Was macht den SC Paderborn nur so stark?

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Roger Schmidt jubelt mit seinen Spiel über das 3:2 gegen Düsseldorf

Paderborn - Ein Mini-Etat, ein Quereinsteiger als Trainer und ein Team der Namenlosen: Ganz Fußball-Deutschland staunt über den SC Paderborn. Was macht dieses Team so stark?

Die als Abstiegskandidat in die Saison gestarteten Ostwestfalen träumen urplötzlich vom Aufstieg in die Fußball-Bundesliga. Paderborn in der ersten Liga? Es wäre der Treppenwitz des Jahres, doch nach dem 3:2 (1:0) bei Herbstmeister Fortuna Düsseldorf scheint nichts mehr unmöglich.

Der SCP überwintert mit 39 Punkten auf der Habenseite und liegt damit in Schlagdistanz zur Tabellenspitze. Vom Aufstieg will Trainer Roger Schmidt freilich nichts wissen, nur allzu gern schiebt er die Favoritenrolle nach Düsseldorf, Frankfurt oder Fürth: “Wir genießen den Moment und werden natürlich versuchen, im nächsten Jahr solange wie möglich oben dranzubleiben.“

Schmidt, von Beruf Diplom-Ingenieur für Maschinenbau, ist der Baumeister des Paderborner Höhenflugs. Im Sommer kam der 44-Jährige vom Traditionsklub Preußen Münster, den er in die Regionalliga geführt hatte, und ersetzte den zum FC St. Pauli abgewanderten Andre Schubert. Als Quereinsteiger ist er einst zum Fußball gekommen, sieben Jahre lang hatte er für einen Autozulieferer gearbeitet, ehe er ab 2007 auf die Karte Fußball setzte. Existenzängste hat er nicht. “Wenn es mit dem Fußball nicht mehr läuft, arbeite ich halt wieder als Ingenieur.“

Paderborn seit 15 Spielen ungeschlagen

Daran braucht er derzeit keinen Gedanken zu verschwenden, denn es läuft besser, als alle zu träumen gewagt haben. Seit 15 Spielen ist Paderborn ungeschlagen - und das mit Spielern, die selbst für Fußball-Experten ein unbeschriebenes Blatt sind. Nick Proschwitz holte Schmidt etwa vom FC Luzern, heute ist der 25-Jährige mit zwölf Treffern einer der Top-Torjäger der Liga.

“Wir haben die beste Mannschaft zusammen, die es je beim SC gab“, sagt Kapitän Markus Krösche. Der 31-Jährige muss es wissen, seit zehn Jahren spielt er in Paderborn. Mit Erklärungen für den Aufschwung tut sich aber auch Krösche noch schwer: “Wir haben zwar nicht die besten Einzelspieler, aber eine der besten Mannschaften und stehen daher zu recht so weit oben.“

Mini-Etat von 5,15 Millionen Euro

Ein Grund für den Erfolg ist sicher auch das gewachsene Teamgefüge. Viele Spieler wie Krösche, Florian Mohr, Jens Wemmer oder Enis Alushi gehörten bereits dem SCP-Team an, das 2009 den Aufstieg in die 3. Liga schaffte. “Der Star ist die Mannschaft“, heißt das Motto bei einem der Billig-Teams der Liga. Nur 5,15 Millionen Euro beträgt der Lizenzspieler-Etat. Zum Vergleich: Der Spieleretat von Topfavorit Eintracht Frankfurt liegt bei gut 20 Millionen Euro.

Doch Geld ist in Paderborn nicht gerade im Überfluss vorhanden. 6,7 Millionen Euro Verbindlichkeiten lasten auf dem Klub. So täte ein Aufstieg finanziell gut. “Wir würden zum Aufstieg nicht Nein sagen“, betont Klubboss Wilfried Finke. Der Möbel-Unternehmer ist der starke Mann im Klub und hat einst auch den Bau der 15.000 Zuschauer fassenden Arena auf den Weg gebracht.

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So könnte es gut sein, dass es 2012 erstmals Bundesliga-Fußball in der 145.000-Einwohner-Stadt zu sehen gibt. Bislang war Paderborn nur einmal deutschlandweit im Fußball bekannt geworden: Durch den Schiedsrichter-Skandal um Robert Hoyzer, der 2004 das DFB-Pokalspiel zwischen Paderborn und dem Hamburger SV (4:2) für die Wettmafia verschoben hatte. Höchste Zeit also, für Positiv-Schlagzeilen zu sorgen.

dapd

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