Fans befürchten Ausverkauf

Nach Götze-Abschied: BVB droht Umbruch

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Mario Götze wechselt im Sommer zum FC Bayern

Dortmund - Der überraschende Wechsel von Mario Götze zum FC Bayern füllt zwar das Konto, doch im Umfeld des BVB bangen die Fans um die Zukunft der erfolgreichen Mannschaft.

Mario Götze sagt „Servus“ und wechselt zu Bayern München, der FC Barcelona buhlt um Mats Hummels, und Torjäger Robert Lewandowski geht spätestens 2014: Die Fans des entthronten Fußball-Meisters Borussia Dortmund bangen um das Erfolgskonzept und die Zukunft ihrer erfolgreichen Mannschaft. Dem Halbfinalisten der Champions League droht ein Umbruch.

„Wir werden für die kommende Saison `deutlich investieren“. Das kündigte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke bereits an. „Aber wir werden das tun, ohne einen zusätzlichen Euro aufnehmen zu müssen“, wiederholt der Klub-Boss immer wieder und verwies auf die Einnahmen aus der Königsklasse und die steigenden Gewinne des börsennotierten Klubs.

Seine These hat weitere Nahrung bekommen, denn am Saisonende kassieren die Borussen zusätzlich 37 Millionen Euro aus dem Transfer ihres Zöglings Götze und dürfen sich nach der erneuten direkten Qualifikation für die Königsklasse einer weiteren Geldspritze von mindestens 30 Millionen Euro sicher sein.

Die Kasse ist voll, aber das Gerüst des Meisterteams, in den vergangenen fünf Jahren von Trainer Jürgen Klopp und Sportdirektor Michael Zorc mit viel Gespür und glücklicher Hand bei Transfers aufgebaut, wackelt. Denn noch ist nicht sicher, ob auch Torjäger Lewandowski (23 Bundesliga-Treffer) den BVB schon am Saisonende verlassen wird. Zudem wird Felipe Santana mit Schalke 04 in Verbindung gebracht, und der im Januar nach eineinhalb Jahren heimgekehrte Nuri Sahin gehört formell noch Real Madrid, spielt derzeit auf Leihbasis beim BVB. Allerdings besteht eine Kaufoption.

Zwar wurden die meisten Verträge bis 2016 oder 2017 verlängert, doch das Beispiel Götze (Vertrag bis 2016) mit festgeschriebener Ablösesumme zeigt, was Verträge wert sind, wenn finanziell potente Klubs mit dem Geldkoffer unterwegs sind und die Besten locken, obwohl Watzke stets betont: „Wir sind in der Situation, dass wir aus wirtschaftlichen Gründen keinen Spieler verkaufen müssen.“

Doch Titel und auch die Auftritte im Schaufenster der Champions League haben Begehrlichkeiten bei der Konkurrenz geweckt. Schon vor eineinhalb Jahren bot der FC Arsenal 40 Millionen Euro für den Ausnahme-Fußballer Götze, und Watzke drückte seinem Juwel prompt das Etikett „unverkäuflich“ auf. Der Ausnahmekicker erlag jedoch dem Buhlen des FC Bayern, der BVB muss Götze ziehen lassen.

Als „Aufzuchtstation“ für Talente will sich die Borussia bei allen Sympathien für talentierte Youngster nicht verstehen, wenngleich die bisherigen Verkäufe mit beachtlicher Rendite über die Bühne gingen. Nach der ersten Meistersaison zog es zum Beispiel Shinji Kagawa zu Manchester United (20 Mio. Ablöse).

Der Japaner kam einst für 350.000 Euro aus Osaka. Für 10 Millionen Euro ging Lucas Barrios nach China, für zehn Millionen das Eigengewächs Sahin 2011 nach Madrid. Für Lewandowski dürften am Saisonende rund 20 Millionen zu erzielen sein. Um Abwehr-Ass Hummels buhlen neben Barca nach Informationen des Kölner Express auch die Bayern.

In der Chefetage laufen indes die Planungen für die neue Saison längst auf Hochtouren. Zumindest scheint sich abzuzeichnen, dass Lewandowski seinen Vertrag zu erfüllen scheint, um in einem Jahr ablösefrei zu wechseln - wohin auch immer.

Spekuliert wurde in den vergangenen Wochen um mögliche Neuzugänge genügend. Angeblich zeigt der BVB verstärkt Interesse an einer Verpflichtung des Bremers Kevin de Bruyne, der vom FC Chelsea an die Hanseaten ausgeliehen ist. Außerdem ranken Gerüchte um den erst 19 Jahre alten Freiburger Abwehrspieler Matthias Ginter. Jüngsten Meldungen zufolge steht auch der Hamburger Offensivspieler Heung-Min Son auf der Dortmunder Wunschliste.

Der Vertrag des Hamburger Top-Torjägers (elf Treffer), der in den beiden Ligaspielen gegen Dortmund (3:2, 4:1) jeweils doppelt getroffen hatte, läuft 2014 aus. Zuletzt waren Gerüchte über ein Interesse mehrerer englischer Klubs an Son aufgetaucht. Aber der BVB befindet sich derzeit in der Lage, nicht nur mit sportlich guten Perspektiven, als auch finanziell argumentieren zu können.

Angesichts des bevorstehenden Tanzes auf drei Hochzeiten und des eigenen Anspruches in der kommenden Spielzeit besteht in Dortmund verstärkt Handlungsbedarf, denn so Watzke: „Wir müssen uns in der Spitze und der Breite voluminöser aufstellen.“

sid

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