Nach Ausschluss: Dynamo prüft Möglichkeiten

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Fan-Krawalle im DFB-Pokal haben Dynamo Dresden den Auschluss in der Saison 2012/13 eingebracht. Der Verein will sich nun juristisch zu Wehr setzen

Dresden - Nach dem historischen Urteil des DFB-Sportgerichts prüft Fußball-Zweitligist Dynamo Dresden alle Möglichkeiten, gegen den Pokalausschluss für die kommende Saison vorzugehen.

Frustration und Unverständnis herrschen nach dem Ausschluss von Dynamo Dresden aus dem DFB-Pokal bei der Vereinsführung des Fußball-Zweitligisten. Jetzt kommt noch die Unsicherheit hinzu, möglicherweise den Hauptsponsor zu verlieren. Das Umweltservice-Unternehmen Veolia denkt nach dem diese Woche angekündigten Ausstieg bei Ligakonkurrent Hansa Rostock auch in Dresden über die Beendigung der Zusammenarbeit nach.

“Regelmäßige Ausschreitungen sind für einen Sponsor inaktzeptabel“, sagte Veolia-Sprecher Tobias Weitzel der Nachrichtenagentur dapd. Eine Tendenz, ob man Dynamo treu bleibe oder nicht, gebe es derzeit nicht. “Wir werden zeitnah mit dem Verein zusammensitzen, um über geeignete Maßnahmen zu beraten“, sagte Weitzer. Das Unternehmen wolle deutliche Veränderungen sehen, was die Sicherheitslage in den Stadien angehe.

Derweil prüft der Verein alle Möglichkeiten, gegen das Urteil des DFB-Sportgerichts vorzugehen. “Wir warten jetzt die schriftliche Urteilsbegründung ab und beraten uns dann intensiv und in aller Ruhe mit unserem Rechtsanwalt Christoph Schickhardt“, erklärte Geschäftsführer Volker Oppitz am Freitag. Gegen das aus Dresdner Sicht extrem harte Urteil kann der Verein binnen einer Woche vor dem DFB-Bundesgericht Berufung einlegen. Am 25. Oktober hatten Dresdner Anhänger beim Pokalspiel in Dortmund randaliert und mehrere Polizisten verletzt. Es entstand ein Schaden von rund 150.000 Euro.

Zwtl: Ritter: “Vereine werden alleingelassen“

“Es gibt kein Verständnis für diese Entscheidung. Ich bin überzeugt, dass dies keine Lösung für das Gewaltproblem in Deutschland ist. Es bleibt der Eindruck, dass die Vereine alleingelassen werden“, sagte Dynamo-Präsident Andreas Ritter der Nachrichtenagentur dapd.

Das Urteil dokumentiere deutlich, dass es dem DFB darum gegangen sei, ein Exempel an Dresden zu statuieren. “Dass die Strafe für Dortmund noch verringert wurde, ist überhaupt nicht nachzuvollziehen angesichts der mangelnden Kontrollen und Sicherheitsmaßnahmen in Dortmund.“ Ähnlich äußerte sich die Partei “Die Linke“ am Freitag. Die sportpolitische Sprecherin Verena Meiwald betonte, die positiven Entwicklungen in der Dresdner Fanarbeit würden völlig außer Acht gelassen und vor allem die friedlichen Fans bestraft worden.

Bayern-Trainer Jupp Heynckes äußerte am Rande einer Pressekonferenz in München Zweifel an der Nachhaltigkeit des Urteils. “Jetzt werden der Klub beziehungsweise die Mannschaft bestraft. Ob das der Schlüssel zum Erfolg ist, wage ich zu bezweifeln“, sagte Heynckes. Bayern-Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge glaubt hingegen an eine gut überlegte Entscheidung des DFB. “Vielleicht ist das ein Zeichen des DFB. Die Fans müssen mal über den Tellerrand hinaus blicken“, sagte Rummenigge der “Welt“ (Samstagausgabe).

Schulterschluss mit DFB und Politik gefordert

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) nahm angesichts der jüngsten Fan-Krawalle in verschiedenen Stadien die Fußball-Klubs in die Pflicht. “Unser Anspruch an die Vereine ist, dass sie sich um die Fans kümmern, dass sie noch stärker versuchen, gewaltbereite Fans von Gewalt abzuhalten und dass sie dazu beitragen, dass die gewaltsuchenden Fans durch Stadionverbot von den Spielstätten ferngehalten werden“, sagte der Politiker im Gespräch mit der dapd.

Dynamo-Präsident Ritter betonte, man werde in Dresden alles tun, um die Fanarbeit weiter zu intensivieren. “Verbessern kann man immer etwas, und wir haben ja angekündigt, einen zweiten Fanbetreuer einzustellen. Wir kämpfen aber gegen ein gesamtgesellschaftliches Problem, da braucht es einen Schulterschluss zwischen Vereinen, DFB und Politik. Dafür fehlt mir im Moment die Aussicht“, sagte Ritter. Gemeinsame Bemühungen fordert auch Liga-Präsident Reinhard Rauball. Der Fußball allein könne nicht der Reparaturbetrieb für gesellschaftliche Fehlentwicklungen sein. Was sich über Jahrzehnte in der Gesellschaft aus unterschiedlichen Gründen eingeschlichen habe, sei nicht von heute auf morgen zu lösen, sagte Rauball der “Welt“ (Samstagausgabe).

Dynamo-Präsident Ritter appellierte unterdessen an die Dresdner Fans, in den kommenden Tagen “ordentlich aufzutreten“, um für den möglichen Fall einer Berufung dem Verein keine neuen Steine in den Weg zu legen.

dapd

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