Merkel verzichtet auf Vorrundenspiele

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Angela Merkel hatte das DFB-Team im Quartier besucht

Danzig - Bundeskanzlerin Angela Merkel wird keines der drei Vorrundenspiele der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der EURO in Polen und der Ukraine live auf der Tribüne verfolgen.

„Bei den Vorrundenspielen leider nicht. Wie es im weiteren Turnierverlauf und im Fall einer möglichen Finalteilnahme unserer Mannschaft aussieht, ist noch offen“, sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach im Bild-Interview auf die Frage, ob man die Kanzlerin wie bei vergangenen Turnieren auch bei der EM jubelnd an der Seite des DFB-Chefs erleben werde. Die deutsche Politik wird am Samstag im ukrainischen Lwiw beim ersten Spiel gegen Portugal (20.45 Uhr/ARD) durch Botschafter Hans-Jürgen Heimsoeth vertreten. „Unser Sportminister Hans-Peter Friedrich hat sich entschieden, nicht zu unseren drei Gruppen-Spielen in die Ukraine zu reisen“, sagte Niersbach, der noch einmal auf die problematischen Umstände in der Ukraine einging.

„Wir sollten als Sportverband nicht so anmaßend sein zu denken, die Welt verändern zu können. Andererseits dürfen wir die politischen Zustände nicht ignorieren. Sie sind bedrückend und beklemmend. Es ist bereits ein positiver Effekt dieser EM, dass die Probleme der Ukraine europaweit thematisiert werden“, sagte Niersbach mit Blick auf die Haftbedingungen für die ehemalige Ministerpräsidentin Julia Timoschenko unter dem Regime von Staatschef Wiktor Janukowitsch.

Niersbach betonte noch einmal, dass sich auch die Nationalmannschaft im Vorfeld des Turniers zu diesem Thema klar positioniert habe. „Das haben wir bereits getan und das ist auch von Amnesty International zur Kenntnis genommen worden. Jogi Löw, Kapitän Philipp Lahm und ich haben die Haftbedingungen von Julia Timoschenko angeprangert. Wir hatten auf ein humanitäres Zeichen gehofft, aber dies wird wohl leider ausbleiben. Ich hoffe, der Fußball kann helfen, der ukrainischen Regierung etwas bewusst zu machen: Wenn ihr zu Europa und zur EU gehören wollt, müsst ihr einiges in Bezug auf die Menschenrechte ändern.“

Niersbach sagte aber auch, dass er anlässlich des zweiten Gruppenspiels der deutschen Mannschaft in Charkow am 13. Juni gegen die Niederlande Timoschenko nicht im Gefängnis besuchen werde: „Nein, eine solche Aktion ist nicht geplant. Wir reisen auch erst unmittelbar vor den Spielen in die Ukraine, direkt danach wieder ab und konzentrieren uns dabei auf die sportlichen Aufgaben.“

Auch ein Handschlag mit Janukowitsch sei nicht geplant: „Das ist im Protokoll nicht vorgesehen. Deshalb stellt sich die Frage für unsere Delegation, zu der unter anderem Ligapräsident Reinhard Rauball gehört, nicht.“

sid

Hier stattet Kanzlerin Merkel unserem DFB-Team einen Besuch ab

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