Warten hat ein Ende

In Rios Maracanã rollt wieder der Ball

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Das altehrwürdige Maracana-Stadion in Rio ist wieder eröffnet worden.

Rio de Janeiro - Auch wenn es bis zur offiziellen Eröffnung noch etwas dauert: In Rios Maracanã-Stadion werden bereits wieder Tore geschossen. Die Stadt am Zuckerhut hat eines ihrer Wahrzeichen zurück.

Es wird noch Tag und Nacht gehämmert, montiert, geschweißt, gepflanzt und Beton gegossen - doch Allem zum Trotz: In Rios legendärem Maracanã-Stadion rollt der Ball wieder. Erstmals seit seiner Schließung im September 2010 wurden an der historischen Stätte wieder Tore geschossen. Zur Probe-Premiere gab es eine Musik-Show, bewegende Szenen und die Begegnung zweier All-Star-Teams angeführt von den Ex-Stürmern und Weltmeistern Ronaldo und Bebeto. Das erste Tor im „Neuen Maracanã“ schoss Ex- Nationalspieler Washington (38), der 36-jährige Ronaldo traf zwei Mal. Die Partie endete mit 8:5 für die „Amigos do Ronaldo“.

Es war ein erster Testlauf. Das 1950 zur ersten Fußball-WM in Brasilien erbaute Rundstadion war nur zu 30 Prozent ausgelastet. Die zweite Probe folgt am 15. Mai, dann mit 50 Prozent Auslastung. Schon am Samstag gab es Emotionen pur, mit Samba-Musik, Nationalhymne und vielen Tränen. In einem auf der Großleinwand gezeigten Video war von „heiligem Rasen“, dem Mythos Maracanã, von Helden, Legenden, Siegen und Niederlagen die Rede.

In die Stadien-Annalen dürfte auch Washingtons Premierentor eingehen, der nach dem Treffer den Rasen küsste. „Gott hat mir dieses Geschenk gemacht“, sagte er überglücklich. Richtig ernst wird's am 2. Juni, wenn das Maracanã mit dem Testspiel Brasilien-England offiziell eröffnet wird. Die Seleção hat noch eine Rechnung offen, denn sie verlor die Premiere ihres neuen Trainers Luiz Felipe Scolari am 6. Februar im Wembleystadion mit 1:2.

Das Maracanã ist Brasiliens prominenteste Fußballbühne, auf der auch die Endspiele des am 15. Juni beginnenden Confederations Cups und der WM 2014 ausgetragen werden. Die Sanierungskosten beliefen sich offiziell auf 808,4 Millionen Reais (rd. 310 Mio Euro ), doch schätzen viele, dass es zum Schluss eine Milliarde Reais werden. Bis auf die unter Denkmalschutz stehende Fassade wurde fast alles erneuert.

Das Stadion erhielt 17 neue Aufzüge, davon acht mit Panorama- Blick. Neu installiert wurden zwölf Rolltreppen und den bis zu 80 000 Zuschauern stehen fast 300 neue Toilettenanlagen zur Verfügung. Es gibt 60 Bars und Restaurants, vorher waren es 24. Klimatisierte und möblierte VIP-Logen gehören zur Ausstattung ebenso wie eine komplette neue Bestuhlung der Ränge in den Farben Gelb, Blau und Weiß.

Auch die stark reformbedürftigen Umkleideräume der Spieler wurden völlig erneuert und auf dem Feld rollt der Ball über den Spezialrasen „Bermuda Celebration“. „Die Grashalme sind feiner. Dadurch läuft der Ball schneller und geschmeidiger und ohne Hüpfen“, lautet die Beschreibung. Auch wenn vor dem Stadion noch Palmen gepflanzt, Gehwege betoniert und Straßen geteert werden - das Stadion dürfte zeitgerecht zum Confed-Cup fertig werden und dann wohl zu den schönsten in der Welt zählen.

1950 brannte sich das Stadion mit dem als „Maracanaço“ bekannten Trauma tief in Brasiliens Fußballgedächtnis ein, als die WM-Gastgeber das entscheidende Spiel gegen Uruguay mit 1:2 verloren. Trainer Scolari will diese Erinnerung 2014 mit dem Titelgewinn vergessen machen. Doch das ist eine schwierigere Baustelle, denn die Seleção ist - anders als das Maracanã - noch sehr weit von der WM-Form entfernt.

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dpa

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