Fan-Randale nach KSC-Abstieg

Karlsruhe - Nach zwei Unentschieden in der Relegation gegen Jahn Regensburg steigt der Karlsruher SC in die dritte Liga ab. Es folgten Fan-Randale wütender Fans mit 75 Verletzten.

Oliver Kreuzer stand in vorderster Reihe. Der Manager des Karlsruher SC nahm sich und seine Spieler nach dem Sturz in die dritte Liga nicht aus der Schusslinie. Ganz im Gegenteil. Als vermummte Anhänger des KSC am Montagabend die Geschäftsstelle im Wildparkstadion stürmen wollten, beorderte Kreuzer kurzerhand die Mannschaft vor die Tür. Bis weit nach Mitternacht diskutierten Spieler und Fans die Gründe für das enttäuschende 2:2 im Relegations-Rückspiel gegen den Drittligisten Jahn Regensburg, das den Abstieg aus der 2. Fußball-Bundesliga besiegelte.

Dass dabei Stühle, Knallkörper und Bierkrüge flogen, nahm Kreuzer nur äußerlich gelassen hin. „Ich bin noch nie abgestiegen, als Manager nicht, als Spieler nicht. Das ist der bitterste Moment“, meinte Kreuzer. Nach dem 1:1 im Hinspiel am vergangenen Freitag reichten die Treffer von Klemen Lavric (32. Minute) und Elias Charalambous (56.) dem KSC nicht zum Klassenverbleib. Die Regensburger Oliver Hein (28.) und André Laurito (66.) machten mit ihren Gegentoren den Absturz der Badener in die dritte Liga perfekt. Bei den Ausschreitungen nach dem Spiel wurden insgesamt 75 Personen verletzt, unter ihnen 18 Polizeibeamte, teilte die Karlsruher Polizei am Dienstag mit. Acht Randalierer wurden festgenommen.

„Die Jungs weinen alle“, sagte KSC-Coach Markus Kauczinski. Sieben Spieltage vor Saisonende hatte er den Traditionsclub als Nachfolger des glück- und erfolglosen Jörn Andersen übernommen und noch in die beiden Relegationsduelle geführt. Für den Klassenverbleib kam Kauczinski zu spät. „Wir konnten einiges zum Guten wenden, aber leider nicht mehr alles verändern“, sagte der Coach. Vor allem nicht die eklatante Abwehrschwäche. Auch am Montag fielen beide Regensburger Treffer nach Eckbällen. „Unsere Schwächen waren die Stärken von Regensburg“, analysierte Kauczinski.

Der Trainer ist einer der wenigen beim KSC, der auch einen Vertrag für die dritte Liga unterschrieben hat. Die Badener stehen vor einem Neuanfang. In Dirk Orlishausen, Hakan Calhanoglu, Sebastian Schiek und Timo Kern haben bislang lediglich vier Spieler einen Kontrakt für die dritte Liga. „Wir haben ein paar Namen im Kopf und schon ein paar Spieler angesprochen“, sagte Kauczinski kurz nach Schlusspfiff. „Aber wir haben gerade an Attraktivität verloren.“

„Der Plan ist natürlich, so schnell in die zweite Liga zurück wie möglich. Wir werden den Verein in schweren Zeiten nicht im Stich lassen“, versprach Präsident Ingo Wellenreuther. „Wie die Mannschaft aussieht nächstes Jahr, steht in den Sternen“, erklärte Kreuzer. „Diese Mannschaft gibt es auf jeden Fall nicht mehr.“ Der Manager immerhin will weitermachen.

Überraschungs-Aufsteiger Jahn Regensburg steht vor ähnlichen Problemen - immerhin eine Klasse höher. „Ich befürchte, dass einige Spieler schon bei anderen Vereinen unterschrieben haben“, sagte Manager Franz Gerber in der Stunde des Triumphes. „Ich befürchte, dass diese Mannschaft auseinanderfällt. Es ist schade. Wir fangen bei unter null an.“

So wird Kapitän Tobias Schweinsteiger trotz Aufstiegs sogar zum Absteiger. Er wechselt zur kommenden Saison zur zweiten Mannschaft des FC Bayern München in die Regionalliga. „Ich habe mir das gut überlegt“, sagte Schweinsteiger, „meine Mission ist erfüllt. Jetzt kommt das nächste.“

dpa

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