Nacktfotos und Nagellack: Spiel mit den Reizen

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Katie Bowen und Anna Green aus Neuseeland

Berlin - Schönheit schießt keine Tore - aber Trikottausch, Nagellack und Schminke gehören auch zur WM: ein Überblick über das Spiel mit den Reizen.

“FIFA's next Topmodels“ hatten ein paar schwedische Männer auf ein Transparent geschrieben, das sie beim Spiel ihrer Fußballerinnen gegen die USA in Wolfsburg fröhlich in die Kameras hielten. Lothar Matthäus, dem Experten fürs Optische, würde es zwar gefallen, doch so weit ist es noch nicht, dass der Weltverband die Wahl einer “Miss WM“ ausruft. Dabei ist Laufsteg-Potenzial durchaus vorhanden. Schönheit schießt zwar auch keine Tore, aber wenn die “Ballerinas“ kicken, sind weibliche Reize definitiv mit im Spiel.

Die Schwedin Lotta Schelin ist eine Frau mit Modelfigur. Sie lackiert sich schon mal die Fingernägel rosa, passend zu ihren Fußballschuhen. Das Schönste an der Stürmerin vom Champions-League-Sieger Olympique Lyon aber ist ihr bezauberndes Lächeln, das ihr selbst dann nicht aus dem Gesicht fällt, wenn sie die zehnte Chance im Spiel versiebt.

Triktottausch - na und?

Ihre blonde Kollegin Josefine Öqvist zog nach dem Spiel gegen Nordkorea in Augsburg ihr Trikot aus und tauschte es cool gegen das T-Shirt eines Fans. Auch die Neuseeländerinnen Hannah Wilkinson, Katie Hoyle und Emma Kete zeigten in Dresden, was sie drunter tragen - gut sitzende Sport-BHs, zu denen Werbetextern aber nicht viel mehr einfällt als “Nur der Ball sollte hüpfen“.

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“Wer scharf aussieht, schießt auch schärfer“, heißt es in einer Kampagne mit Lira Bajramaj. Die Filigrantechnikerin des deutschen Teams ist immer perfekt gestylt. Sie versenkt sogar in Hochhackigen Bälle an der ZDF-Torwand und hat Spaß am Spiel mit ihren Vorzügen. “Tussi“ nennt Nadine Angerer das Glamour-Girl, doch Bajramaj kontert die Torfrau: “Ich bin gern eine Tussi.“ Auch Kim Kulig liebt das Shoppen: trendige Handtaschen, überdimensionale Sonnenbrillen und schicke Uhren.

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Die auffälligste Frisur des Turniers ist schon ausgeschieden. Äquatorialguineas Genoveva Anonma, die in der kommenden Saison für Turbine Potsdam auf Torejagd geht, flocht sich mal grüne, mal rote, mal weiße Bänder in ihre Rastalocken. Nordkoreas Spielerinnen wäre so etwas nie erlaubt worden. Sie trugen einen einheitlichen Jungs-Haarschnitt. “Man kann die gar nicht auseinanderhalten. Die haben alle denselben Friseur“, lästerte Angerer, deren wichtigstes modisches Accessoire Mützen aller Art sind.

Französinnen provozieren mit Nacktfotos

Die Japanerin Sawa ließ sich einen Fußball und eine japanische Flagge auf den rechten Ring- und Mittelfinger malen. “Das hat eine Mitspielerin gemacht. Es hat mir Glück gebracht“, sagte sie nach ihren drei Toren gegen Mexiko. Hoffentlich lässt diese Wirkung bis zum Samstag nach. Weltfußballerin Marta lackiert sich die Zehennägel wahlweise in Blau oder Gelb, Hauptsache brasilianisch. Leider tragen sie und ihre Mitspielerinnen Erika und Fabiana die Stutzen stets bis weit über die Knie gezogen wie Thrombosestrümpfe - das sieht bei Männern und bei Frauen doof aus.

Allzu wörtlich nahmen den WM-Slogan “20elf von seiner schönsten Seite“ fünf deutsche Nachwuchskickerinnen, die vor der WM mit freizügigen Fotos im “Playboy“ das angeblich immer noch herrschende Vorurteil über Frauenfußball (lesbisch, langsam, langweilig) aus der Welt schaffen wollten. Sehr viel ästhetischer waren die Bilder einiger Französinnen für ihre WM-Kampagne. Sie ließen die Hüllen fallen, zeigten trotzdem nicht alles und fragten provozierend: “Müssen wir erst so auflaufen, damit ihr zu unseren Spielen kommt?“

Etliche Kickerinnen nervt der Rummel um Trikottausch, Wimperntusche und Lippenstift auch. Simone Laudehr, die selbst ihr Zungenpiercing nicht verbergen konnte, kommentierte nach dem Spiel gegen Nigeria bissig-ironisch auf ihrer Website, sie werde von Journalisten endlich nicht mehr nach Schminke und Klamotten gefragt: “Da trainiere ich jahrelang knüppelhart, mach ich alles für meinen Sport, richte mein ganzes Leben danach aus, und dann braucht es nur zwei schwächere Spiele der Natio hintereinander, einen Wutausbruch von Birgit und ein paar 'lustige' Schiedsrichterentscheidungen, und schon reden und schreiben alle über Fußball, und ich fühle mich als Fußballerin ernst genommen. Wahnsinn!“

dapd

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