Fall Matip: Podolski und Solbakken verärgert über DFB

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Lukas Podolski fühlt sich vom DFB-Sportgericht ungerecht behandelt.

Köln - Das Urteil vom Freispruch des Schalkers Joel Matip durch die UEFA hat hohe Wellen geschlagen. Nationalspieler Lukas Podolski und sein Trainer wettern gegen das DFB-Sportgericht.

Trainer Stale Solbakken vom 1. FC Köln hat seinem Ärger über die Sperre des Nationalspielers Lukas Podolski noch einmal richtig Luft gemacht. „Das ist eine Katastrophe für den deutschen Fußball“, sagte der Norweger im Vorfeld der Bundesliga-Partie gegen den deutschen Meister Borussia Dortmund am Sonntag (17.30 Uhr/Sky und Liga total!).

Solbakken bezeichnete das DFB-Sportgericht nach dem Freispruch des Schalkers Joel Matip durch die Europäische Fußball-Union UEFA als „totes Komitee. Da sollten keine drei Menschen sitzen, sondern drei Statuen. Es ist Wahnsinn, dass für einen Tag Leute aus Berlin kommen, wir fahren mit der ganzen Welt dahin, wir haben so viele Beweise“, sagte Solbakken: „Viele Leute haben das Gleiche gesehen, die Schiedsrichter haben gesagt, sie haben einen Fehler gemacht. Kobiaschwili und Podolski haben exakt das erzählt, was auf den Fernsehbildern zu sehen war. Und dann ist es ein Spiel Sperre.“

Vor allem ärgert sich Solbakken darüber, dass ein Argument des Sportgerichts gewesen sei, „in die gleiche Richtung gehen zu wollen wie die UEFA. Aber die ist im Fall Matip in die andere Richtung gegangen. Die Sache mit Podolski ist vorbei, aber was wollen die beim nächsten Mal machen?“

Doch auch der Spieler selbst regte sich noch einmal über den Verband auf. Während der FC Schalke 04 die Entscheidung, Matip nicht für ein Spiel zu sperren, begrüßte, nahm Kölns Nationalspieler Lukas Podolski das UEFA-Urteil zum Anlass, seine Kritik am Deutschen Fußball-Bund (DFB) zu erneuern. “Ich habe letzte Woche schon von einer Ungerechtigkeit gesprochen. Jetzt wurde ich noch mal durch dieses Urteil bestätigt“, klagte Podolski im “Express“ (Freitag).

In dem ähnlich gelagerten Fall von FC-Profi Podolski hatte das DFB-Sportgericht trotz entlastender Fernsehbilder anders entschieden als die UEFA bei Matip. Im Heimspiel gegen Hertha BSC hatte Podolski für eine angebliche Tätlichkeit die Rote Karte gesehen. Trotz des Kölner Einspruchs war der Stürmer für die folgende Bundesliga-Partie in Hannover (1:4) gesperrt worden. Podolski empfindet dies als ungerecht. “Die Verantwortlichen, die letzte Woche so entschieden haben, sollten sich ernsthaft hinterfragen, ob sie wirklich im Sinne des Fußballs gehandelt haben“, klagte der 26-Jährige, der mit seinem Club im Abstiegskampf steckt.

Matip, der beim Achtelfinal-Hinspiel des FC Schalke in der Europa League bei Twente Enschede wegen einer angeblichen Notbremse an Luuk de Jong “Rot“ gesehen hatte, traf letztlich nach mehrfachem Einspruch der Schalker bei der Kontroll- und Disziplinarkommission der UEFA auf mehr Verständnis. Die ursprünglich verhängte und dann verschobene automatische Sperre für ein Spiel gegen den 20 Jahre alten Abwehrspieler wurde am Donnerstag nach einer Anhörung Matips in Nyon endgültig aufgehoben. Auch hier hatten die TV-Bilder die Unschuld des Profis eindeutig belegt. In beiden Fällen handelte es sich um eine Tatsachenentscheidung des Schiedsrichters.

Matip darf nun auch am Donnerstag im ersten Viertelfinale gegen den spanischen Erstligisten Athletic Bilbao mitwirken. Sehr zur Freude von Horst Heldt: “Die absolut richtige, aber auch mutige Entscheidung. Fast keiner hat damit gerechnet, dass wir Erfolg haben“, kommentierte der Schalke-Manager das Urteil in der “Bild“. Der nachträgliche Freispruch hat laut Heldt “etwas von einem Grundsatzurteil“: “So etwas gab es noch nie bei der UEFA. In Zukunft kann jetzt gerechter entschieden werden.“ Der Manager wünscht sich auch beim DFB bei derart klaren Sachverhalten mehr Spielraum nach TV-Beweisen. “Ich hoffe, das macht auch auf nationaler Ebene Schule.“

dpa

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