Mit Sahnetorte: Wie Frauen Abseits lernen

Osnabrück - Die Damen sind angezogen, als ginge es wieder mal zum Bridge-Turnier, auf dem Tisch des Osnabrücker Stadtteiltreffs „Alte Kasse“ steht ein Traum von Sahnecremetorte. Wie Frauen Abseits lernen:

Noch schwerere Kost aber ist heute der Appetitmacher - als Vorspeise gibt es die Abseitsregel, die besonders schwer verdauliche. Diese will am Anfang auch nicht runter, schmeckt nicht, aber was hilfts schon? Die Damen sind ja schließlich angetreten, in Reih und Glied, um im Crashkurs fit für die Frauenfußball-WM zu werden. Gerade rechtzeitig - denn am Sonntag geht es schon los.

So schön ist der Frauenfußball

So schön ist der Frauenfußball

Erst harte Fakten also, dann butterweiche Torte, im Seidenschal bei Blümchenkaffee. Lars-Ole Petersson spielt den Oberlehrer. Er hat ganz viele Deutschland-Fähnchen mitgebracht - und Engelsgeduld für ein teufliches Thema. „Es ist schön zu sehen, wie sie es lernen“, sagt Petersson an der Taktiktafel, einen köstlichen Herrenwitz auf Kosten seiner Schülerinnen jedoch kann er sich nicht verkneifen. „Eine Frau darf auch gerne sagen: Der war im Abseits, der sah aber eh nicht gut aus!“

Petersson lacht kurz und spitzbübisch, wie ein kleiner Junge, der Oma Bonbons gemopst hat. War ja nicht böse gemeint. Denn eigentlich gefällt ihm doch, was er tut, selbst gewähltes Schicksal. Doppelsechs und Steilpass, der Moment der Ballabgabe, Viererkette, letzter Mann. Für die Damen ist es leicht, oberflächlich gesehen. Kein Abseits - Fahne unten, Abseits - Fahne oben.

„Ich habe mich noch nie im Leben über Fußball unterhalten, heute schon. Fußball, sonst nie, ganz bestimmt nicht“, sagt Ellen Schneider. Und winkt. Es geht weiter auf der Leinwand. Steilpass, Abseits! Am Frühstückstisch kann sie künftig locker mithalten. Aber Schiedsrichter-Assistentin beim WM-Finale, das müsste sie wohl nicht haben.

Lars-Ole Petersson ist 29, damit ist er in der Runde nicht gerade der Alterspräsident, charmant gesagt. Die Idee kam ihm an einem geselligen Abend. „Eigentlich war es eine Schnapsidee“, berichtet er: „Ich saß mit Freunden und meiner Partnerin in einer Runde. Da erzählte sie, dass sie von mir in nur fünf Minuten Abseits beigebracht bekommen hat. Darauf meinten die Freunde: Dann gib doch gleich ein Seminar für Frauen!“

Gesagt, getan. Immerhin acht Damen sind gekommen, mit zumeist recht überschaubaren Vorkenntnissen. Deswegen werden erst einmal Fouls nachgestellt, den Positionen auf dem Feld Nummern zugeordnet. Elisabeth Michel aber denkt in Buchstaben. „Ich lasse mir jetzt bestimmt kein A mehr für ein B vormachen. Ich werde Fußball künftig ganz anders sehen. Professioneller“, sagt sie.

Damit hätte Lars-Ole Petersson sein Ziel erreicht. Die Abseitsregel ist schließlich was für Fortgeschrittene, fast alle Männer können sie auch nicht ohne Stottern erklären. Zur Belohnung gibt es Sahnetorte für alle.

sid

Rubriklistenbild: © dpa

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