Was macht eigentlich Winfried Schäfer?

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Winfried Schäfer

Frankfurt/Main - Was macht eigentlich Winfried Schäfer? Der Kult-Coach ist nun Nationaltrainer in einem Fußball-Entwicklungsland - und spricht über seine Arbeit und seine Ziele.

Als Winfried Schäfer aus seinem Zimmer in Bangkok blickt, wartet eine positive Überraschung auf ihn. “Zum ersten Mal seit langer Zeit ist mal wieder die Sonne zu sehen“, sagt der 61-Jährige. Über das Wetter in Thailand zu plaudern, ist derzeit keine Lappalie. Nach wochenlangen Regenfällen ist das Land zu weiten Teilen überflutet. “Für mich in Bangkok besteht keine akute Gefahr, aber auch in der Stadt stehen einige Bezirke unter Wasser. Es ist schon schlimm“, sagt Schäfer.

Dabei ist Schäfer, wie er selbst sagt, schon vor drei Monaten “ins kalte Wasser gesprungen“. Damals hatte er den Posten des Nationaltrainers angenommen und die Nachfolge des Briten Bryan Robson angetreten. Seitdem hat Schäfer im Fußball-Entwicklungsland schon viel bewegt, und Thailand kann mit Blick auf die WM 2014 in Brasilien sogar von der ersten Teilnahme an einer WM-Endrunde träumen.

Kult-Trainer! Echte Typen am Spielfeldrand

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Häufig zwei Spiele pro Tag angesehen

“Ich kannte weder Spieler, noch Klubs - nur den Präsidenten Worawi Makudi“, erzählt Schäfer. Also hat er sich hinter das Steuer seines Toyotas gesetzt. “Ich bin stundenlang mit dem Auto durch das Land gefahren und habe mir häufig zwei Spiele pro Tag angeschaut. Ich habe schon mehr von Thailand gesehen als viele, die dort leben. Aber ich muss vor Ort sein, die Spieler beobachten, ihre Form überprüfen. Das mache ich lieber alles selbst. So bin ich“, erklärt der frühere Bundesligatrainer des Karlsruher SC und VfB Stuttgart.

Die Mühe hat sich schon ausgezahlt. In der WM-Qualifikation kann Thailand unter Schäfer mithalten. “Wichtig war unser knappes 1:2 gegen Australien. Meine Spieler haben gesehen, was möglich ist. Wir haben eine unheimliche Euphorie entfacht. Die Leute hier sind im positiven Sinn verrückt geworden. Auch das 0:0 gegen Saudi-Arabien war ein Erfolg“, sagt Schäfer. Mitte November stehen die vorentscheidenden Rückspiele an. Auch wenn es mit der WM-Qualifikation nicht klappen sollte, Schäfers Ziele sind ambitioniert: “Wir wollen in drei Jahren auf Augenhöhe mit Japan und Südkorea sein.“

Dabei arbeitet Schäfer im Gegensatz zu seiner Zeit in Kamerun mit einer international weitgehend unerfahrenen Mannschaft. Häufig gehen ihm die Namen seiner Spieler selbst noch nicht über die Lippen, dann behilft er sich mit Spitznamen oder Rückennummern. “Richtig ist, dass wir im Moment keinen Spieler haben, der im Ausland tätig ist. Aber das Potenzial ist da“, sagt Schäfer und fügt hinzu: “Unser Stürmer Teerasil Dangda zum Beispiel war mal bei Manchester City in England. Das ist ein richtig Guter, der könnte überall spielen. Generell gilt: Alle rennen, kämpfen und spielen bis zum Umfallen.“

KSC lässt Herz bluten

Schäfer selbst hat sich in Thailand bereits sehr gut eingelebt. Nach einer Anfangszeit im Hotel hat er ein Apartment bezogen - nicht weit entfernt von einem deutschen Restaurant, in dem auch Spiele der Bundesliga gezeigt werden. “Es gibt ja viele Deutsche hier. Der deutsche Botschafter zum Beispiel ist ein KSC-Fan. Da kann man sich wunderbar austauschen“, sagt Schäfer.

Beim Thema KSC, der in der zweiten Liga gegen den Abstieg kämpft, blutet ihm allerdings das Herz. “Vor fünf Jahren wollte ich beim KSC als Sportdirektor helfen. Ich hatte den Plan, Thorsten Fink als Trainer zu holen. Wir hätten den KSC wieder in der Bundesliga etabliert und sogar in Europa. So wie früher. Da bin ich fest von überzeugt. Die Leute in der Region um Karlsruhe lechzen förmlich nach Spitzenfußball“, sagt Schäfer: “Aber das unterliegt nicht meiner Verantwortung. Ich habe eine andere Aufgabe hier, und die füllt mich aus.“

Zurzeit führt er Gespräche mit Thailands Fußball-Präsidenten und den Klubs. Diesmal geht es Schäfer nicht um den Erfolg, sondern um einen guten Zweck. “Wir planen ein Spiel Ende November“, sagt Schäfer, “zugunsten der Flutopfer“.

dapd

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