Über den Umweg USA zum Titelgewinn in Brasilien

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Bundestrainer Jogi Löw (l.) mit DFB-Präsident Wolfgang Niersbach.

Frankfurt - Die deutsche Nationalmannschaft will im kommenden Jahr zu Fortbildungszwecken in die Ferne schweifen, um bei der WM 2014 der Trophäe endlich zum Greifen nahezukommen.

Die Teamleitung plant trotz der verpassten Teilnahme am Confed Cup für den Sommer 2013 eine Fernreise mit der Auswahl. Ein mögliches Ziel sind laut Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff die USA. In den Staaten soll die nötige Erfahrung gesammelt werden, um in Brasilien den langersehnten Titel zu holen. Am WM-Quartier soll die Mission auf keinen Fall scheitern. Obwohl die Qualifikation noch gar nicht begonnen hat, wird bereits im Herbst nach einer passenden Unterkunft gesucht.

„Wir hätten gerne den Confed Cup gespielt, auch wenn er eine zeitliche Belastung darstellt. Dieses Turnier ist ein guter Testlauf für die WM, nicht nur für den Gastgeber. Wir denken deshalb darüber nach, eine Fernreise zu machen“, sagte Bierhoff auf dfb.de. Nach Ansicht des Europameisters von 1996 sind Fernreisen vor allem für die jüngeren Profis der deutschen Mannschaft, die durch das Halbfinal-Aus bei der EM gegen Italien (1:2) die Teilnahme am Confed Cup in Brasilien verspielt hat, von großer Bedeutung.

„Diese weiten Reisen und die vielen Eindrücke haben gerade auf die Persönlichkeitsentwicklung der jungen Spieler immer einen positiven Effekt“, sagte Bierhoff: „Ich halte es auch für sinnvoll, wenn wir im Hinblick auf die WM möglichst viele Spiele gegen Mannschaften machen, die nicht aus Europa kommen. Nach Brasilien wird die Reise im kommenden Sommer jedoch eher nicht gehen. Die USA könnten eine Alternative sein.“

Bierhoff erklärte zudem, dass eine Delegation des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) bereits im Herbst nach Brasilien reisen wird, um nach einem Teamquartier für die WM-Endrunde zu suchen - obwohl die Qualifikation mit den Gegnern Schweden, Österreich, Kasachstan, Irland und den Färöer noch gar nicht begonnen hat.

„Es wäre fahrlässig, wenn wir nicht jetzt schon planen würden. Man kann es sich heute nicht mehr erlauben, mit den wichtigen Entscheidungen lange zu warten und erst ein halbes Jahr vor Beginn des Turniers sein Team-Basecamp zu wählen“, sagte Bierhoff: „Die anderen großen Nationen sind auch frühzeitig in Brasilien unterwegs. Wir werden im Herbst eine längere Reise dorthin machen, um das Land und die verschiedenen Spielorte und Städte kennenzulernen. Dabei werden wir auch Ausschau nach einem geeigneten Quartier für das Team-Basecamp halten.“

Der WM-Qualifikation der Mannschaft, die im ersten Spiel nach der EM am 15. August in Frankfurt/Main gegen den zweimaligen Weltmeister Argentinien um Superstar Lionel Messi ihre Form testet, sieht Bierhoff mit großer Zuversicht entgegen. „Wir sind die Nummer zwei der Weltrangliste, wir haben mit Sicherheit keine Angst vor dieser Gruppe“, äußerte der frühere Nationalstürmer: „Wir wissen aber auch, dass die Qualifikation kein Selbstläufer wird. Wir müssen aufpassen, die Gegner sind unangenehm.“

Obwohl Bierhoff bereits nach vorne blickt, ist die zurückliegende EM immer noch ein Thema beim Manager. Mit drei Wochen Abstand zum Italien-Spiel hat Bierhoff trotz der Kritik vonseiten der Medien ein positives Turnier-Fazit gezogen. „Was die Mannschaft über weite Strecken geleistet hat, finde ich beachtlich. Auch das Potenzial, das noch in ihr steckt, lässt uns optimistisch in die Zukunft blicken“, sagte Bierhoff.

Laut des Vize-Weltmeisters von 2002 ist auch eine erste interne EM-Nachbesprechung der Teamleitung zu einem zufriedenstellenden Ergebnis gekommen. „Ein erstes Fazit haben wir gezogen - und das fällt positiv aus. Trotz der Schwierigkeiten in der Vorbereitung mit den unterschiedlichen Anreisen der Spieler und trotz der Probleme mit diversen Verletzungen im Lauf der Saison hatten wir eine reibungslose und optimale Vorbereitung und haben ein gutes Turnier gespielt“, sagte Bierhoff.

Der 44-Jährige musste allerdings eingestehen, dass der DFB bei der Endrunde nicht so viel Geld wie bei den zurückliegenden Turnieren eingenommen hat. „Der Gewinn wird sicher nicht ganz so hoch ausfallen wie bei den vorangegangenen Turnieren, als wir ein Plus von bis zu sechs Millionen Euro erwirtschaften konnten“, sagte Bierhoff. Dennoch werde der Verband „so wie bei den vergangenen Turnieren auch“ einen „Gewinn machen, der mit der Liga geteilt wird“. Für den gebürtigen Karlsruher ist das „gerade vor dem Hintergrund der 'Luxusdiskussion' um die Nationalmannschaft erwähnenswert“.

sid

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