Ausschreitungen: Klopp mit düsterer Prognose

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Die Polizei musste im Dresdner Fanblock durchgreifen

Dortmund - Ausschreitungen in Dortmund: Trainer Jürgen Klopp, ein bekennender Fan von akustischer und visueller Emotionalität in den Stadien, malt ein düsteres Bild für die Zukunft.

Die Ausschreitungen beim DFB-Pokal-Spiel zwischen dem deutschen Meister Borussia Dortmund und Dynamo Dresden bedrohen die deutsche Fußball-Kultur. Meistertrainer Jürgen Klopp, ein bekennender Fan von akustischer und visueller Emotionalität in den Stadien, malte angesichts der Auswüchse beim Zweitrunden-Duell am Dienstagabend ein düsteres Bild für die Zukunft.

“Der nächste Schritt wird sein, Spiele abzubrechen und alle nach Hause zu schicken. Es sind Herbstferien, Kinder und Familien im Stadion. Das ist unschön. Als es heute geknallt hat, fand ich es dann deutlich zu viel. Es ist kein Problem von Dynamo Dresden, sondern von ein paar Schwachköpfen“, sagte der 44-Jährige nach dem 2:0 der Dortmunder durch die Tore von Robert Lewandowski (30.) und Mario Götze (65.).

Der Sport rückte gänzlich in den Hintergrund, wie immer bei ähnlich gelagerten Vorfällen. Schiedsrichter Peter Gagelmann unterstrich mit seinem Verhalten, dass das Kloppsche Szenario alles andere als Utopie ist. Als wiederholt Bengalische Feuerwerke gezündet wurden oder brennend vom Oberrang mitten in die Menschen auf den Unterrang der Nordtribüne, wo die 8.000 bis 10.000 Anhänger aus der Elb-Stadt untergebracht waren, flogen, unterbrach der Referee die Begegnung zweimal. Gagelmann stoppte das Spiel auch, als vor der Ausführung einer Ecke Laserpointer auf Götze gerichtet wurden.

Zwei Verletzte, 15 Festnahmen

Vor und nach dem Spiel kam es nach Angaben der Dortmunder Polizei zu “teilweise massiven Ausschreitungen“. Gewalttäter warfen mit Feuerwerkskörpern und Flaschen auf die Beamten, Stadioneinrichtungen wurden durch die Zerstörungswut einiger Weniger beschädigt. Die Polizei musste Pfefferspray einsetzen. 15 sogenannte “freiheitsentziehende Maßnahmen“ und zwei Verletzte lautete eine vorläufige Bilanz aus der Nacht.

Die Fan-Initiative zur Legalisierung von Pyrotechnik in den Stadien wird in den Diskussionen mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und der Deutschen Fußball Liga (DFL) einen nun noch schwereren Stand haben. “Der Verein hat die Kampagne bisher unterstützt und wird das nun überdenken“, sagte Dynamos Geschäftsführer Volker Oppitz.

BVB-Sportdirektor Zorc fordert angemessene Reaktion

“Dafür fehlt mir jegliches Verständnis, so einen Abend vor einer solchen Kulisse kaputt zu machen. So etwas hat im Profifußball nichts zu suchen. Ich hoffe, dass das angemessen geahndet wird“, sagte Dortmunds verärgerter Sportdirektor Michael Zorc.

Davon darf man ausgehen. Der DFB ist in derartigen Fällen wenig zimperlich. Der Strafenkatalog reicht von saftigen Geldbußen bis hin zur Aussperrung von Fans. Leidtragende sind die Vereine wie Dynamo Dresden. Es war einerseits beeindruckend zu sehen, wie groß die Leidenschaft der Anhängerschaft ist, sich an einem Dienstag auf einen Weg von insgesamt 1030 Kilometern zu machen. Anderereits schreckt das Bild, dass die wenigen Krawallmacher hinterlassen, ab. Allein die Vorstellung, dass neben einem ein Böller detoniert, reicht dazu schon aus.

“Bei mir ist das Problem, dass ich emotionale Stimmung im Stadion liebe. Es kann auch mal zu Handgreiflichkeiten kommen, sie können sich auch mal ein bisschen Hepp nehmen oder gegenseitig beschimpfen. In dem Moment aber, in dem die Leute, die im Block stehen, gefährdet werden, in dem Moment, in dem die Polizisten, die für unser aller Sicherheit sorgen, verletzt werden können, hört der Spaß komplett auf“, sagte Jürgen Klopp weiter.

Dynamo-Präsident will Fanarbeit weiter intensivieren

In einem Zwiespalt befand sich auch sein Kollege Ralf Loose. Der ehemalige Dortmunder Profi und jetzige Coach von Dynamo Dresden wirkte etwas hilflos. “Da wurde über das Maß hinausgeschossen. Ich kann da eigentlich nicht so viel zu sagen, ich bin für den Sport zuständig“, sagte der 48-Jährige.

Entsetzt und enttäuscht zeigte sich Dynamo-Präsident Andreas Ritter: “Wir müssen schon in den Schulen aufklären und die Fan-Arbeit weiter verstärken. Eine Patentlösung haben wir nicht, wir können nur weiter an die Vernunft appellieren. Selbst der DFB ist momentan ratlos. Ich habe gedacht, dass wir da schon einmal einen Schritt weiter waren.“

dapd

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