Nach Pokal-Ausschluss

Dynamo spielt eigenen Cup aus

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Wegen wiederholten Ausschreitungen durch Dynamo-Fans wurde Dresden aus dem DFB-Pokal ausgeschlossen.

Dresden - Der Saisonstart ist Dresden halbwegs gelungen, nun erwartet den ehemaligen DDR-Meister im Pokal die Zuschauerrolle. Dynamo nimmt's gelassen - und spielt seine eigene Cup-Serie.

Mit dem Saisonstart ist Dynamo Dresden durchaus zufrieden, der Ausschluss aus dem DFB-Pokal wurmt die Verantwortlichen des Fußball-Zweitligisten aber noch immer gewaltig. Und weil die Sachsen nach dem verdienten 1:1 (0:1) beim VfL Bochum kein unfreiwillig spielfreies Wochenende haben wollen, organisieren sie nicht ohne Galgenhumor ihre eigene Cupserie. Alle anderen deutschen Profiklubs treten von Freitag bis Montag in der ersten Pokalrunde an - in Dresden startet der vereinseigene „FDGB“-Pokal.

„Für unseren Verein ist der Alternativpokal dreifach wichtig“, sagte Dynamo-Geschäftsführer Christian Müller: „Die Lizenzspielermannschaft bleibt im sportlichen Rhythmus. Unsere Fans müssen nicht auf den besonderen Kitzel von Pokalspielen verzichten. Und durch die Zuschauereinnahmen unterstützen sie uns dabei, die Gründe für den Ausschluss aus dem DFB-Pokal weiter auf den Prüfstand zu stellen.“

Der achtmalige DDR-Meister wurde in diesem Jahr vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) ausgeschlossen, nachdem es im Herbst 2012 schwere Ausschreitungen beim Spiel in Hannover gegeben hatte. Auch der Kampf durch mehrere Instanzen brachte Dynamo nichts, das Urteil blieb bestehen. „Wir sind davon überzeugt, dass dieser Ausschluss erstens nicht gerechtfertigt ist und uns zweitens dabei im Weg stehen wird, die Probleme langfristig besser in den Griff zu bekommen“, sagte Müller, der mit seinem Klub kurzerhand den „FDGB“-Pokal ins Leben rief.

Die Abkürzung steht dabei nicht für den früheren DDR-Vereinspokal (Freier Deutscher Gewerkschaftsbund), sondern für „Für Dynamo Gemeinsam Blechen“. Mit möglichst attraktiven Gegnern will der Traditionsklub die Spieltermine des DFB-Pokals überbrücken. Den Auftakt macht das „Achtelfinal“-Match gegen den englischen Premier-League-Aufsteiger Hull City am Samstag (15.30 Uhr). Viertelfinale (7. September), Halbfinale (16./17. November) und Finale (1./2. Februar 2014) sollen folgen.

Etwa eine Million Euro geht den Dresdnern durch den Pokal-Ausschluss verloren, die alternative Serie wird den Schaden zwar verringern, mit hohen Einbußen muss der Verein nach dem Fehlverhalten einiger Unverbesserlicher aber trotzdem leben. Und so soll wenigstens die Mannschaft sportlich auf Kurs bleiben.

Dank eines Traumtors von Cristian Fiel (69.) sicherte sich Dynamo im zweiten Saisonspiel am Montagabend das zweite Unentschieden und vermied bei dem durchaus schwierigen Auftaktprogramm - am ersten Spieltag hatte es ein 1:1 gegen den 1. FC Köln gegeben - eine Niederlage. „Der Punkt war absolut verdient. Wir müssen es aber nicht jede Woche haben, dass wir in Rückstand geraten“, sagte Sportdirektor Steffen Menze: „Aber das zeigt die Moral und spricht für den Charakter der Mannschaft.“

DFB-Pokal-Sensationen seit 1990

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Trainer Peter Pacult hatte mit seinem Team in der Vorsaison erst in der Relegation gegen den VfL Osnabrück den Klassenerhalt gesichert, bei Wettanbietern stand sein Name ganz oben auf der Liste, wenn es um den ersten Rauswurf der Saison ging. „Ich muss der Mannschaft wirklich ein riesiges Kompliment machen für diese Auswärtsleistung“, sagte der Österreicher.

Am Mittwoch tritt Dynamo vor dem Pokalwochenende noch in einem Benefizspiel gegen den Bundesligisten Hamburger SV an. Die Einnahmen aus der Begegnung unter dem Motto „Zwei Städte, ein Fluss, eine Freundschaft“ sollen den Opfern der Flutkatastrophe zugute kommen.

SID

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