"Meier und Hönes": FC Bayern im Visier der Stasi?

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Die Bayern im Jahr 1972

München - Wie jetzt berichtet wird, befand sich der FC Bayern angeblich lange im Visier der Stasi - diese machte erstaunliche und auch sehr kuriose Beobachtungen.

Der deutsche Fußball-Rekordmeister Bayern München hat bei Gastspielen in der damaligen DDR unter permanenter Beobachtung des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) gestanden.

Das berichtet das Nachrichtenmagazin Focus unter Berufung auf Akten der Stasi-Unterlagen-Behörde Magdeburg. Die Dokumente beziehen sich auf das Europapokal-Duell zwischen dem FC Bayern und dem 1. FC Magdeburg im Herbst 1974. Die Operation „Vorstoß II“ stand unter Leitung von Generalmajor Rudi Mittig, dem späteren Stellvertreter von Stasi-Chef Erich Mielke.

Laut Focus hatte die Stasi im Mannschaftshotel in Magdeburg Dutzende Geheimdienstmitarbeiter platziert. Ein streng vertraulicher Plan sah den „zielgerichteten Einsatz“ von Spitzeln in den „Schwerpunktetagen, an der Rezeption und an anderen Konzentrationspunkten“ vor. Auf diese Weise wollte man „feindlich negative Kontakttätigkeit“ verhindern.

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In den Einsatzberichten der Magdeburger Polizei, die eng mit der Stasi kooperierte, finden sich laut Focus eher banale Beobachtungen: Trainer Udo Lattek habe „20 Bildautogramme an wartende DDR-Bürger“ verteilt. Kurz darauf seien „die Spieler Meier und Hönes“ (Sepp Maier und Uli Hoeneß) mit Autogrammkarten erschienen.

Aus Angst vor politisch brisanten Zwischenfällen steuerte die Stasi auch die Ticketvergabe, insbesondere für das Rückspiel in München am 23. Oktober 1974. Kandidaten, „die nicht den Kaderprinzipien entsprechen“, seien „bereits auf Kreisebene abzulehnen“. Wer es in die engere Wahl schaffe, müsse bis zur Abreise „mit allen verfügbaren Mitteln“ beschattet werden.

Nach Rückkehr in die DDR zogen die Stasi-Mitarbeiter nach den vorliegenden Unterlagen eine positive Bilanz. „Die DDR-Touristen ließen sich nicht provozieren“, heißt es in einem Aktenvermerk - trotz mehrerer Störversuche des Klassenfeindes. Als schlimmste Provokation empfanden Mielkes Stasi-Mitarbeiter „die Leuchtreklame im Stadion“, mit der Arbeitskräfte für den Olympiapark gesucht wurden, insbesondere Rundfunkmechaniker, Elektriker und Gärtner. „Von den Touristen wurde das als gezielte Abwerbung angesehen“, konstatierte das MfS.

sid

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