Matthäus: Ballack einer der größten DFB-Spieler

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Michael Ballack beim "Jahrhundertspiel"

Frankfurt/Main - In der Diskussion über ein Abschiedsspiel gibt sich Michael Ballack gelassen. Lothar Matthäus lobt den früheren Leverkusener, der in seinem ersten Spiel als Rentner eine Niederlage kassierte.

Lothar Matthäus legte seinen Arm um Michael Ballack und schlenderte mit dem frischgebackenen Fußball-Rentner plaudernd durch die Katakomben der Frankfurter WM-Arena. Es erweckte den Eindruck, als würde Matthäus dem 15 Jahre jüngeren Ballack im Gespräch zweier ehemaliger Nationalmannschafts-Kapitäne gleichsam Mut und Trost zusprechen.

In der Diskussion über ein Abschiedsspiel für Ballack stärkte Matthäus dem Ex-„Capitano“ wenig später auch öffentlich den Rücken. „Michael ist einer der größten Nationalspieler, die wir in den letzten Jahrzehnten hatten. Er hat Großartiges für den deutschen Fußball geleistet. Sowohl auf Vereinsebene als auch bei der Nationalmannschaft“, sagte Rekordnationalspieler Matthäus am Rande des „Jahrhundertspiels“ zwischen einer Auswahl ehemaliger deutscher Nationalspieler gegen Italien (4:5 i.E.) in Frankfurt/Main.

Matthäus stellte sich zwar hinter Ballack, forderte aber nicht explizit ein Abschiedsspiel für den 36-Jährigen, der am 2. Oktober nach 98 Länderspielen das Ende seiner Profikarriere bekannt gegeben hatte. „Wie sich die Verantwortlichen entscheiden, sollte ihnen überlassen sein“, meinte Matthäus (51) ganz diplomatisch.

Ballack, Häßler & Co. verlieren "Jahrhundertspiel"

Ballack, Häßler & Co. verlieren "Jahrhundertspiel"

Auch Ballack wollte nach seinem ersten Spiel als offizieller Rentner nicht noch zusätzlich Öl ins Feuer gießen. „Ich habe meine Meinung dazu mehrmals gesagt. Trotzdem macht man sich so seine Gedanken. Aber ich glaube, das ist jetzt kein Thema für die Öffentlichkeit“, sagte der frühere Legionär des FC Chelsea. Am Wochenende hatte sich Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff deutlich gegen ein Abschiedsspiel für Ballack ausgesprochen.

Sportdirektor Fredi Bobic vom VfB Stuttgart hofft, dass es irgendwann doch noch eine Partie für den gebürtigen Görlitzer geben wird. „Man muss es ja nicht unter dem Deckmantal DFB-Abschiedsspiel machen, sondern kann es als Michael-Ballack-Abschiedsspiel deklarieren. Dann würden Super-Fußballer zusammenkommen. Und die würden sich alle freuen, für sein letztes Spiel die Kickstiefel schnüren zu können“, sagte der frühere VfB-Torjäger Bobic.

Allerdings gab Bobic auch Bierhoff recht, der die Zeit für Abschiedsspiele als abgelaufen betrachtet. „In dieser Form gibt es solche Spiele nicht mehr“, erklärte Bobic: „Das war früher anders, weil es damals noch schwieriger war, so viele Länderspiele zu machen.“

Vor knapp 30.000 Zuschauern in Frankfurt/Main durfte Ballack, auf dessen Trikot mit der Nummer 13 der Name „Balle“ stand, noch einmal die Luft der großen weiten Fußball-Welt schnuppern. Gut fünf Monate nach seinem letzten Punktspiel mit Bayer Leverkusen war der Mittelfeldspieler Dreh- und Angelpunkt der deutschen Mannschaft um Matthäus, Jens Lehmann, Andreas Brehme und Co.

Wehmut kam aber nicht auf. „Ich habe in den Sommermonaten lange Zeit überlegt und mich dann zum Rücktritt entschieden. Ich habe gemerkt, dass die Motivation nicht mehr ganz so da ist, wie es sein sollte. Die Entscheidung war wohl überlegt“, meinte Ballack, der im Elfmeterschießen traf. Doch Bobic verschoss - und Italien mit Größen wie Luca Toni oder Christian Vieri war einmal mehr der Sieger im Prestigeduell.

Der als Coach fungierende Rudi Völler war seinen Schützlingen aber nicht böse. Im Gegenteil, der Sportchef von Bayer Leverkusen staunte nicht schlecht über die Motivation der älteren Herrschaften. Matthäus zum Beispiel beschwerte sich nach dem Gegentor durch Christian Vieri (23.) über das Abwehrverhalten seiner Mitspieler. „Ich habe ihm gesagt, dreimal kurz Luft holen und nicht so viel reden. Dann hat er ein gutes Spiel gemacht“, sagte Völler schmunzelnd. Ein Eigentor von Roberto Mussi (77.) hatte zum Ausgleich geführt.

sid

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