Bayern vor der nächsten Meisterschaft

Müller: „Heynckes erstickt den Schlendrian im Keim“

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Der FC Bayern ist praktisch Meister - mit Thomas Müller als Kapitän. Der Ur-Bayer schwärmt über Trainer Jupp Heynckes und erzählt, wieso er mit der Binde defensiver spielt.

München - Schon nächste Woche kann der FC Bayern München die 28. Deutsche Meisterschaft in trockene Tücher bringen. Nicht nur Thomas Müller (28) ist unter Trainer Jupp Heynckes wieder zu Höchstform aufgelaufen, nachdem die Saison zunächst so holprig begann. „Wir hatten auf jeden Fall keinen so guten Saisonstart und auch die ganze Vorbereitung war nicht super“, gestand Müller im Interview mit Spox.de

Doch dann kam Jupp Heynckes. Unter dem Trainer-Routinier (72) kehrte Bayern zu alter Stärke zurück und ist in der entscheidenden Saisonphase noch in allen Wettbewerben im Rennen. Laut Müller spielte es eine große Rolle, dass Teile der Mannschaft bereits mit Heynckes große Erfolge feiern durften: „Das war am Anfang auf jeden Fall ein Vorteil. Er kam als Trainer im Oktober in einer Situation, in der alles ein bisschen angespannt war. Aber er kannte einige Spieler, den Verein, das Trainingsgelände und er hat zusammen mit seinem Trainerteam sofort funktioniert. Heynckes' Vorgeschichte war ein extremer Bonus“, so Müller.

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Müller ist voll des Lobes für Heynckes‘ Herangehensweise: „Besonders“ mache ihn „auf jeden Fall seine Intensität, wie er mit uns spricht, was er uns abverlangt. Er hat ein super Gefühl für Anspannung und Entspannung. Er gibt uns Freiheiten, fordert jedoch gleichzeitig auf dem Platz absolute Disziplin und Leistungsbereitschaft ein. Das macht er mit einer Vehemenz, die beeindruckend ist. In jeder Ansprache vor den Bundesligaspielen verlangt er uns etwas ab. Aufgrund des großen Vorsprungs in der Liga könnte er ja auch einfach sagen: ‚Jetzt schreibe ich die elf Spieler an die Tafel und dann gehen wir raus.‘ Aber so ist es nicht. Er zieht es durch, das muss man ihm hoch anrechnen und die Mannschaft kommt damit super klar.“

Müller belasten die ständigen Spekulationen um Heynckes‘ Zukunft nach eigener Aussage kaum: „Man wird ständig damit konfrontiert, klar. Allerdings sind wir so in unserer aktuellen Situation gefangen, dass diese Gedanken nicht aufkommen. Wenn man dann mal über den Tellerrand hinausschaut, steht ja nach der Saison auch noch eine WM an. Die neue Vereinssaison ist noch ganz weit weg. Deswegen spielt das im täglichen Geschäft für mich keine Rolle.“

Besiktas? „Gar nicht die berüchtigte Stimmung aufkommen lassen“

Auch bei Spielen wie gegen den HSV oder gegen Besiktas (Hinspiel: 5:0) schaffe es das Team, die Spannung hochzuhalten. Laut Müller sei „einerseits ist der Konkurrenzkampf sehr förderlich. Jeder will sich zeigen, jeder muss um seinen Platz kämpfen und will sich präsentieren. Andererseits ist der Trainer wie gesagt sehr bissig. Er ist mit dem Fuß auf dem Gas und das lässt er uns auch spüren. Er ist immer auf der Hut. Wenn sich irgendwo ein Schlendrian anbahnt, erstickt er das im Keim. Deswegen läuft es bisher auch so gut.“

So oder so erwarte er in Istanbul „eine beeindruckende Kulisse. Aber wir wollen zeigen, dass wir auch dort bestehen können. Wir wollen von Anfang an ein gutes Spiel machen, damit gar nicht erst die berüchtigte Stimmung aufkommt und deren Fans daran glauben, dass ein Wunder möglich ist.“

Im Hinspiel traf Müller gegen Besiktas.

Kapitän Müller spielt defensiver

Der Ur-Bayer führt die Roten in Abwesenheit des verletzten Keepers Manuel Neuer als Kapitän aufs Feld. Und diese Rolle führt anscheinend dazu, dass der Stürmer defensiver denkt: „Es ist auf dem Platz schon etwas anderes, wenn man sich mehr für die ganze Mannschaft verantwortlich fühlt. Man geht speziell als Offensivspieler schneller in den Sicherheitsmodus. Wenn die Mannschaft mit einer 2:1-Führung in der 80. Minute einen Angriff fährt, sichere ich lieber ab, anstatt mit in den Strafraum zu gehen. In dieser Situation wäre ich mit 21 sicher noch in den Sechzehner gezogen und hätte vielleicht ein Tor gemacht. Dadurch komme ich mittlerweile in der Einzelbewertung manchmal nicht so gut weg. Aber es fühlt sich in der Rolle, in der jetzt bin und in der ich mich sehe, besser an. Am wichtigsten ist der Erfolg und dass die Gruppe funktioniert. Dazu will ich meinen Teil beitragen.“

Kapitän Müller denkt also für als Teil der Mannschaft, nicht als Einzelspieler. Die Umstellung zum Dauer-Capitano war für ihn keine große: „Das geht eigentlich immer ziemlich schnell, dass man aus dem Geschehen raus ist. Wenn jemand zwei, drei Monate verletzt ist, muss auch jemand anderes in die Bresche springen. Normalerweise ist nur derjenige im Fokus, der auf dem Fußballplatz steht und spielt.“

In der aktuellen Bayern-Mannschaft gebe es ohnehin „sehr viele erfahrene Spieler. Da ist es nicht so entscheidend, wer die Binde trägt. Viele Spieler sind in den wichtigen Fragen involviert und bringen ihre Meinung ein. Das erleichtert es Manu und mir enorm.“

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