"Menschenverachtend": Amerell klagt gegen DFB

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Manfred Amerell.

Oberhaching - Die Schlammschlacht zwischen Manfred Amerell und dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) geht juristisch in die nächste Runde.

Mehr als zwei Jahre hatten sich Manfred Amerell und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) bekämpft und bisweilen mit Schmutz beworfen - nun schien das Ende nahe. Doch die gütliche Einigung, die sich nach rund vier Monaten der „Geheimdiplomatie“ abgezeichnet hatte, ist vorerst vom Tisch - und weil sich Amerell vom DFB getäuscht sieht, will er nun wieder klagen, unter anderem gegen den Verband. „Die hehre Absicht, das Ding vom Tisch zu kriegen, war nicht vorhanden“, begründete er seinen Schritt am Dienstag bei einer Pressekonferenz in der Sportschule in Oberhaching bei München.

Nach einem Telefonat mit Liga-Präsident und DFB-Vizepräsident Reinhard Rauball am 23. Dezember 2011 sowie einem Sondierungsgespräch am 30. März mit den DFB-Vizepräsidenten Rainer Koch und Hans-Dieter Drewitz sowie DFB-Direktor Stefan Hans war Amerell guter Dinge gewesen: „Sachlich und ausgewogen“, nannte der die Atmosphäre des Gesprächs - „ich habe mich wirklich gefreut“, sagte der ehemalige DFB-Schiedsrichterobmann. Er habe gedacht, auf Rauball und den neuen DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach „kann man sich verlassen“, er habe deshalb erwartet, dass Koch nun „Nägel mit Köpfen macht.“

Nach dem Gespräch am 30. März aber fühlt sich Amerell vom DFB nun wieder „verarscht“. Gegen den Verband will er wegen der angeblichen Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte klagen. Zudem strengt er ein zivilrechtliches Verfahren gegen die beiden Schiedsrichter an, die neben dem ehemaligen FIFA-Referee Michael Kempter (Sauldorf) beim DFB wegen vermeintlicher sexueller Belästigung gegen Amerell ausgesagt hatten: Sie sollen auf Widerruf verklagt werden. Dies wiederum ist pikant: Bisher sind die beiden Schiedsrichter auf eigenen Wunsch hin anonym geblieben, jetzt würden ihre Namen öffentlich werden.

Nachdem die juristische Auseinandersetzung zwischen Amerell und seinem früheren Zögling Kempter Anfang Dezember des vergangenen Jahres per Vergleich vor dem Oberlandesgericht Stuttgart beendet worden war, hatte Amerell für eine gütliche Einigung mit dem DFB vier „Grundlagen“ geäußert: eine Entschuldigung durch den DFB; die Zusicherung, dass Kempter nie mehr als Schiedsrichter aktiv sein werde; ein Widerruf der Schiedsrichter, die Kempters Aussage bislang mit ihren Aussagen gestützt hatten; ein Ausgleich für den wirtschaftlichen Schaden und die Verletzung der Persönlichkeitsrechte.

Für das Scheitern der Gespräche machte Amerell vor allem DFB-Vizepräsident Koch verantwortlich. Es sei „menschenverachtend“, wie sich dieser nun verhalte, sagte der ehemalige Schiedsrichterobmann erregt und fügte mit bebender Stimme noch hinzu: „Ich fühle mich als Vehikel für die Machtansprüche von Herrn Koch im Deutschen Fußball-Bund benutzt.“ Auch Amerells Anwalt Jürgen Langer zeigte sich verwundert über das Verhalten des DFB-Vizepräsidenten. Koch habe Amerell in der Auseinandersetzung mit dem bisherigen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger „eher unterstützt“, ihn nun aber „in die Sackgasse laufen lassen“.

Amerell betonte, dass es ihm „nicht um Rache gehe“, sondern alleine um Rehabilitierung. „Seit dem 1. Februar 2010 lebe ich nicht mehr, ich existiere nur noch“, sagte er am Dienstag, wo vor seiner Pressekonferenz eigentlich ein abschließendes Gespräch mit dem DFB hätte stattfinden sollen. Der DFB freilich hatte das Treffen am Vorabend kurzfristig abgesagt. Dem Verband sei wohl sauer aufgestoßen, mutmaßte Amerells Anwalt Jürgen Langer, dass Amerell im Anschluss an das Treffen vor die Presse treten wollte. „Es zeigt sich“, sagte er, „dass Manfred Amerell ein zweites Mal über die lange Bank geschoben wurde.“

Amerell dagegen ist enttäuscht, weil er die Ernsthaftigkeit des DFB zur Beendigung der Angelegenheit nicht mehr erkennen mag. Ein bisschen fassungslos ist er auch: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es der Wille von Niersbach und Rauball war, dass die Sache so lapidar behandelt wird.“ Und jetzt? Der DFB, sagte Amerell leicht resigniert, „hat kein neues Präsidium, das ist nur alter Käse in neuen Schachteln.“ Für ihn aber sei die Sache im Grunde genommen ganz einfach: „Ich werde bis zu meinem Lebensende um die Wahrheit kämpfen.“

Der DFB reagierte am Dienstag gelassen auf die Klageandrohung Amerells. „Das Oberlandesgericht München hat bereits festgestellt, dass sich Herr Amerell in seiner Funktion als Mitglied des Schiedsrichterausschusses mehrere Pflichtverletzungen zu Schulden kommen lassen hat. Seine heutige Ankündigung, den DFB abermals verklagen zu wollen, haben wir zur Kenntnis genommen. Das weitere Verfahren warten wir nun ab“, sagte DFB-Pressesprecher Jens Grittner.

sid

Die Berufe unserer FIFA-Schiedsrichter

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