Manipulationsskandal: Nationalspieler verhaftet

Istanbul - Der Fußball wird von einem weiteren Manipulationsskandal erschüttert, viel Prominenz wanderte am Sonntag ins Gefängnis, darunter auch zwei Nationalspieler.

Bei landesweiten Razzien gegen Erstliga-Klubs am frühen Morgen verhafteten die Ermittler Präsident Aziz Yildirim vom Meister Fenerbahce Istanbul, seinen Sivasspor-Kollegen Mecnun Odyakmaz, Trabzonspor-Vizepräsident Nevzat Sakar, die Nationalspieler Serkan Calik (Genclerbirligi) und Serdar Kulbilge (MKE Anakaragücü), den in Berlin geborenen Eskisehirspor-Sportdirektor Ümit Karan und rund 40 weitere Personen. Allen wird die Beteiligung an Spielmanipulationen in der vergangenen Spielzeit vorgeworfen. Gegen 7.00 Uhr begannen die Beamten in Istanbul, Sivas, Ankara und Izmir zeitgleich die Durchsuchung von Yildirims Haus, der Fener-Geschäftsstelle und der Klubhäuser der anderen verdächtigen Süper-Lig-Vereine. Dabei beschlagnahmten die Einsatzkräfte zahlreiche Unterlagen.

Besonders Fenerbahce, das in der abgelaufenen Saison durch seine 18. Meisterschaft zum alleinigen Rekordtitelgewinner aufgestiegen war, hatten die Sondereinheiten zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität im Visier: Neben Yildirim nahmen die Behörden auch seinen Stellvertreter Sekip Mosturoglu sowie den in Izmir lebenden Cousin von Fenerbahces Mittelfeldspieler Emre Belözoglu fest.

Fenerbahces Aufsichtsratschef Yuksel Gunay kritisierte die Vorgehensweise der Polizei massiv. „Das ist die Bestätigung, dass wir in einem Polizeistaat leben, sagte Yildirims Vertrauter: „Man sagt ja noch nicht einmal, welche Spiele genau untersucht werden.“

In der Tat waren die Hintergründe der Razzia bis Sonntagnachmittag noch nicht bekannt. Offen blieb damit auch, ob die mutmaßlichen Spielmanipulationen zugunsten einer Wettmafia oder zur Erlangung von sportlichen Vorteilen stattgefunden haben sollen. Pikanterweise nämlich sicherte sich Fenerbahce seinen Meister-Titel erst am letzten Spieltag der Saison 2011/12 - durch ein 4:3 gegen Sivasspor. Leidtragender war Istanbuls punktgleicher Rivale Trabzonspor.

Europaweit gehen die Behörden zurzeit entschlossener als in der Vergangenheit gegen Ergebnisabsprachen in Profiligen vor. Zuletzt nahm die griechische Polizei zahlreiche verdächtige Personen fest. Zu den Verhafteten gehörten in Piräus auch Liga-Chef Vangelis Marinakis, der in Personalunion Chef des Spitzenklubs Olympiakos Piräus ist, sowie U21-Nationaltrainer Giorgos Georgiadis und Nationalspieler Avraam Papadopoulos. Medienberichten zufolge sollen auch Länderspiele der griechischen Nationalmannschaften von den Manipulationen betroffen gewesen sein.

sid

Rubriklistenbild: © dpa

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