Neuer trainiert Patzer-Diskussion weg

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Manuel Neuer beim Training der Nationalmannschaft.

München - Am Montagabend hielt Manuel Neuer es wohl nicht mehr aus. Als einziger der acht Nationalspieler von Bayern München trainierte der 25-Jährige mit der Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw.

Einen freien Tag wollte er sich nach dem spielentscheidenden Patzer beim 0:1 zum Saisonauftakt gegen Borussia Mönchengladbach wohl nicht gönnen, sondern lieber die Beschäftigungstherapie beginnen. Das “Rückzugsgebiet Nationalmannschaft“ dürfte Neuer gerade recht kommen - die Diskussionen um seinen vermasselten Einstand im Bayern-Trikot finden indes ohne ihn statt.

Rückenwind von Vereinsseite: “Er wird noch viele Spiele gewinnen“

“Manuel wird uns noch viele Spiele gewinnen. Wenn ein Torwart so spielt wie er, kann es auch mal passieren, dass es schief geht“, sagte Bayern Münchens Sportdirektor Christian Nerlinger der “tz“. Nerlinger will Neuer aber keineswegs die Schuld für die Niederlage zuweisen: “Sein Fehler war nicht ausschlaggebend“, sagte der 38-Jährige zu der Szene, in der Neuer an der Strafraumgrenze nach einem langen Ball gegen Gladbachs Stürmer Igor de Camargo einen Schritt zu spät kam und so dem belgischen Stürmer das Tor des Tages ermöglichte.

Magath gibt den Kritiker

Überhaupt habe Nerlinger “gar kein Problem“ mit dem Patzer: “Ich weiß, dass Manuel souverän und stabil ist.“ Auch Nationalspieler Bastian Schweinsteiger attestiert seinem neuen Teamkollegen “einen sehr starken Charakter“. Neuer sei nicht nur sportlich, “sondern auch als Mensch eine Verstärkung. Wir werden noch viel Freude an ihm haben“, sagte Schweinsteiger am Dienstag. Trotz des Patzers sei jeder “froh, dass wir ihn haben. Wir werden noch viel Freude an ihm haben.“

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Anderer Meinung ist der ehemalige Bayern-Trainer Felix Magath: “Vielleicht beeindruckt ihn die ganze Situation schon“, sagte der Coach des kommenden Münchner Gegners VfL Wolfsburg. Rund 22 Millionen Euro haben die Bayern für Neuer ausgegeben, eine höhere Ablöse wurde noch nie für einen deutschen Torwart bezahlt. Die Erwartungen an den 20-maligen Nationalspieler sind hoch, er soll in München eine Ära prägen. Neuer hatte bisher stets gelassen gewirkt - auch nach den wiederholten Schmähungen einiger Bayern-Fans hatte er sich betont locker gezeigt.

 “Man muss ihn nicht aufbauen“

Bereits beim 1:2 im Liga-total-Cup Ende Juli gegen den Hamburger SV hatte Neuer mächtig daneben gegriffen. Dennoch glauben außer Magath nur wenige, dass der Keeper an dem Druck in München zerbricht: “Man muss ihn nicht aufbauen“, sagt Nerlinger, auch Abwehrspieler Jerome Boateng geht davon aus, dass Neuer der Fehlgriff “nicht lange beschäftigen“ werde. Von Größe zeugte schon, dass der ehemalige Schalker die Schuld für das Gegentor direkt nach Spielschluss auf sich genommen hatte.

Pfaff: “Jetzt wird er ein ganz Großer“

Bayerns Torwartlegende Jean-Marie Pfaff, dem bei seinem Debüt im August 1982 im Dress des Rekordmeisters ein ähnliches Malheur passiert war, weiß aus eigener Erfahrung, dass die Situation für Neuer hart ist. “Aber das Leben geht weiter“, sagte der Belgier der “Abendzeitung“. Als “Großer“ müsse Neuer da durch: “Er wird reifen, Jetzt wird er ein ganz Großer“, sagte Pfaff, der aber davor warnt, Neuer bereits jetzt zum weltbesten Torhüter zu erklären: “Er ist noch jung. Dafür muss er erst ein paar Jahre bei den Bayern auf konstant hohem Niveau halten.“

dapd

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