Nach Rummenigge-Kritik: Zwanziger wehrt sich

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DFB-präsident Theo Zwanziger.

Berlin - DFB-Präsident Theo Zwanziger, hat auf die Kritik von Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge reagiert. Er spekuliert, die Bayern wollten von möglichen eigenen Problemen ablenken.

Theo Zwanziger schlägt zurück und wehrt sich vehement gegen die „Abteilung Attacke“ von Fußball-Rekordmeister Bayern München: Der DFB-Boss warf Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge am Dienstag Populismus vor und unterstellte den Bayern, dass sie mit der Kritik nur von ihren eigenen Problemen ablenken wollen. Rummenigge hatte wie zuvor schon Bayern-Präsident Uli Hoeneß dem DFB-Präsidenten eine zu große Nähe zu FIFA-Präsident Joseph S. Blatter unterstellt.

 „Als Blitzableiter gebe ich mich nicht her. In Deutschland wird man wohl nur gefeiert, wenn man Blatter kritisiert. Aber was erreicht man dadurch? Nichts! Ich möchte sehr wohl in der FIFA einiges verändern und demokratisieren, wie es auch Rummenigge fordert“, sagte Zwanziger der Bild-Zeitung: „So steht es in meinem Fünf-Punkte-Plan. Der lässt sich jedoch nur mit Blatter umsetzen. Und daran arbeite ich bereits intensiv.“ Auch DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach empfindet die Angriffe der Bayern als „unangebracht und der Sache nicht förderlich.“

Rummenigge hatte die FIFA als „Korruptionsstadl“ gegeißelt und die Rolle des DFB-Präsidenten im Exekutivkomitee des Weltverbandes kritisch hinterfragt. Laut Zwanziger, der nach SID-Informationen am Montag sogar kurzzeitig über einen Rücktritt aus dem FIFA-Exekutivkomitee nachdachte, wollen die Bayern mit ihren Attacken nur von eigenen Problemen ablenken. „Weil man nur öffentliche Stimmungen aufgreift, ohne sachlich zu argumentieren. Ich habe das Gefühl, die Bayern brauchen ein Feindbild, vielleicht um von möglichen eigenen Problemen abzulenken. Früher nahm man gerne den DFB, heute FIFA und Sepp Blatter“, sagte Zwanziger.

Rummenigge stößt bitter auf, dass Zwanziger zuletzt auch bei der Frauen-WM FIFA-Boss Blatter stets gebetsmühlenartig verteidigt hatte. „Zwanziger muss aufpassen. Die Politik, die er gegenüber dem FIFA-Präsidenten Sepp Blatter verfolgt, finde ich nicht sehr klug: Blatter stets zu verteidigen, obwohl die ganze Welt weiß, wie es wirklich ist. Die FIFA ist ein Korruptionsstadel - dafür gibt es genug Beweise -, das wird auch Zwanziger nicht ändern“, sagte Rummenigge.

Der Jurist aus Altendiez forderte indes von Rummenigge, die Vorwürfe gegen Blatter und die FIFA mit handfesten Beweisen zu untermauern. „Rummenigge scheint ja auch Beweise dafür zu haben, wie er sagt. Dann soll er doch bitteschön diese Beweise auf den Tisch legen. Oder werden hier nur allgemeine Verdächtigungen eingesetzt, weil es so schön in das allgemeine Stimmungsbild passt? „, sagte Zwanziger.

Nach Aussage von Zwanziger müsse der deutsche Fußball erkennen, „dass wir eine Chance haben, etwas zu verändern. Aber wenn er das nicht erkennt und ständig quer geschossen wird, haben wir auch keine Chance.“

Die Kritik von Hoeneß und Rummenigge ging dem DFB-Präsidenten am Montag sehr nahe. Nach einer kurzen Zeit des Nachdenkens schloss Zwanziger einen Rücktritt aber vorerst aus. „Aktuell sicher nicht. Es muss aber in naher Zukunft für den deutschen Fußball insgesamt und besonders für unsere Klubs klar werden, was man dort eigentlich will: Mit der aktuellen Führung der FIFA notwendige Reformen angehen oder Feindbilder pflegen“, sagte Zwanziger.

Zwanziger will die notwendigen Reformen in den kommenden Monaten als Teil des FIFA-Exekutivkomitees mit Verve angehen und wird voraussichtlich von Blatter beauftragt, neue Statuten für die Vergabe von Weltmeisterschaften zu schaffen. Damit sollen Bestechungszahlungen und Korruptionsfälle zumindest eingedämmt werden. „Wo Bestechung oder andere Taten bewiesen werden, müssen sie hart bestraft werden. Aber man darf nicht alles durcheinander werfen und gleich mit dem Stempel Korruption versehen, nur weil es etwas mit der FIFA zu tun hat“, sagte Zwanziger.

sid

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