Magath grantelt und teilt gegen Dieter Hoeneß aus 

Wolfsburg - Nach dem 3:0-Sieg zum Start der Fußball-Bundesliga in Köln liegt seine Mannschaft im Soll. Doch Magath wirkt dünnhäutig. Das Klima im Klub passt ihm nicht. Er drängt auf Veränderungen und teilt auch aus.

Im Flur vor dem Medienraum baumelt die Kabellage von der Decke, die Mixed-Zone wird renoviert, im Stadion richten Maschinen den Rasen her. Beim VfL Wolfsburg wird derzeit überall Hand angelegt, an Klub und Kader. Doch Felix Magath geht es nicht schnell genug. Der 58-Jährige wirkt vor dem Wiedersehen mit Bayern München dünnhäutig und teilt aus.

„Ich habe seit meiner Rückkehr das Gefühl, dass hier zu viel über die Vergangenheit und über die vergangene Meisterschaft geredet und geträumt wird. Wir müssen uns mehr nach vorne ausrichten“, sagte der Trainer und Geschäftsführer Magath und lieferte damit die Erklärung, warum er den Verein seit Wochen im Eiltempo erneuert. Dass er auffallend viele Spieler aussortiert, die sein Vorgänger Dieter Hoeneß kurz zuvor für viel Geld eingekauft hatte, stört Magath kaum. „Ich weiß nicht, wer in der Vergangenheit hier eingekauft hat“, sagte er und konnte sich einen Seitenhieb nicht verkneifen: „Ich will jetzt nicht wieder etwas Dummes sagen, sonst hätte ich gesagt, vielleicht hat ja auch der Zeugwart einen Wunsch gehabt. Da waren schon einige Entscheidungen dabei, die mir das Leben schwerer machen.“

Die hohe Fluktuation stört Magath nicht. Dass der VfL mittlerweile bei jedem wechselwilligen Nationalspieler in Europa als neuer Arbeitgeber gehandelt wird, sei eher ein Phänomen der Medien. „Ich kann nichts dafür, dass ihre Branche von jedem irgendwelche Informationen nimmt und dann auch weiter verbreitet“, wies er einen Journalisten zurecht, der den Wolfsburger Kaufrausch ansprach.

Für Magath steht Wolfsburg auch wegen der „Schubladen-Thematik“ täglich im Fokus von Spekulationen über Spielerwechsel. Da werde gesagt, Wolfsburg habe viel Geld. Und jeder Spieler, der sich interessant machen wolle, bringe gleich Wolfsburg ins Spiel. Für Magath unverständlich: „Ich habe schon vorher gesagt, dass auch wir auf die Finanzen achten müssen.“

Kult-Trainer! Echte Typen am Spielfeldrand

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Magath präsentiert sich als nüchterner Realist. Falsche Erwartungen sind ihm ein Gräuel, erst recht vor dem Spiel gegen die Bayern. „Mir ist nicht lieb, dass sie zum Start verloren haben. Jetzt stehen sie unter Druck“, sagt er. Den Sieg seiner Elf und die Niederlage der Bayern zum Auftakt dürfe man nicht überbewerten. „Dass die Bayern von allen Teams die besten Einzelspieler haben, weiß doch jeder, der sich mit Fußball beschäftigt.“

Und für ihn selbst? Was bedeutet ihm der Kick gegen den Ex-Klub, den er zweimal in Folge zum Double geführt hat? Nur logisch, dass er auch in diesem Punkt keine großen Gefühle aufkommen lässt. „Der FC Bayern ist ein Verein, für den ich mal gearbeitet habe. Das trifft aber auch auf den VfB Stuttgart oder den HSV zu. Deshalb mache ich da keinen Unterschied.“

Mit Magath gehörte Hasan Salihamidzic zum Team der Bayern, die 2005 und 2006 das Double gewannen. Für „Brazzo“, lässt sich Magath dann doch entlocken, sei das Spiel schon etwas Besonderes: „Er hat ja so oft noch nicht gegen die Bayern gespielt.“ Der 33 Jahre alte Neuzugang brenne nach wie vor wie ein Jungspund: „Er ist für sein Alter viel zu unruhig.“

„Bürschchen“ Salihamidzic dürfte seinen Platz in der Startelf am Samstag sicher haben. Fraglich ist, wer von den Top-Stars auf die Bank muss. Patrick Helmes wird nach seinem Doppelpack in Köln wohl ebenfalls von Beginn an spielen, dagegen droht Neuzugang Srdjan Lakic den Anschluss zu verlieren. Wie zuletzt Thomas Kahlenberg, der zu den Amateuren geschickt wurde. Oder Tuncay Sanli, der am Donnerstag zu den Bolton Wanderers wechselte. Die Umbauten gehen weiter.

SID

Rubriklistenbild: © dpa

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