"German Endspiel" setzt Löw unter Druck

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Bundestrainer Jogi Löw.

Miami - Auch Bundestrainer Joachim Löw fiebert dem deutschen Endspiel in der Champions League entgegen. Doch mit Blick auf die WM 2014 steigt der Druck auf ihn dadurch noch mehr.

Entspannt steht Bundestrainer Joachim Löw auf dem Trainingsplatz der Barry University in Miami Beach. Es läuft die erste Trainingseinheit seiner „Reserve“-Nationalmannschaft bei der viel diskutierten US-Reise. Die WM 2014 in Brasilien ist an diesem Donnerstag bei bis zu 30 Grad und einem Wechsel zwischen Sonne und Wolken weit weg - und doch so nah.

Das deutsche Traumfinale in der Champions League zwischen Bayern München und Borussia Dortmund im rund 7200 Kilometer entfernten London erhöht auch den Druck auf den Bundestrainer, im kommenden Jahr endlich den lange ersehnten Titel mit der DFB-Auswahl zu holen. Zumal sich im Wembley-Stadion mindestens elf seiner Nationalspieler gegenüberstehen werden und damit noch größere Hoffnungen für 2014 wecken.

„Natürlich setzt der Champions-League-Titel für eine deutsche Mannschaft die Nationalmannschaft jetzt unter Druck. Diesen Druck müssen wir annehmen und aushalten - zumal die Nationalmannschaft von dieser erfreulichen Entwicklung profitieren wird“, sagte bereits Teammanager Oliver Bierhoff vor dem Abflug in die USA, wo die Nationalelf ohne 15 Stars die Länderspiele am 29. Mai in Boca Raton gegen Ecuador und am 2. Juni in Washington gegen die USA bestreiten wird.

Der Trip bis 4. Juni sei zwar für die DFB-Auswahl „ein schwieriger Fall, aber der beste Fall für den deutschen Fußball. Das ist eine Supersache, toll für den deutschen Fußball, und nutzt auch uns bei der Nationalmannschaft“, betonte Löw, den die gestiegene Erwartungshaltung keinesfalls stört.

Jogi Löw: Gestern und heute

Jogi gestern, Jogi heute

Durch das erste Bundesliga-Finale in einem Europacup-Wettbewerb sieht Bierhoff Spaniens bisherige Dominanz allerdings noch nicht vollends gebrochen. „Ich hoffe auf eine Wachablösung in Europa. Aber das müssen die nächsten Jahre bestätigen - in der Champions League, in der Europa League und mit der Nationalmannschaft. Wenn im nächsten Jahr zwei deutsche Mannschaften mit Pech schon im Viertelfinale der Champions League ausscheiden, heißt es doch gleich wieder: Der deutsche Fußball steckt in der Krise“, sagte der 45-Jährige der Sport Bild.

Doch davon geht DFB-Kapitän Philipp Lahm von Bayern München nicht aus. Er blickt vielmehr „rosigen Zeiten entgegen“. Dieses Finale in London bringe auch die Nationalmannschaft „nach vorne, wenn die Spieler schon einen großen Pokal gewonnen haben. Das tut der Mannschaft gut, wir entwickeln uns dadurch immer weiter“. Den letzten Titel gewann das DFB-Team 1996 bei der Europameisterschaft in England, 2014 soll der Bann dann endlich gebrochen werden.

Im aktuellen Spielerkreis von Löw hat noch keiner einen großen Triumph feiern können. Umso größer ist die Sehnsucht, zumal im Vereinsfußball in dieser Saison die spanischen Spitzenklubs in die Schranken gewiesen wurden. „Wir wollen mit der Nationalmannschaft endlich nachziehen“, unterstrich Lahms Münchner Kollege Thomas Müller.

Es könne bis 2014 zwar viel passieren, ergänzte Müller, „aber wir haben grundsätzlich gezeigt, dass wir die Qualität haben. Wir haben noch nicht den letzten Schritt gemacht, aber ich traue uns zu, dass wir gegen Spanien gewinnen.“

Deswegen konnte Löw auch die Diskussionen um die USA-Reise nicht nachvollziehen. Diese seien völlig „unsinning. Wir haben in Deutschland inzwischen mehr als 20 gute Fußballer, die ich guten Gewissens in ein Flugzeug in die USA setzen kann. Wir haben hervorragende Möglichkeiten.“

Gegen Ecuador und die von Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann betreute USA hätten durch die vielen Absagen jene Spieler eine Chance, „sich zu bewähren, die sonst nicht so im Fokus stehen“. Bierhoff nannte Julian Draxler und Andre Schürrle, die in die „erste Reihe rücken“ würden: Wenn der Trip „uns nur ein kleines Stückchen weiterbringt, wäre uns mit Blick auf die WM in Brasilien schon viel geholfen“. Damit es endlich wieder mit einem Titel für das DFB-Team klappt.

sid

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