Was macht eigentlich Roberto Hilbert?

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Roberto Hilbert im Besiktas-Dress

Istanbul - Ex-Nationalspieler Roberto Hilbert spricht im Interview über sein neues Leben - und über die Lage des türkischen Fußballs nach dem Manipulationsskandal.

Wenn an diesem Freitag die deutsche Nationalelf in der Türkei spielt, wird auch Roberto Hilbert im Stadion sitzen. Seit einem Jahr ist der ehemalige Profi des VfB Stuttgart und Ex-Nationalspieler jetzt bei Besiktas Istanbul, doch die Daumen drückt er den Deutschen. Wie Hilbert mit den Manipulationsskandalen im türkischen Fußball umgeht und wieso eine Rückkehr in die deutsche Nationalmannschaft für ihn derzeit nicht “Thema Nummer eins“ ist, erzählt der 26-Jährige in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa.

Herr Hilbert, seit einem Jahr sind Sie jetzt in Istanbul - haben Sie es je bereut, dass Sie der Bundesliga den Rücken gekehrt haben?

Hilbert: “Ich bin sehr heimatverbunden und fliege gerne nach Hause, aber bereut habe ich den Wechsel nicht. Sportlich läuft es im Moment sehr gut, ich habe letzte Saison 45 Spiele gemacht, wir sind Pokalsieger geworden, und wir haben eine super Mannschaft. Außerdem ist Istanbul eine super Stadt, es gibt im Moment also keinen Grund, etwas zu bereuen.“

Wie war es für Sie, als die türkische Liga kürzlich von Manipulationsskandalen erschüttert wurde und auch Ihr eigener Verein unter Verdacht geriet, den Pokalsieg manipuliert zu haben?

Hilbert: “Für mich war das ein Schockmoment, weil ich noch nie mit einem Manipulationsskandal zu tun hatte. Dass unterstellt wurde, dass bei unserem Pokalsieg nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sein soll, war natürlich zusätzlich belastend - zumal ich mir das bis heute nicht vorstellen kann. Der Gegner hat eines seiner besten Saisonspiele gezeigt, wir gewannen erst im Elfmeterschießen. Es war für mich einfach ein Schock, damit konfrontiert zu werden. Ich konnte mir eigentlich nie vorstellen, dass man im Fußball irgendetwas manipulieren kann.“

Inwieweit beeinträchtigt der Skandal die türkischen Spieler im Länderspiel gegen Deutschland?

Hilbert: “Ich glaube nicht, dass der Skandal irgendeinen Spieler der türkischen Nationalmannschaft beeinträchtigen wird. Seitdem die Liga wieder begonnen hat, ist für jeden eine Art Normalität eingekehrt. Man hat alle drei Tage ein Spiel, weil man die verpassten Begegnungen durch den verschobenen Ligastart aufholen muss. Man konzentriert und fixiert sich so extrem auf seine Leistung und auch auf die Spiele, dass man sich mit dem Thema auch gar nicht groß befassen kann.“

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Wie schätzen Sie die Chancen der Türken gegen die Deutschen ein?

Hilbert: “Den Türken ist bewusst, dass es vielleicht ihre letzte Chance ist, um zur Europameisterschaft zu fahren und ich glaube, das ist auch in den Köpfen der Spieler und in den Köpfen des gesamten Landes. Ich bin mir sicher, dass die türkische Mannschaft bis zur letzten Minute versuchen wird, ihre Chancen zu nutzen. Die Zuschauer werden ihre Mannschaft außerdem bis zum Schluss nach vorne peitschen und mit ihren Emotionen versuchen, die Deutschen zu verunsichern. Das könnte ein großer Vorteil für die Türken werden. Natürlich kommen die Deutschen aber auch mit einem ganz großen Selbstbewusstsein hierher. Für mich sind sie mit Spanien und den Holländern die Top Drei der Fußball-Nationalmannschaften.“

Sehnen Sie sich daher nicht zurück ins deutsche Nationalteam?

Hilbert: “Natürlich ist es immer schön, für sein Land zu spielen. Diese Erfahrung habe ich selber machen dürfen und auch die, dass ich da jetzt nicht mehr dabei bin. Für mich gibt es immer ein Stück Hoffnung, dass man nochmal eine Chance bekommt, aber im Moment ist das für mich nicht Thema Nummer eins. Ich muss jetzt erst einmal hier meine Leistungen der letzten Saison bestätigen.“

dpa

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