BVB zeigt Trotzreaktion

Götze-GAU trübt Vorfreude aufs Halbfinale

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Mario Götzes Wechsel nach München wurde für den BVB zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt publik

Dortmund - Der Wechsel von Mario Götze zum FC Bayern trübt bei Borussia Dortmund die Vorfreude aufs Champions-League-Halbfinale. BVB-Boss Watzke zeigt eine Trotzreaktion.

Die Klub-Bosse sind enttäuscht, die Fans stocksauer - die Vorfreude ist dahin: Ausgerechnet in die Euphorie vor dem wichtigsten Heimspiel der Dortmunder Borussen seit 15 Jahren platzte die Meldung vom Wechsel Mario Götzes zum FC Bayern. In einer offiziellen Stellungnahme versuchte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke vor dem Halbfinal-Hinspiel am Mittwoch (20.45 Uhr/Sky und ZDF) gegen Real Madrid zu retten, was zu retten ist.

„Der BVB lässt sich jetzt erst recht nicht vom großen Traum ablenken, mit einer außergewöhnlichen, seit Jahren entwickelten und an ihren Aufgaben stets gewachsenen Mannschaft im Halbfinale der Champions League den Grundstein für eine Überraschung zu legen und ins Endspiel im Londoner Wembley-Stadion einzuziehen“, ließ der BVB-Chef als Reaktion auf den Götze-GAU wissen.

Über Facebook, Twitter und Internet machten sich die Anhänger ihrem Unmut mit teilweise nicht zitierbaren Kommentaren kräftig Luft. Die Wut auf Götze, der nach Informationen der "Bild"-Zeitung schon einen längerfristigen Vertrag beim Erzrivalen unterschrieben haben soll, war offensichtlich. Schließlich buhlen die Bayern auch um BVB-Torjäger Robert Lewandowski.

Es bleibt die Frage, wie die Fans vor dem Anpfiff gegen die Königlichen reagieren. Trainer Jürgen Klopp und Sportdirektor Michael Zorc appellierten vorsorglich, Götze „in den letzten Spielen der Saison, vor allem aber im wichtigen Halbfinale gegen Real Madrid, genauso bedingungslos zu unterstützen wie jeden anderen Dortmunder Profi“.

Alle Treuebekundungen des 20-Jährigen, der seit dem neunten Lebensjahr für den BVB spielt, auf dessen Internetseite sowie nach seiner Vertragsverlängerung vor einem Jahr bis 2016, entpuppen sich als Lippenbekenntnisse. Das Gehalt von angeblich 10 Millionen Euro pro Jahr schien stärker als die allseits verkündete und besonders in Dortmund geschätzte Loyalität. Dem muss sich Götze am Mittwochabend stellen.

Gedanken, Götze vor einem eventuellen Spießrutenlauf zu schützen und gar nicht erst in der ersten Elf aufzubieten, spielten bei den Borussen keine Rolle. Bei allen Irritationen um die Frage, warum der 37-Millionen-Transfer ausgerechnet vor dem Spiel gegen den spanischen Rekordmeister an die Öffentlichkeit gelangte, versuchen die Borussen, die Wogen zu glätten und an die Verdienste ihres Juwels zu erinnern.

Immerhin hatte der Mittelfeldspieler, den Franz Beckenbauer einst als neuen „Messi“ lobte, einen wesentlichen Anteil am Husarenritt des bislang ungeschlagenen BVB durch die Champions League, wenngleich für Götze nur zwei Treffer in der Statistik stehen.

Experten halten noch immer ein deutsches Finale am 25. Mai in London gegen die Bayern für möglich. Spektakulärer könnte man den Abschied des gebürtigen Memmingers vom BVB kaum inszenieren. Fest steht, dass die vermutlich für die Tabelle bedeutungslose Begegnung der Branchenführer in der Bundesliga am 4. Mai in Dortmund eine neue Brisanz erhalten hat.

Derartigen Rummel um Transfers sind die Madrilenen gewohnt. Ihr Wertvollster, Cristiano Ronaldo (94 Millionen Euro Ablöse), wird am Mittwochabend neben Götze im Blickpunkt stehen. Real, das in der Gruppenphase zweimal gegen den BVB spielte (1:2 und 2:2) und nicht gewinnen konnte, wird das Brimborium um Götze in die Karten spielen. In Spaniens Medien wurde das Thema am Dienstag zunächst mit keinem Wort kommentiert, lediglich der Fakt vermeldet.

Kein Wunder, dass an den Biertischen in und um Dortmund die Diskussionen um das taktische Patentrezept für die Partie gegen Real keine Rolle mehr spielen. BVB-Coach Klopp ließ ohnehin schon weit vor dem Anpfiff wissen: „Es gibt zwischen den beiden Klubs keine Geheimnisse mehr.“ Reals Coach Jose Mourinho wird somit auch wissen, wie mit dem Hauptdarsteller Götze umzugehen ist.

sid

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