Neuer Skandal um Äquatorial-Guinea

Berlin - Die Skandale um WM-Debütant Äquatorial-Guinea reißen nicht ab: Die FIFA suspendierte eine Spielerin kurz vor dem Auftaktspiel gegen Norwegen. Zudem wird immer wieder über Männer und verdächtig viele Brasilianerinnen im Team diskutiert.

Einen Titel hat WM-Neuling Äquatorial-Guinea bereits vor dem ersten Turnierspiel sicher - den der skandalträchtigsten Truppe. Neuester Akt im Possenspiel um den Frauen-Afrikameister von 2008: Die FIFA sperrte nur knapp 48 Stunden vor dem Auftaktspiel am Mittwoch in Augsburg gegen Norwegen (15.00 Uhr/ZDF) die Nationalspielerin Jade Boho.

„Verstoß gegen die Teilnahmebedingungen“, lautet die vorsichtig formulierte Begründung des Weltverbandes. Tatsächlich soll Boho, die in Spanien bei Rayo Vallecano unter Vertrag steht, bereits Länderspiele für die spanische Nationalmannschaft bestritten haben.

Sie dürfte somit nicht mehr für Äquatorial-Guinea oder ein anderes Land spielen. Die Suspendierung der 24 Jahre alten Stürmerin, die in der WM-Qualifikation drei Tore in fünf Spielen erzielte, gilt vorerst für zwei Monate und betrifft alle FIFA-Wettbewerbe.

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Der Ärger für die noch junge Fußball-Nation begann schon während des Afrika-Cups im vergangenen Jahr. Damals zog die Trainerin von Finalgegner Nigeria über die Spielerinnen Äquatorial-Guineas her. „Wie 2008 spielen bei ihnen mindestens zwei Männer mit“, sagte Eucharia Uche. „Meldungen, wonach in unserem Frauenteam zwei Männer zum Einsatz kommen, entbehren jeder Grundlage“, erklärte dagegen der Verband Äquatorial-Guineas. Trotzdem wurden die angeklagten Geschwister Salimata und Bilguisa Simpore nicht für die WM nominiert.

Im Kader steht dagegen Hoffungsträgerin Genoveva Anonma, die in der kommenden Saison für den deutschen Meister Turbine Potsdam auf Torejagd geht und ebenfalls verdächtigt wurde. Sie habe früher schon Tests absolviert, die „ich sehr verletzend finde“, sagte die 22-Jährige zuletzt. Bewiesen, dass sich Männer ins Frauenteam eingeschlichen hätten, wurde übrigens nie.

Den Tatsachen entspricht dagegen, dass viele Mitglieder des WM-Kaders genau wie Nationaltrainer Marcelo Frigerio aus Brasilien stammen. Äquatorial-Guinea soll gleich sieben Akteurinnen vom Zuckerhut eingebürgert haben. Es bestehen Zweifel, ob dies alles den FIFA-Regeln entsprechend abgelaufen ist. „Sie haben aber einen Pass von Äquatorial-Guinea. Damit ist die Sache für mich als Trainer erledigt“, sagt Frigerio. Kurioserweise trifft „Brasilien-B“ nun im letzten Gruppenspiel auf die echte brasilianische Nationalmannschaft.

Auftaktgegner Norwegen lassen diese Diskussionen kalt. „Darüber denken wir gar nicht nach. Wir konzentrieren uns auf unsere Stärke“, sagt Team-Sprecher Jon Jamesson. Die Skandinavier wollen bei der WM endlich wieder an die erfolgreichen 1990er Jahre anknüpfen, als sie Welt- und Europameister wurden. Seit dem Olympiasieg 2000 in Sydney blieben die Erfolge allerdings aus. „Wir wissen, dass Äquatorial-Guinea stark ist, aber wir müssen das Turnier mit einem Sieg beginnen“, sagt Spielführerin Ingvild Stensland.

Für das krisengeschüttelte Team aus Äquatorial-Guinea gab es dann doch noch einen Lichtblick: Die FIFA erlaubte eine Nachnominierung für die suspendierte Boho. An ihre Stelle rückt die 19 Jahre alte Emiliana.

sid

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