"Neue Chance": Hinkel fällt ein Stein vom Herzen

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Andreas Hinkel zeigt sich erleichtert

Freiburg - Er sei "froh, dass die Wartezeit vorüber ist", erklärt Andreas Hinkel. Der Ex-Nationalspieler hat endlich einen neuen Verein gefunden - und sich einen Termin fett markiert.

Den 25. Februar 2012 hat sich Andreas Hinkel schon mal fett markiert in seinem Terminplaner. An jenem Samstag nämlich erwartet Fußball-Bundesligist VfB Stuttgart den SC Freiburg im emotionsgeladenen Baden-Württemberg-Derby. Gleich zwei Herzen werden dann in des Rechtsverteidigers Brust schlagen, das geerbte schwäbische und das erworbene badische. “Es wird im nächsten Jahr ein besonderes Spiel“, sagt der in Backnang geborene Neuzugang des SC Freiburg im Fachmagazin “Kicker“ voraus.

14 Jahre lang hatte Hinkel beim VfB gespielt und sich zuletzt seit August bei seinem Lieblingsklub fit gehalten. In Stuttgart hatte der 29-Jährige aber keine Aussicht auf eine Anstellung, weil der Tabellensiebte in Khalid Boulahrouz und Stefano Celozzi auf der rechten Abwehrseite gut besetzt ist. Der Tabellenfünfzehnte aus dem Breisgau hingegen hat die meisten Gegentore kassiert und in der Defensive Handlungsbedarf. Die Einigung mit den Freiburgern, die um den Klassenverbleib kämpfen, wertet der 21-malige Nationalspieler denn auch keineswegs als Abstieg: “Es ist eine neue Chance.“

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Sympathien für den Freiburger Weg

Der 29-Jährige, der vor zwei Jahren sein letztes Länderspiel bestritt, ist Realist. Und ein geerdeter Profi, für den landsmannschaftliche Kabbeleien keine Rolle spielen. Dass in badischen und schwäbischen Internetforen seit seiner Vertragsunterschrift am vergangenen Donnerstag sein Wechsel in den westlichen Teil des Bindestrichlandes heftig diskutiert wird, war für Hinkel Grund genug, auf seiner Facebook-Seite Stellung zu beziehen: “Ich weiß natürlich, dass es zwischen dem VfB und dem SC eine große Rivalität gibt. Aber ich als Fußballer muss das etwas sachlicher sehen. Der VfB wird immer ein besonderer Klub für mich bleiben, weil ich aus der Region komme und dort von der E-Jugend an gespielt habe. Aber ich hatte schon immer Sympathien für den Freiburger Weg.“

Es ist der Weg, wegen geringer finanzieller Ressourcen in erster Linie auf eigene Talente zu setzen - aber auch auf gestandene Profis mit Potenzial, die andernorts aussortiert wurden. Profis wie Andreas Hinkel eben, der nach einem Jahr beim FC Sevilla und vier Spielzeiten bei Celtic Glasgow seit dem vergangenen Sommer vertragslos war. Nach einem Kreuzbandriss im August 2010 hatte er sich bei dem schottischen Spitzenklub, mit dem er einmal Meister und einmal Pokalsieger wurde, wieder in Form gebracht. Ein Spiel durfte Hinkel bis zum Ende seines Engagements aber nicht mehr bestreiten.

Letztes Spiel im Mai 2010

Was folgte, waren Wochen zwischen Hoffen und Bangen auf dem Abstellgleis. “Generell war der Transfermarkt zäh“, erinnert sich Hinkel. Dass er im Mai 2010 sein letztes Spiel bestritt, sieht er als einen Grund dafür an, dass es mit einer neuen Anstellung nicht so schnell klappen wollte. Potenzielle Interessenten hätten womöglich das Risiko gescheut, denkt Hinkel. “Ich habe Geduld beweisen müssen und wollte keinen Schnellschuss machen. Jetzt bin ich aber froh, dass die Wartezeit vorüber ist.“

Womöglich wird der Außenverteidiger, der als Junior auch auf der linken Seite und im defensiven Mittelfeld schon gespielt hat und der mit dem VfB vor neun Jahren Deutscher Vizemeister geworden war, bereits am Sonntag (15.30 Uhr) im Kellerduell zuhause gegen den Tabellenletzten aus Hamburg sein Comeback geben. “Körperlich bin ich hundertprozentig fit“, lässt der Routinier nicht zuletzt Trainer Marcus Sorg wissen und sagt: “Ich denke, dass ich der Mannschaft mit meiner Erfahrung helfen kann, und freue mich enorm darauf, hier die Möglichkeit zu haben, wieder in der Bundesliga zu spielen.“

dapd

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