fast überall im offensiven Mittelfeld zu finden war, sollte es Teil eins der Traumabewältigung nach dem Champions-League-Drama mit Bayern München werden. Wie gewohnt, genoss der 28-Jährige, der bei den Bayern an die rechte Außenbahn „gefesselt“ ist, in der Nationalmannschaft mehr Freiheiten, die er selten nutzte - aber wenn, dann brannte es bei „Danish Dynamite“ lichterloh.

So beispielsweise in der 7. Minute, als er Robin van Persie bediente. Der Star des FC Arsenal hatte den Vorzug vor Bundesliga-Torschützenkönig Klaas-Jan Huntelaar (Schalke 04) erhalten, tat sich aber wie auch in weiteren Szenen (47. und 49.) schwer, das Vertrauen zurückzuzahlen. Mit Robbens „Spieltherapie“ war es zunächst auch nicht weit her, sein Schuss von der Strafraumgrenze klatschte an den Pfosten. Einige weitere Male scheiterte Robben knapp - oder brachte den Ball in bester Position nicht an den Mann (18.).

Die Dänen zogen sich im Sonnenschein weit vor das Tor ihres Schlussmanns Stephan Andersen zurück, der den kurz vor EM-Beginn verletzten Thomas Sörensen brillant vertrat - sie machten es den Niederländern genau dadurch schwer. Bis zehn Meter vor dem Strafraum sah alles mühelos und spielerisch aus, dann aber begannen die Probleme: Wer kreuzt, wer läuft ein, wo ist die Lücke? Wenn sich Gelegenheiten für die Niederländer ergaben, und das war beileibe nicht selten, war der überragende Andersen zur Stelle.

Und die Dänen? Taten nicht mehr, als Räume zuzulaufen, fühlten sich allerdings sichtlich wohl dabei - es stand ja 0:0; und sogar 1: 0, als der bei Ajax Amsterdam gescheiterte Krohn-Dehli den niederländischen Torhüter Maarten Stekelenburg von halblinks aus kurzer Distanz getunnelt hatte. Die gut gefüllte Kurve ganz in Orange schwieg bis in die zweite Halbzeit hinein.

Auf dem tiefen Rasen (van Marwijk hatte sich vorab darüber beklagt) reagierte Holland wütend, spielte aber bei seinen zahlreichen Angriffen, die vor allem kurz nach der Halbzeitpause auf das dänische Tor zurollten, weiter etwas zu ungenau. Der Favorit ging mit seinen Chancen fahrlässig um - was die limitierten, aber eiskalten Dänen clever ausnutzten. Sie befreiten sich nach knapp einer Stunde, hielten auch mal den Ball in den eigenen Reihen und hätten selbst frühzeitig den entscheidenden Schlag setzen können.

Der jedoch war gegen den Vize-Weltmeister an diesem Tag gar nicht nötig. Selbst der eingewechselte Huntelaar, der nach 70 Minuten doch gemeinsam mit van Persie randurfte, knackte die dänische Abwehr trotz einer „Hundertprozentigen“ nicht. Dänemarks Torhüter Andersen parierte prächtig gegen den „Hunter“ (74.).

sid

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