Ferguson feiert "Silberne Hochzeit" in Manchester

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Der 27. Titel: Ferguson im Mai 2011 mit dem Premier-League-Pokal.

Manchester - Die unglaubliche Erfolgsgeschichte von Alex Ferguson begann am 6. November 1986. Stur und fürsorglich zugleich machte er den Club zu Englands Fußball-Rekordmeister und zur Weltmarke.

Die Feier war untypisch für den Schotten Sir Alex Ferguson. Am Donnerstag lud der Trainerveteran seine Spieler zum Gala-Dinner. Der Anlass: Das bevorstehende 25-jährige Dienstjubiläum bei Manchester United. Am Sonntag macht der knorrige Fußballlehrer in der Partie gegen den AFC Sunderland das Vierteljahrhundert voll. Mit den Huldigungen geizten die Spieler schon bei der vorgezogenen Feier nicht. “Er ist wahrscheinlich der größte Trainer aller Zeiten, ein echter Siegertyp“, sagte Abwehrspieler Jonny Evans. Die jüngere Geschichte von Rekordmeister ManUnited ist eine Ferguson-Story.

Dabei trat der Coach sein Amt am 6. November 1986 in Old Trafford mit großen Zweifeln an. “Diese Kerle saufen zu viel“, war Fergusons ernüchternder Eindruck nach dem ersten Training mit den skandalerprobten Stars Norman Whiteside und Paul McGrath. Sportlich ging der Start schief: Ein 0:2 zum Auftakt beim späteren Absteiger Oxford United und 213 Minuten ohne Torerfolg waren die erste Bilanz. Fergusons Stuhl schien schon nach wenigen Wochen zu wackeln.

Kult-Trainer! Echte Typen am Spielfeldrand

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Mit einer Mischung aus Sturheit und väterlicher Fürsorge löste er dennoch das Versprechen ein, den FC Liverpool “vom Thron zu stürzen“. 2011 überflügelten die “Red Devils“ die Rivalen als Rekordmeister.

Den ersten von 27 Titeln hatte Ferguson 1990 im Pokal gefeiert. Es folgten unter anderem drei Europapokal-Erfolge, darunter zwei in der Champions League, zwölf Meisterschaften und fünf Siege im FA Cup. In Deutschland und vor allem in München unvergessen: Manchesters 2:1 im Champions-League-Finale 1999 gegen den FC Bayern - dank zweier Tore in der Nachspielzeit. “Es klingt ein bisschen wie ein Märchen“, kommentiert Ferguson seine Amtszeit, “weil ich nie gedacht hätte, das es so lange dauert. Ich weiß das sehr zu schätzen.“

In insgesamt 1409 Spielen unter Fergusons Regie ging United 836 Mal als Sieger vom Platz und verlor lediglich 247 Partien. Mit seinem beispiellosen Gespür für Talente beeinflusste Ferguson den Lebensweg vieler Spieler. Zu seinen prominentesten Schützlingen gehören David Beckham, Ryan Giggs, Cristiano Ronaldo und Wayne Rooney. “Ferguson verdanke ich alles“, sagte Beckham dem “Daily Mirror“. “Meinen ersten Vertrag bei Manchester United unterschrieb ich an meinem 14. Geburtstag in seinem Büro. Die Torte brachte Ferguson mit.“

"Der Fön" denkt nicht ans Aufhören

Der 1999 in den Adelsstand erhobene Arbeitersohn aus Glasgow versteht sich auch auf den Umgang mit Problemkickern wie dem unberechenbaren Franzosen Eric Cantona oder dem irischen Rabauken Roy Keane. Den rauen Ton von Ferguson - seine lautstarken Brüllattacken gegen die eigenen Spieler brachten ihn den Spitznamen “Fön“ ein - spürten auch Musterschüler wie Beckham. Im Februar 2003 trat der Trainer wütend einen Fußballschuh an Beckhams Kopf. Das Foto mit der bepflasterter Augenbraue des Superstars ging um die Welt.

Ferguson fordert absolute Disziplin - ist aber auch für Scherze gut. In der United-Kantine empfahl er seinem Trainerkollegen Alan Pardew mit bierernster Miene, Salz in den Haferbrei zu rühren.

Neben dem Fußball gilt Fergusons Leidenschaft dem Pferdesport. Er besitzt mehrere Rennpferde. “Die Pferde bringen Alex auf andere Gedanken“, weiß Rennsporttrainer Paul Nicholls, “nach dem Aus in der Champions League im Vorjahr gegen Bayern war er erst ansprechbar, als sein Pferd What A Friend ein wichtiges Rennen gewonnen hat.“

Ans Aufhören denkt der Jubilar nicht: “Ich mache so lange weiter, wie ich mich fit fühle, und wenn ich morgen aufhöre, schmeißt mich meine Frau Cathy raus.“

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