Er fühlt sich als Hassobjekt

Mourinho deutet Abschied von Real Madrid an

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José Mourinho (r.) mit Jürgen Klopp

Madrid - Jose Mourinho könnte am Dienstag sein letztes großes Spiel als Trainer von Real Madrid erlebt haben. Der Portugiese sprach nach dem Abpfiff Sätze, die auf Abschied deuten.

Die dunklen Augen von Jose Mourinho funkelten gefährlich, als „The Special One“ die große Bühne zu seiner ganz persönlichen Abrechnung mit Real Madrid nutzte. „In England lieben mich die Leute und haben stets anerkannt, was ich geleistet habe. Da gibt es Differenzen zu Spanien. Hier gibt es viele, die mich hassen“, sagte Real-Coach Mourinho in der Pressekonferenz und fügte mit grimmigem Blick hinzu: „Einige davon sitzen auch in diesem Raum.“ Die Verbalattacke nach dem Aus der Königlichen im Champions-League-Halbfinale gegen Borussia Dortmund sorgte für betretenes Schweigen bei den Medienvertretern.

Wenig später verriet der Portugiese im kleineren Kreis, er wolle künftig dort arbeiten, „wo mich die Leute lieben.“ Sprich: auf der Insel. Seinen wohl bevorstehenden Wechsel von Madrid zu seinem Ex-Klub FC Chelsea nach dem Rundenende wollte Jose Mario dos Santos Felix Mourinho allerdings noch nicht bestätigen.

Nachdem für Real trotz eines 2:0 (0:0)-Erfolgs der Traum von einer magischen Champions-League-Nacht im Estadio Santiago Bernabeu geplatzt war, kündigte der 50-Jährige an: „Ich werde das erst am Ende der Saison gemeinsam mit dem Präsidenten entscheiden.“ Seinem Image als recht selbstherrlicher Coach wurde er wieder einmal gerecht, als er wie selbstverständlich nachschob: „Es hängt nur von mir selbst ab.“ Natürlich.

Die Sporttageszeitung Sport hatte ihr Urteil nach dem neuerlichen Rückschlag aber bereits gefällt: „Adios Mou! Die Pleite ist vollbracht“, titelte das Blatt aus Barcelona, während Marca mit Seitenhieb auf Mourinho schrieb: „All you need is Klopp - la-la-lara-la.“

Da passte es ins Bild, dass Mourinho die Schuld für das Verfehlen des Endspiels am 25. Mai im Londoner Wembley-Stadion auch bei Schiedsrichter Howard Webb (England) suchte. Nach Meinung des Trainers hätte der Referee gleich mehrere Spieler vom Platz stellen müssen. „Das Handspiel von Mats Hummels war eine klare Rote Karte, darüber ärgere ich mich. Da hatte Webb wohl das Gefühl, dass er den Dortmundern die Finalteilnahme verderben könnte“, haderte Mourinho. Es müsse eben „alles zusammenpassen“, wenn man ins Finale wolle.

Mit Real Madrid und ihm passt es wohl nicht, denn auch im dritten Anlauf in Serie war in der Vorschlussrunde der Königsklasse Endstation. „Da ist einem nur noch zum Weinen zumute“, sagte Torschütze Sergio Ramos und erhielt Unterstützung von Superstar Cristiano Ronaldo: „Das ist natürlich enttäuschend. Wir hätten in der ersten Halbzeit zwei, drei Tore machen können. Das hätte alles verändert.“

Seit 2002 jagt der spanische Rekordmeister der begehrtesten Team-Trophäe im europäischen Fußball hinterher. „Adios, Adios, Adios, Adios Champions-League-Finale“, titelte AS, während auch El Mundo Deportivo den Finger in die Wunde legte: „Die Weißen summieren elf Jahre Frust im Europapokal.“

Den Grund für das neuerliche Scheitern sah Mourinho eindeutig in der 1:4-Hinspielpleite. „Es hat für uns nicht gereicht, weil wir in Dortmund ein unterirdisches Spiel gemacht haben“, sagte der Portugiese. Die beiden späten Treffer von Karim Benzema (83.) und Ramos (88.) reichten letztlich nur „für einen zehnminütigen Traum“ (El Mundo Deportivo).

Mourinho zeigte aber dennoch Größe, er umarmte nach dem Schlusspfiff BVB-Coach Jürgen Klopp - und erkannte den Triumph der Gäste an. „Wir haben gegen ein Team verloren, das schneller und flexibler gespielt hat.“ Auch für seine Elf fand „Mou“ positive Worte. „Ich will nicht über Stolz reden, aber ich muss meine Mannschaft loben.“ Eine Mannschaft, in deren Startformation Nationalspieler Sami Khedira dem Argentinier Angel di Maria hatte weichen müssen. Während Mesut Özil durchspielte, wurde Khedira dann doch in der 67. Minute für Xabi Alonso eingewechselt.

Zumindest war es im vierten Duell mit der Borussia in dieser Saison der erste Sieg der Spanier. Eine Tatsache, die einen wie Mourinho freilich nicht zufriedenstellen konnte. Der 50-Jährige flirtete nach dem Ausbleiben der „Noche Magica“ (magischen Nacht) lieber mit „Miss England“. „Da werde ich von einigen Klubs geliebt, speziell von einem“, sagte Mourinho und meinte zweifelsohne den FC Chelsea, mit dem er zweimal die Premier League gewann (2005 und 2006) und einmal den FA-Cup holte (2007). Das Boulevardblatt The Sun zeigte am Mittwoch ein Foto von Mourinho mit der Überschrift: „Ich will geliebt werden.“ In dem Wort „loved“ besteht der Buchstabe „v“ aus dem Chelsea-Logo. Noch Fragen?

sid 

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