Löw: Gegen Österreich wird's defensiver

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Bundestrainer Joachim Löw wird seine Mannschaft gegen Österreich wohl etwas defensiver aufstellen

Wien - Bundestrainer Joachim Löw wird im Prestigduell gegen Österreich am Dienstag in Wien (20.30 Uhr/ARD) wahrscheinlich eine etwas defensivere Ausrichtung wählen.

Echte Gefahr oder doch nur: Die Chance lebt? Vor dem großen Bruderduell mit Deutschland spricht sich Fußball-Außenseiter Österreich Mut zu. Wie bei jeder Begegnung mit dem großen Nachbarn gehen auch zum Auftakt der WM-Qualifikation am Dienstag in Wien die Emotionen hoch. Doch diesmal ist es mehr als die Hoffnung auf ein Fußballwunder: Unter dem Schweizer Teamchef Marcel Koller sind die Rot-Weiß-Roten so gut in Form wie lange nicht. Voraussichtlich neun Spieler seiner reinen Legionärs-Elf kommen aus der Bundesliga.

„Diesmal spürt man von allen, dass sie es ernst meinen und sie ihre Chance wittern“, erklärte Joachim Löw unmittelbar nach der Ankunft am Montag in Wien. „So konzentriert haben sie vielleicht noch nie auf so ein Spiel hingearbeitet“, berichtete der deutsche Bundestrainer von seiner Gegner-Analyse.

Löws Respektsäußerungen („Die Österreicher sind im Moment so stark wie seit Jahren nicht mehr“) beherrschen seit Tagen die Schlagzeilen im Alpenland. Erstmals seit gut eineinhalb Jahren ist Österreich mit Platz 49 wieder unter den Top 50 der FIFA-Weltrangliste. Seit der Amtsübernahme von Koller verzeichnete das davor eher glücklose Team drei Siege und ein Unentschieden. Ein Sieg gegen die weltweite Nummer Zwei würde die Sensation komplett machen.

„Jetzt geht es um die Wurst“, sagt Koller am Montag. Er laufe nicht wie ein Hampelmann durch die Gegend, „aber ich freue mich schon sehr auf dieses Spiel. Da kriegt man feuchte Hände - das hat aber nicht mit Nervosität, sondern mit Anspannung zu tun“, sagt der 52-Jährige. Neben seiner Legionärs-Elf setzt er auch auf die Unterstützung der heimischen Fans: „Wir haben das Stadion hinter uns. Alle Österreicher werden sich heiser schreien.“

Vor allem die Harmonie im Team nährte in den vergangenen Tagen Hoffnungen. Auch wenn man nicht absolute Top-Klasse sei, könne man mit Teamgeist viel bewirken, meinte Koller: „Wir haben Spieler mit Siegergenen, die reißen die anderen mit und geben den Weg vor.“ Wenn man dann noch eine Gelassenheit dazunehme und sich bis zum Abpfiff konzentriere, könne man ein gutes Spiel machen. „Die Mannschaft ist absolut konkurrenzfähig“, bescheinigte Löw den Österreichern.

„Wir sind hungrig und bereit. Wir wollen uns unbedingt qualifizieren, und da wäre ein guter Start eine tolle Sache, auch um die gute Stimmung rund um die Nationalmannschaft weiter aufrecht zu erhalten“, sagt Andreas Ivanschitz vom FSV Mainz 05. Wenn sein Team kompakt stehe, immer wieder lästig sei und bei Ballgewinn zielstrebig nach vorne spiele, „dann können wir die Deutschen ärgern“.

Noch weiter vor wagt sich Mittelfeldspieler Veli Kavlak (Besiktas Istanbul) in der „Kronenzeitung“: „Ich glaube fest an unsere Fähigkeiten, diesmal gewinnen wir 2:1. Bei allem Respekt vor dem großen Favoriten“, sagt der 23-Jährige.

"Deutschland-Match ist das Spiel der Spiele"

Mit zu viel Drama oder Fußball-Nostalgie wie der legendären 2:3 Niederlage der Deutschen gegen Österreich während der WM 1978 im argentinischen Córdoba will das heutige Team nichts mehr zu tun haben. „Man spürt in Österreich, dass das Deutschland-Match das Spiel der Spiele ist. Aber für mich ist es einfach ein wichtiges Spiel zum Start der Qualifikation. Wenn wir Punkte holen, geht es normal weiter“, sagte der Teamchef nüchtern.

Kapitän Christian Fuchs vom FC Schalke interessiert Cordoba nicht: „Mir ist das alles wurscht. Ich will nur, dass wir gegen Deutschland alle mit voller Kraft um ein Erfolgserlebnis kämpfen. Und dabei wird uns Cordoba auch nicht helfen.“

Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen:

Deutschland: 1 Neuer/Bayern München (26 Jahre/32 Länderspiele) - 16 Philipp Lahm/Bayern München (28/92), 17 Mertesacker/FC Arsenal (27/82), 5 Hummels/Borussia Dortmund (23/21), 14 Badstuber/Bayern München (23/27) - 6 Khedira/Real Madrid (25/34), 18 Kroos/Bayern München (22/31) - 13 Müller/Bayern München (22/34), 8 Özil/Real Madrid (23/40), 21 Reus/Borussia Dortmund (23/10) - 11 Klose/Lazio Rom (34/123). - Trainer: Löw

Österreich: Almer/Fortuna Düsseldorf (28/3) - Garics/FC Bologna (28/27), Prödl/Werder Bremen (25/34), Pogatetz (VfL Wolfsburg (29/48), Fuchs/Schalke 04 (26/48) - Baumgartlinger/FSV Mainz 05 (24/22), Kavlak/Besiktas Istanbul (23/18) - Arnautovic/Werder Bremen (23/19), Junuzovic/Werder Bremen (24/10), Ivanschitz/FSV Mainz 05 (28/56) - Harnik/VfB Stuttgart (25/30). - Trainer: Koller

Schiedsrichter: Björn Kuipers (Niederlande)

dpa/SID

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