Magdeburg verzichtet auf Mega-Geldspritze

Magdeburg - Der 1. FC Magdeburg ist auf den Boden der Tatsachen zurückgekehrt. Der einzige DDR-Europapokalsieger sollte das neue RB Leipzig oder 1899 Hoffenheim werden. Doch jetzt ist alles geplatzt.

Die Verheißungen aus Spanien waren süß. Etliche Millionen Euro sollten fließen für neue Spieler. Das Hohelied vom Profifußball wurde bereits wieder angestimmt. Doch nach drei Monaten ist beim 1. FC Magdeburg der Spuk um den Einstieg des Groß-Investors Asap wieder beendet. Der Regionalligist brach auch wegen Zweifeln an der Seriosität des Unternehmens die Gespräche mit den Spaniern ab.

„Um die anstehenden finanziellen und sportlichen Vorbereitungen auf die kommende Saison nicht zu gefährden, hat der Aufsichtsrat auf Basis der vorliegenden Erkenntnisse einstimmig beschlossen, dieses Thema nicht weiter zu verfolgen“, erklärte FCM-Aufsichtsratschef Lutz Petermann. Die Asap habe bis zuletzt „kein verwertbares und substanzielles Angebot“ für einen Einstieg als Investor vorgelegt.

Voller Hoffnungen waren die Sachsen-Anhaltiner Anfang des Jahres auf den Flirt mit dem Sport-Vermarkter von der iberischen Halbinsel eingegangen. Die Spekulationen über die Höhe der Investitionen waren enorm und schwankten zwischen fünf und 30 Millionen Euro. Innerhalb von fünf Jahren sollte der Traditionsklub aus den Niederungen der vierten in die zweite Liga geführt werde.

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Bei einem Treffen beider Parteien Ende Januar wurde die Asap-Group konkreter und gab bekannt, man wolle bei der Suche von Sponsoren sowie der Vermittlung und Finanzierung von Spielern helfen. Einem verbindlichen Vertragsentwurf stimmten die Iberer allerdings - entgegen aller Ankündigungen - nie zu.

„Da, wo ich herkomme, in der Wirtschaft, würde man ein derartiges Vorgehen als Versuch einer feindlichen Übernahme bezeichnen“, sagte Petermann der Magdeburger Volksstimme. Der Aufsichtsratschef, nebenbei auch Geschäftsführer eines Förderanlagenbauers, glaubt mittlerweile die Motive der Spanier zu kennen. „Es ging immer offenbar nur darum, beim FCM ein komplett neues Präsidium zu installieren und die Posten neu zu besetzen.“

In der Tat war früh bekannt geworden, dass die Asap, die angeblich auch Real Madrid und Juventus Turin zu ihren Kunden zählt, je einen Vertreter in Aufsichtsrat, Präsidium und im sportlichen Bereich unterbringen wollte. Für die Spanier war es übrigens der zweite Versuch, sich im deutschen Fußball zu etablieren. Vor der Kontaktaufnahme mit dem FCM soll ein angestrebter Einstieg bei Zweitligist 1860 München nicht zustande gekommen sein.

Lange, vielleicht zu lange, hielt der FCM am Zustandekommen der Kooperation fest. Doch Petermann verteidigte die Haltung. Angesichts der sportlichen Lage des Klubs hätten die Gremien die Verantwortung, ein solches Engagement mit Sorgfalt und Bedacht zu prüfen. Nun hat man offenbar genug geprüft und will sich im Tagesgeschäft durch die angeblichen Millionen-Offerten nicht weiter beirren lassen. Möglichst schnell, betonte Petermann, müsse es wieder darum gehen, „Sicherheit in den eigenen Laden zu bekommen“.

sid

Rubriklistenbild: © dpa

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