Viele Chancen, wenig Tore

Löws Problem: Wo sind die deutschen Torjäger?

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Der Bundestrainer und einer seiner wenigen Stürmer: Joachim Löw (r.) klatscht mit dem ausgewechselten Miroslav Klose ab.

Hannover - Neue Saison, altes Problem - wieder ging die deutsche Nationalmannschaft fahrlässig mit ihren Chancen um. Das könnte sich am Dienstag rächen.

Der Grund des Ärgers war beim 500. Jubiläumssieg immer der gleiche, die Frustreaktion darauf höchst unterschiedlich. Mesut Özil drosch den Ball gegen die Werbebande, Kapitän Philipp Lahm raufte sich die Strubbelhaare, und Bundestrainer Joachim Löw schüttelte missmutig den Kopf.

Statt sich locker warmzuschießen für den weiteren Verlauf der WM-Qualifikation, bestätigte die deutsche Fußball-Nationalmannschaft beim 3:0 (1:0) gegen die Färöer in Hannover ihr fast schon chronisches Problem - die Chancenverwertung. Was fehlt, ist ein kühler Vollstrecker, die einzige nominelle Sturmspitze Miroslav Klose war es gegen die Nummer 154 der Weltrangliste jedenfalls nicht.

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"Das müssen wir uns schon vorwerfen lassen, dass wir unsere Torchancen viel zu wenig genutzt haben", räumte Mario Götze ein. Auch der Dortmunder hätte mehr als einmal treffen müssen, brachte die Gastgeber vor 32.769 Zuschauern in Hannover aber durch sein Tor in der 28. Minute zumindest auf die Siegerstraße. Zwei weitere Treffer durch Özil (54. und 71.) besiegelten den Pflichtsieg gegen die überforderten Gäste aus dem hohen Norden.

Was gegen die wackeren Amateure und Halbprofis noch nicht wirklich wehtat, könnte sich schon am Dienstag in Wien rächen. Gastgeber Österreich ist ein Gegner anderen Kalibers. "Da steht jetzt ein viel härterer Brocken vor der Tür", sagte Thomas Müller, und auch Löw warnte: "Die Österreicher sind so stark wie seit Jahren nicht mehr."

Im Stile einer Handball-Mannschaft kreiselte die DFB-Elf viel zu oft unschlüssig um den Färöer-Strafraum herum. Wenn sich doch einmal eine Schussmöglichkeit auftat, wurde häufig gezögert, noch einmal abgespielt oder schlichtweg am Tor vorbeigeschossen. "Immerhin waren viele Chancen da, das ist nicht bei jeder Mannschaft so", sagte Sami Khedira und versuchte damit, die Problematik zu relativieren.

Das war dem Bundestrainer dann aber doch zu billig: "Gerade in der ersten Halbzeit hätten wir schon mehr Tore erzielen können. Der letzte Abschluss war nicht hundertprozentig vorhanden, die Chancenverwertung muss besser werden. Und die Mannschaft muss Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor lernen."

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Diesem Anspruch wurde Özil noch am ehesten gerecht. Auch der 23-Jährige war vor dem Seitenwechsel beim Abschluss noch zu fahrig, in der zweiten Halbzeit wurde er zielstrebiger und treffsicherer. Lobende Worte über seinen zweiten Doppelpack bei der Nationalmannschaft im 40. Spiel reichte er rasch an die Teamkollegen weiter: "Es waren immer Anspielstationen da, das hat es mir leichter gemacht."

Den Effektivitätstest bestanden die Gastgeber in der WM-Arena am Maschsee nicht, die in den letzten Tagen in Barsinghausen verfeinerte Spielausrichtung gegen den Ball blieb weitgehend ungeprüft - kein Wunder, angesichts der destruktiv agierenden Färöer mit ganzen 27 Prozent Ballbesitz.

Doch auch da erkannte Abwehrchef Mats Hummels "Schwachstellen, die dieser Gegner aber nicht ausnutzen konnte". Das könnte sich ebenfalls schon am Dienstag (20.45 Uhr/ARD) im ausverkauften Ernst-Happel-Stadion ändern.

Gegen einen Gegner, der sich vor 22 Jahren gegen Färöer unsterblich blamierte und ein EM-Qualifikationsspiel gegen den Fußball-Zwerg mit 0:1 verlor. Wiederholung im kommenden Jahr nicht ausgeschlossen, wenn man Färöer-Coach Lars Olsen glaubt: "Bei uns hat sich in den vergangenen Jahren einiges bewegt. Wir sind mit dem Fußball auf unseren Inseln auf einem guten Weg."

SID

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