Neuer Rekord! Messi schüttelt "Perücke" ab

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Lionel Messi hat gegen den FC Grenada drei Tore geschossen

Barcelona - Beim spektakulären Sieg des FC Barcelona in der Primera Division gegen den FC Granada hat Weltfußballer Lionel Messi einen Rekord des spanischen Meisters geknackt.

Es war sein Gruß in den Himmel, der die bemitleidenswerten Schlagzeilen-Schmiede zu neuen Superlativen inspirierte. „Messi sagt: Es werde Liga!“, titelte die spanische Sporttageszeitung AS am Mittwoch. Da wollte Marca nicht nachstehen: „Ave Messi!“ Der Weltfußballer in gottgleichem Stand ist seit Dienstagabend der beste Torschütze in der Geschichte des FC Barcelona - und das mit nur 24 Jahren und 269 Tagen.

Alle Weltfußballer seit 1982

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Lionel Andres Messi Cuccitini, das ist seit Jahren das Problem der spanischen Journalisten, ist ein Mann, über den eigentlich schon alles geschrieben ist. Auch Trainer Pep Guardiola griff deshalb über den Fußball hinaus, um noch einen Vergleich zu finden. „Er ist, das könnte man sagen, der Michael Jordan des Fußballs“, sagte Guardiola. Die Zeitungen hatten da bereits detailliert vorgerechnet, dass weder Maradona noch Cruyff, weder das „Phänomen“ Ronaldo noch Pele oder George Best an den „Größten“ heranreichen.

153 in der Primera Division, 49 in der Champions League, 19 im Pokal, 8 im spanischen Supercup, 4 bei der Klub-WM, 1 im europäischen Supercup: Wer eine halbe Stunde Zeit hatte, konnte sich bei marca.com alle 234 Pflichtspieltore von Lionel Messi in 314 Spielen anschauen, verteilt auf acht Jahre und sechs Wettbewerbe. Das erste Tor am 1. Mai 2005 gegen Albacete nach Vorlage von Ronaldinho, dann die 233 anderen, ein Kunstwerk, versehen mit seiner Signatur, dem typischen Messi-Heber zum 4:2 beim 5:3 gegen den FC Granada am Dienstag im Camp Nou.

Der doppelte Fingerzeig in den Himmel ist eine Geste, die Lionel Messi häufig wählt. Diesmal war sie als Hommage an den großen Cesar Rodriguez zu verstehen, der in den 40er und 50er Jahren insgesamt 232 Tore in 354 Spielen für Barca erzielt hatte. „El Pelucas“, die Perücke, starb 1995, als Messi noch keine acht Jahre alt war. Eine Legende, am Dienstag abgelöst vom „Superhelden“, der „sämtliche Mauern einreißt“ (AS). Vor zwei Wochen hatte Lionel Messi gegen Bayer Leverkusen (7:1) als erster Spieler fünf Tore in einer Champions-League-Begegnung erzielt.

Das turbulente 5:3 gegen Granada war Nebensache. „Wir haben ein Spiel gezeigt, wie es zu Cesars Zeiten gespielt worden wäre“, merkte Pep Guardiola augenzwinkernd an und kam wieder zum Hauptdarsteller: „Wir werden Zeugen des allerbesten Fußballers. Ihm gelingt einfach alles, und das alle drei Tage. Er hat unglaublich viele Tore geschossen, keine gewöhnlichen, großartige! Und er ist erst 24. Wir hoffen, dass er noch viele für uns erzielen wird.“

Der Trainer brachte damit neuen Schwung in eine Diskussion, die in den spanischen Fernseh- und Radiosendungen seit Jahren leidenschaftlich geführt wird. Wo soll das noch hinführen? Kennt Lionel Messi Grenzen? Der Argentinier kann wohl noch zehn Jahre auf höchstem Niveau spielen, da sind sich alle einig, er wird wahrscheinlich reihenweise Rekorde für die Ewigkeit aufstellen. „Er ist mit riesigem Abstand der beste Spieler der Welt“, sagte „König“ Johan Cruyff im Stadionheft, „unvergleichlich, Leo sitzt mit den besten Spielern der Geschichte an einem Tisch. Er spielt in einer eigenen Liga.“

Der Gepriesene selbst übrigens sagte am Dienstag nichts - so flink seine Füße sind, so schmal ist sein Mundwerk. Wohl auch ein Grund dafür, dass Marca schrieb: „Es gibt niemanden wie Messi.“ Da ist es fast beruhigend, noch einen Schwachpunkt zu finden: Lionel Messi hat 18 Titel geholt, keinen davon mit der Nationalmannschaft. Sollte es ihm irgendwann gelingen, hätten die Journalisten in Spanien mal wieder ein Problem.

sid

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