Boateng beschimpft

Nach Rassismus-Eklat: Erster Täter gesteht

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Kevin-Prince Boateng (r.)

Mailand - Im neuen italienischen Rassismusskandal um Kevin-Prince Boateng hat ein erster Täter gestanden, den ehemaligen Bundesligaprofi beleidigt zu haben.

Das berichten italienische Medien. Zudem werden die Vorkommnisse beim Testspiel des AC Mailands beim Viertligisten Pro Patria aus der lombardischen Stadt Busto Arsizio wahrscheinlich ein Nachspiel vor Gericht haben.

Die Staatsanwaltschaft der norditalienischen Stadt eröffnete am Freitag ein Verfahren gegen die Fangruppierung, die Boateng mit rassistischen Gesängen beleidigt hatte. Der Vorwurf lautet auf Aufhetzung zu rassistischem Hass, berichtete Staatsanwalt Mirko Monti. Die Polizei überprüft derzeit Videoaufnahmen des Spiels und hat neben dem geständigen Täter bereits mehrere Personen vernommen. Unter anderem droht den Übeltätern eine fünfjährige Stadionsperre.

Vor und während des Testspiels hatten Fans des Viertligisten Boateng und weitere dunkelhäutige Milan-Spieler beleidigt. Daraufhin unterbrach Boateng in der 26. Minute das Spiel, schoss den Ball in Richtung der Zuschauer und verließ den Platz. Seine Teamkollegen folgten Boateng, das Spiel wurde anschließend abgebrochen.

Die Lega Pro, in der Italiens Dritt- und Viertligisten zusammengeschlossen sind, kündigte an, eine Zivilklage einzureichen. „Wir können derartige Angriffe nicht dulden, die die Freude am Fußball zerstören“, erklärte Lega-Pro-Präsident Marco Macalli.

Unterdessen verpflichtete sich der Viertligist Maßnahmen gegen Rassismus im Fußball zu ergreifen. Dunkelhäutigen Fans soll ein Platz auf der Ehrentribüne des Stadions zugesichert werden.

Boateng bedankt sich für Zuspruch

Boateng hat sich nach für den Zuspruch bedankt. „Danke an alle für die Unterstützung und das Verständnis. Das bedeutet mir sehr viel“, twitterte der gebürtige Berliner am Freitagmittag.

Das schreibt die Presse

Gazzetta dello Sport: „Rassistische Schande. Wir sind alle Boateng! Wir beneiden ihm nicht das Talent, den Ruhm, das Gehalt oder die schöne Freundin: Seine Geste, seine Revolte gehören uns allen. Wir sind schwarz wie er, schwarz im Gesicht, in der Seele, schwarz vor Wut wegen einer riesigen Beleidigung gegen die Vernunft und das zivile Verhalten.“

Corriere dello Sport: „Ein großer Klub, eine große Lehre. AC Milan ist nicht nur der italienische Klub, der auf internationalem Gebiet am meisten gewonnen hat. Er ist jetzt auch der erste Klub Italiens, der auf dem Spielfeld eine Gruppe von rassistischen Idioten besiegt hat. Milan ist ein großer Verein und er hat es auch bewiesen, indem er gestern seinen Spieler Boateng vor rassistischen Beleidigungen in Schutz genommen hat.“

Tuttosport: „Der AC Milan verdient größtes Lob. Der Klub zeigt, dass man keine Aggressionen, nicht einmal verbale, seitens von Personen tolerieren darf, die sich in der Gruppe stark machen, um ihre unakzeptablen Meinungen auszudrücken. Der Beschluss Milans, das Spiel abzubrechen, ist vorbildhaft.“

Repubblica: „Das ist ein Rekord der Schande, der uns bisher noch fehlte. Rassismus wächst in Italien und in Europa. Jetzt hat der AC Mailand auf eine Weise reagiert, die vorbildhaft ist.“

La Stampa: „Jetzt ist keine Rückkehr mehr möglich. Jetzt gibt es kein Alibi mehr für Klubs, die sich in der Meisterschaft aus Angst, oder aus Bequemlichkeit bei rassistischen Schmährufen taub stellen. Von jetzt an kann man nicht mehr so tun, als würde es Rassismus im Fußball nicht geben.“

sid

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