Es ist die Geschichte seines Lebens

Mit wem Muskelprotz Balotelli hier schmust

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Mario Balotelli schmust mit seiner Adoptivmutter

Warschau - Erst protzte Doppeltorschütze Mario Balotelli mit seinem furchterregenden Oberkörper, dann schmuste er mit einer ältlichen Dame. Wir erklären, wie es dazu kommt.

"Balla-Balla-Balotelli ballert Deutsche ab" - Pressestimmen zum Deutschland-Aus

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Der große, dunkelhäutige Mario und die kleine, zierliche Silvia, es war trotz der Muskelprotz-Pose das eigentliche Bild des Abends. Denn im Stadion hatten die Zuschauer noch den anderen, den streitbaren, erwartbaren Balotelli zu sehen bekommen. Sein trockener Kommentar: „Wer wegen dieses Jubels sauer ist, ist nur eifersüchtig auf meinen Körper.“

Zumindest die italienische Presse war alles andere als beleidigt. „Balotalia! Ganz Italien liegt König Mario zu Füßen. Das Sorgenkind ist zum Helden der Nation geworden“, schrieb die Tageszeitung Tuttosport und ernannte den Sohn ghanaischer Einwanderer zum Symbol des neuen Italiens. „Mit zwei wunderbaren Toren vernichtet der umstrittenste Spieler der Nationalmannschaft die deutsche Truppe, die unbesiegbar schien“, schrieb die Repubblica.

Umstritten, das ist noch höflich ausgedrückt für die Eskapaden des Mario Barwuah Balotelli. 2010 prügelte sich das Enfant terrible im Training mit Jerome Boateng, beide standen damals bei Manchester City unter Vertrag. In Warschau gaben sich beide die Hand und tauschten sogar das Trikot. „Er ist ein witziger, verrückter Kerl, mal positiv, mal negativ - aber auf jeden Fall ein guter Mensch“, sagte Boateng im Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung.

Ein anderes Mal warf Balotelli Dartpfeile auf Jugendspieler - aus Langeweile. In der vergangenen Saison verhalf er City zur ersten Meisterschaft seit 1968, doch in Erinnerung blieb eher das Feuerwerk, mit dem er sein Badezimmer abfackelte. „Tief in seinem Herzen ist er ein Goldjunge“, sagte Nationaltrainer Cesare Prandelli dennoch und nahm die Skandalnudel mit nach Polen und in die Ukraine.

Dort ging es turbulent weiter. Erst wurde Balotelli von kroatischen Fans rassistisch beleidigt, saß dann nur auf der Bank und erzielte nach seiner Einwechslung gegen Irland ein Traumtor. Abwehrspieler Leonardo Bonucci musste ihm den Mund zuhalten, um eine Schimpftirade gegen Trainer Prandelli zu verhindern.

Seit Donnerstag ist das alles vergessen, sogar Torschützenkönig kann „Super-Mario“ noch werden. „Balotelli war überragend. Er ist ein physisch sehr starker Spieler, man kann ihn immer anspielen“, lobte Prandelli, der den Doppel-Torschützen in der 70. Minute vom Feld nehmen musste: „Er hatte Krämpfe. Ich habe ihn ausgewechselt, damit er uns auch am Sonntag wieder zur Verfügung steht.“

Und so hatte Balotelli genug Zeit, nach Schlusspfiff seiner eigens nach Polen gereisten Adoptivmutter in die Arme zu fallen. Anschließend erzählte er mit dickem Kopfhörer auf den Ohren und Kulturbeutel unter dem Arm von seinem großen Abend. Ob er nun heimkehre, wollten die italienischen Journalisten wissen, in das Land, das ihm so viel gegeben habe. „Nein, ich bleibe in England“, stellte Balotelli klar: „Die City-Fans haben mir so viel gegeben, sogar jetzt, wo ich einen Anteil am Ausscheiden Englands hatte.“

England bezwungen, Deutschland aus dem Weg geräumt - fehlt nur noch der Welt- und Europameister. „Immerhin sind wir die einzige Mannschaft, die gegen Spanien getroffen hat. Alles ist möglich“, sagte Balotelli über das 1:1 im Gruppenspiel und ließ dann noch einmal die Begegnung gegen Deutschland Revue passieren: „Das war der großartigste Abend meines Lebens. Aber ich hoffe, der Sonntag wird noch besser.“

sid

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