Nerlinger bremst die Euphorie

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Christian Nerlinger

München - Mehrere Experten singen einhellig Lobeshymnen auf den FC Bayern. Doch Christian Nerlinger bremst die Euphorie: "Wir hatten noch keine kritische Phase, erst dann zeigt sich, wie intakt alles ist."

Rudi Völler sieht Bayern München auf Augenhöhe mit den ganz Großen in Europa, Matthias Sammer schwärmt, und Stefan Effenberg spricht schon vom Erreichen des Heim-Endspiels. Und auch wenn Franz Beckenbauer vor zu viel Euphorie warnt, will der Fußball-Rekordmeister den Haupt-Verantwortlichen für das Zwischenhoch belohnen: Trainer Jupp Heynckes, den Sportdirektor Christian Nerlinger als „Glücksfall“ bezeichnete, soll seinen Vertrag verlängern.

„Na klar ist es vorstellbar, dass Heynckes länger bleibt. Wieso nicht? Wir werden uns zu gegebener Zeit zusammensetzen“, sagte Nerlinger im Fachblatt kicker über Heynckes, den er den „perfekten Trainer für den FC Bayern“ nannte. Heynckes' Kontrakt beim FC Bayern ist bis 30. Juni 2013 datiert.

Heynckes mache sehr gute Arbeit und zeige, „dass man mit einem menschlichen Umgang die Dinge im Griff haben kann“, ergänzte Nerlinger - ein Seitenhieb auf den als sehr streng beschriebenen Heynckes-Vorgänger Louis van Gaal. Heynckes habe „die Mannschaft richtig im Griff, deshalb ziehen alle mit“. Dass der 66 Jahre alte Coach Platzhalter für Bundestrainer Joachim Löw oder Jürgen Klopp von Borussia Dortmund sein könnte, wies Nerlinger entschieden zurück.

Schließlich sehen die Bayern-Bosse den Freund von Präsident Uli Hoeneß als Hauptverantwortlichen für die jüngste Serie von zehn Pflichtspielsiegen ohne Gegentor. Spätestens nach dem 2:0-Sieg gegen Manchester City in der Champions League am Dienstag trauen zahlreiche Experten den Bayern den ganz großen Wurf zu. „Man muss ganz klar sagen: Bayern München ist auf einem Niveau mit Real Madrid, mit Barcelona und Manchester United. Diese vier Klubs - das ist das Maximum des europäischen Fußballs“, sagte Leverkusens Sportdirektor Völler dem Pay-TV-Sender Sky. DFB-Sportdirektor Sammer lobte die Bayern im selben Sender als „absolute europäische Spitze“ und „allererste Sahne“.

Und auch Günter Netzer lobte die Bayern in der Münchner tz in höchsten Tönen: Gegen City hätten sie „gezeigt, dass sie in dieser Saison zu einigem fähig sind. Wenn es so weiter geht, haben sie eine rosige Zukunft vor sich“. Der Erfolg sei eng mit dem Namen Heynckes verbunden, die Verpflichtung des erfahrenen Coaches sei „ein absoluter Volltreffer“ gewesen, ergänzte Netzer: „Da muss man der Führungscrew der Bayern ein Riesenkompliment machen.“

Beckenbauer und Nerlinger geht die Euphorie indes zu weit. Die Münchner stünden „sicher noch nicht auf Augenhöhe mit dem FC Barcelona. Das wäre übertrieben“, schrieb Beckenbauer in seiner Bild-Kolumne. Beim TV-Sender Sat.1 betonte er, Barca, Real Madrid oder Manchester United hätten dem FC Bayern allesamt etwas voraus - wie etwa den mehrmaligen Gewinn der Champions League.

ManUnited triumphierte 1999 gegen die Bayern und erneut 2008, Madrid war 1998 mit Heynckes sowie 2000 und 2002 erfolgreich, Barcelona holte den Cup 2006, 2009 und 2011, „während wir uns da bescheiden zurückgehalten haben“, wie Beckenbauer meinte. Die Bayern gewannen den Pokal nur 2001.

Nerlinger gab indes zu bedenken: „Wir hatten noch keine kritische Phase, erst dann zeigt sich, wie intakt alles ist.“ Der nächste Prüfstein heißt am Samstag 1899 Hoffenheim.

sid

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