Luxus, Extrawürste - und bitte nicht Ukraine

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Das DFB-Team urlaubt im Hotel "Dwor Oliwski"

Köln - Puren Luxus und die Erfüllung zahlreicher Sonderwünsche muss bieten, wer bei der EM eine der Teams beherbergen will. Die große Mehrheit der Teams entschied sich für ein Quartier in Polen - und viele Reisekilometer.

Manchmal würde man ja doch ganz gerne wissen, was die Hotelmanager über ihre prominente Fußballkundschaft in Wahrheit denken. Fünf Sterne und puren Luxus bieten die meisten Nobel-Herbergen den Teilnehmern an der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine. Doch nur mit der Standard-Luxus-Einrichtung ist bei den kickenden Edelgästen kein Blumentopf zu gewinnen. Extrawürste hier, Extrawürste da, ein Nein wird nicht akzeptiert.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) etwa ließ einen eigenen Trainingsplatz am EM-Quartier „Dwor Oliwski“ in Ostseebad Sopot anlegen, in der Küche übernimmt Nationalmannschafts-Koch Holger Stromberg das Kommando. Das deutsche Quartier, diese „Liebe auf den ersten Blick“ (DFB-Präsident Wolfgang Niersbach), musste anscheinend doch noch etwas hergerichtet werden.

Andere gehen gleich ganz groß ran. Der Welt- und Europameister Spanien residiert nicht einfach nur im Hotel Mistral in Gnewin, sondern nimmt gleich das gesamte Dorf in Beschlag. Hinein kommt nur, wer über eine Zutrittsberechtigung verfügt.

Kleckern statt klotzen scheint auch das Motto beim iberischen Bruder Portugal zu sein. 33.000 Euro soll sich der Verband FPF die Wohlfühloase Hotel Remes Sport und Spa in Opalenitza vor den Toren Posens kosten lassen. Pro Tag, versteht sich. „Über Geld spricht man nicht“, sagte der sonst ziemlich auskunftsfreudige Hotelmanager beim Besuch der spanischen Sporttageszeitung AS: „Aber es ist teuer.

Dafür gehören selbstverständlich Playstations, Schwimmbad, Whirlpool, Wellness-Center, Kegelbahn, Billard-Tische und Tischtennis-Platten zur Ausstattung. Sowie laut Hotelangaben „Weltklasse-Trainingsmöglichkeiten“ mit 20 Sportplätzen, sechs Tennisplätzen und eigenem Stadion. Nicht zu vergessen das großzügige Apartment für Superstar Cristiano Ronaldo, während die Teamkollegen in Einzelzimmern untergebracht sind. Zufriedenheit ist oberstes Gebot.

Eher unzufrieden war man hingegen in der Ukraine, schlagen doch 13 der 16 EM-Teilnehmer ihr Quartier in Polen auf. Neben der eigenen Mannschaft trauen sich einzig Frankreich und Schweden in die Ukraine. Warum gerade die beiden? „Wir spielen unsere Gruppenspiele in Kiew, und da findet ja auch noch ein anderes, entscheidendes Turnierspiel statt. Das ist sehr wichtig, weil wir unser Hotel bis zum Finale gebucht haben“, sagte Schwedens Teammanager Lasse Richt über die Wahl des Platinum Hotels in Kozyn bei Kiew.

Schöner wohnen in Polen: Zu Besuch im deutschen EM-Quartier

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Für die Nähe zum Spielort und gegen viele Reisekilometer entschied sich auch Frankreich, das zwei Vorrundenspiele in der Donbass Arena in Donezk bestreitet und sich praktischerweise auf dem Trainingsgelände des ukrainischen Meisters Schachtjor Donezk einquartiert hat. „Die Plätze und die Gebäude entsprechen höchsten europäischen Standards“, sagte Nationaltrainer Laurent Blanc.

Allerdings musste auch hier eine Feinjustierung vorgenommen werden. Der französische Verband FFF verfrachtete zig Fahrräder, ein Pressezentrum, Systeme zur Videoanalyse, eine Kältetherapiekabine zur Erholung und 700 Trikots per LKW in die Ostukraine.

Und dabei wollte Donezk, so wird jedenfalls gemunkelt, ursprünglich lieber das englische Team bewirten. Doch der Weltmeister von 1966 zog - wie auch Deutschlands Gruppengegner Niederlande und Italien - das polnische Krakau vor. Dort, wo keine EM-Spiele stattfinden, werde man ungestört sein, hatten vor allem die Engländer gehofft.

Schlecht nur, dass Polens heimliche Hauptstadt offensiv um Fußball-Touristen wirbt und durch ein Fan-Fest für 30.000 Zuschauer zum „fünften EM-Spielort“ werden möchte, wie Polens OK-Chef Wojciech Folejewski ankündigte: „Ich würde den englischen Fans immer sagen: Ja, kommt nach Polen. Und macht euch keine Sorgen über eine Unterkunft in Krakau. Sie sind gut vorbereitet. Und: Es gibt Kneipen und Bars!“ Das dürfte es dann mit der Ruhe gewesen sein. Außer vielleicht im italienischen Hotel: Für 80 Euro darf man sich im Milchbad wie Cleopatra fühlen.

sid

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