Zufrieden trotz Nullnummer

Das sagt Jogi Löw nach dem 0:0 gegen Holland

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Jogi Löw: "Brauchen auch solche Spiele".

Amsterdam - Joachim Löw ist trotz der Nullnummer in Amsterdam zufrieden. Nach den jüngsten Defensivdebatten waren für den Bundestrainer andere Dinge wichtig, wie er im Interview verrät.

Nach der von Taktik und Disziplin geprägten Nullnummer gegen die Niederlande verabschiedete sich Joachim Löw mit einem guten Gefühl in die Winterpause. Offensivspektakel und Tore-Zauber hatte die Fußball-Nationalmannschaft in Amsterdam beim ersten 0:0 seit zwei Jahren nicht zu bieten. Für den Bundestrainer zählten aber zum Abschluss des bewegten EM-Jahres eher Begriffe wie Stabilität und Balance.

„Natürlich tut so ein Spiel allen gut. Natürlich ist es besser, man geht in eine lange Pause mit einem guten Spiel und einem guten Ergebnis, als mit einem schlechten Spiel und einem schlechten Ergebnis“, sagte Löw. Ohne acht verletzte oder kranke Stammkräfte sah der Bundestrainer Personal-Varianten für kommende Aufgaben.

„Es hat auch gezeigt, dass wir gute Alternativen haben. Die Abwehr war sehr konsequent, und auch das zentrale Mittelfeld war sehr gut“, lobte Löw besonders Ilkay Gündogan und Lars Bender als Aushilfs-Doppelsechs. „Wir brauchen auch solche Spiele, um uns in der Breite noch zu verbessern, für eine WM.“

Das Jahr 2012 schloss das DFB-Team mit acht Siegen, zwei Remis und vier Niederlagen ab. Mehr verlorene Spiele in einem Kalenderjahr gab es unter Löw seit 2006 noch nie. Auch 22 Gegentore in 14 Spielen sind Negativrekord. Die wesentliche Erkenntnis ist für Löw die Treue zur Spielphilosophie. „Immer wenn wir unseren Spielstil durchgezogen haben, haben wir keine Probleme gehabt, weder in der Defensive noch in der Offensive. Wenn wir davon abgegangen sind, hatten wir immer irgendwelche Schwierigkeiten.“

Philipp Lahm verband die durchwachsene Jahresbilanz mit einem optimistischen Ausblick. „Wir hatten insgesamt ein erfolgreiches Jahr 2012, auch wenn die EM natürlich im Endeffekt enttäuschend verlaufen ist. Jetzt blicken wir nach vorne. 2013 wollen wir uns so schnell wie möglich für die WM qualifizieren. Das muss das Ziel sein“, sagte der DFB-Kapitän. Am 6. Februar tritt die Nationalmannschaft zum ersten Test im neuen Jahr in Paris gegen Frankreich an. Die WM-Qualifikation wird im März mit Hin- und Rückspiel gegen Kasachstan fortgesetzt.

DFB-Elf gegen Holland: Die Bilder des Spiels

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Jogi Löw im Interview

Wie fällt ihr Fazit des letzten Länderspiels des Jahres aus?

Joachim Löw: „Im Vorfeld ist viel diskutiert worden über den Sinn oder die Wertigkeit eines solchen Spiels im November. Ich hatte vor dem Spiel schon einen großen Sinn darin gesehen, dass wir ein Spiel gegen einen starken Gegner absolvieren. Natürlich habe ich auch im Nachhinein wichtige Erkenntnisse gewonnen. Weil acht Stammkräfte gefehlt haben, war es eine gute Chance, anderen Spielern die Chance zu geben, sich zu zeigen.“

Und was ist das rein sportliche Fazit des Spiels?

Löw: „Ich habe das Spiel so gesehen, dass wir sehr positionstreu gespielt haben, sehr diszipliniert und sehr kompakt. Ich denke, dass wir in der ersten Halbzeit die stärkere Mannschaft waren, die dominantere Mannschaft, mit sehr, sehr guten Möglichkeiten. Wir haben Holland kontrolliert. In der zweiten Halbzeit war es ausgeglichen und wir hatten nicht mehr die Zugkraft nach vorne. Gegen eine der besten Mannschaften in Europa haben wir das sehr gut gelöst.“

War es einfach wichtig, zu null zu spielen?

Löw: „Zum einen war es wichtig, nach den letzten 30 Minuten gegen Schweden, der Mannschaft im Vorfeld das eine oder andere, was mir wichtig war, mitzugeben. Dass wir das nicht wiederholen, was uns da passiert ist und dass wir eine sehr, sehr starke Defensivarbeit gemacht haben.“

War es eventuell sogar gut, dass sie durch den Ausfall von vielen Spielern zum Experimentieren gezwungen wurden?

Löw: „Natürlich hätte ich alle Spieler gerne dabei gehabt im letzten Spiel des Jahres, weil die Pause ein bisschen länger sein wird bis zum nächsten Spiel im Februar. Ich hätte dieses Spiel sowieso genutzt, um den einen oder anderen von Anfang an zu bringen. Es wäre mir recht gewesen, wenn alle dabei gewesen wären. Die Situation hat sich so ergeben, also mussten wir andere Lösungen finden.“

Was nehmen sie aus diesem EM-Jahr mit für die Zukunft?

Löw: „Aus diesem Jahr nehmen wir einiges mit. Ich habe immer gesagt, dass es wichtig sein wird, über die Monate hinweg die richtige Balance zu finden. Ich habe nie gesagt, dass wir unser Offensivspiel und dieses Potenzial aufgeben. Von daher werden wir weiter konsequent daran arbeiten. Wir haben immer die letzten Jahre eine starke Offensivleistung gehabt und viele Tore erzielt.“

Was hat sie heute besonders gefreut?

Löw: „Dass wir im ganzen Spiel die Ruhe und Ballsicherheit hatten. Es hat gezeigt, dass wir gute Alternativen haben. Die Abwehr war sehr konsequent und das zentrale Mittelfeld war heute sehr gut. Gündogan und Lars Bender haben sehr gute Arbeit verrichtet. Ich habe gesehen, dass wir im Zentrum ein Übergewicht hatten. Wir brauchen auch solche Spiele, um uns in der Breite noch zu verbessern für eine WM.

Die Aufstellung von Mario Götze als zentrale Spitze hat überrascht.

Löw: „Den Gedanken hatte ich schon, der ist mir nicht heute Nacht eingefallen. Weil ich drei Spieler vorne wollte, die sich in den Positionen bewegen, und Götze der Spieler ist, der mit dem Rücken zum Tor am besten spielen kann. Weil Reus und Müller mit dem Gesicht zum Tor besser sind.“

Sind sie erleichtert, dass sie mit einem achtbaren Resultat in die Winterpause gehen?

Löw: „Ich weiß nicht, ob es Erleichterung ist. Es ist ein gutes Spiel gewesen, ich rede nicht vom Ergebnis, sondern von unserem Spiel. Natürlich tut so ein Spiel allen gut. Natürlich ist es besser, man geht in eine lange Pause mit so einem guten Spiel mit einem guten Ergebnis, als mit einem schlechten Spiel und einem schlechten Ergebnis.“

Was ist für sie die Erkenntnis des Jahres 2012?

Löw: „Immer, wenn wir unseren Spielstil durchgezogen haben, haben wir keine Probleme gehabt, weder in der Defensive noch in der Offensive. Wenn wir davon abgegangen sind, hatten wir immer irgendwelche Schwierigkeiten.“

dpa

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