Ex-Trainer spricht über Zeit in München

Van Gaal über FCB: „Wegen Hoeneß würde ich da nicht mehr arbeiten“

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Knapp zwei Jahre für den FC Bayern tätig: Louis van Gaal feierte mit den Roten 2010 das Double und erreichte das Champions-League-Finale.

Louis van Gaal hat in seiner Zeit als Trainer des FC Bayern Eindruck hinterlassen. Nun schaut der Niederländer in einem Interview zurück auf die turbulente Zeit und die Querelen mit dem Boss.

München - Gute Freunde werden Louis van Gaal und Uli Hoeneß in diesem Leben wohl nicht mehr. Der 66 Jahre alte Niederländer hat eine Rückkehr zum FC Bayern im Gegensatz zu Jupp Heynckes, der bereits zum vierten Mal in München das Traineramt übernommen hat, ausgeschlossen - wegen seines angespannten Verhältnisses zum Präsidenten.

"Ich bin überall zurückgekommen. Beim FC Barcelona, der holländischen Nationalelf, Ajax Amsterdam, AZ Alkmaar, aber bei Bayern? Das kann ich mir nicht vorstellen. Solange Uli Hoeneß im Klub ist, würde ich dort nicht arbeiten", sagte van Gaal der Sport Bild.

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Hoeneß wettert gegen van Gaal

Van Gaal war 2011 beim deutschen Fußball-Rekordmeister entlassen worden. Hoeneß und er waren immer wieder heftig aneinandergeraten. "Sein Problem ist, dass Louis sich nicht für Gott hält, sondern für Gott-Vater. Bevor die Welt existierte, war Louis schon da", hatte Hoeneß (66) einmal geätzt.

Zwischendurch hatten die beiden Alphatiere nach einer Aussprache den "Rotwein-Frieden von Cluj" geschlossen - doch dieser war offenbar nur vorgetäuscht. "Es gab das Gespräch, das ist richtig, aber es war kein gutes. Meine Frau sagte mir danach, wenn das wahr ist, was da gesagt wurde, musst du beim FC Bayern aufhören", sagte van Gaal. Doch er habe "weitergearbeitet, weil ich den Klub liebe".

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„Kämpfe mit der Bayern-Führung ausgetragen“

Details wollte der Niederländer nicht verraten. "Ich glaube, wenn ich das erzähle, ist es nicht gut für Bayern, nicht gut für Uli Hoeneß, nicht gut für mich", so van Gaal. Es reiche, "wenn ich schildere, welche Kämpfe ich mit der Bayern-Führung austragen musste. Und wenn ich Bayern-Führung sage, meine ich: Uli Hoeneß."

So schilderte van Gaal: „Uli Hoeneß hat zu einigen Spielern ein spezielleres Verhältnis gepflegt, sich mit ihnen ausgetauscht und sich für ihre Belange eingesetzt. So wie für Ribéry, der laut Herrn Hoeneß immer spielen musste. Das ist meiner Meinung nach für die Arbeit eines Trainers nicht gut.“

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„Riesiger Streit mit Hoeneß“ wegen Lahm

Der Franzose stellte aber nicht die einzige Personalie dar, bei der Trainer und Präsident verschiedener Meinung waren. „Philipp Lahm spielte damals Linksverteidiger, erst ich habe ihn auf rechts gestellt. Daraufhin hatte ich einen riesigen Streit mit Hoeneß, der Lahm weiter links haben wollte. Die Geschichte gab mir recht: Lahm wurde als rechter Außenverteidiger Champions-League-Sieger und Weltmeister“, erinnerte sich van Gaal. 

Auch bei David Alaba fühlt sich der Coach rückblickend bestätigt: „Sein Fehler in der Schlussminute, der zum 1:1 gegen Nürnberg führte, leitete meine Entlassung ein. Dabei ist Alaba noch heute eines der größten Talente, das Bayern hat.“ Trotz all der Querelen lobte van Gaal Intimfeind Hoeneß aber auch: „Hoeneß ist ein sympathischer Mann, wenn er mit dir am Tisch sitzt. Aber er kann auch knallhart sein. Vielleicht ist das sogar seine große Qualität für das Amt.“

Weinfreunde: Louis van Gaal (l.) und Uli Hoeneß haben auch einige Gemeinsamkeiten gefunden.

„Für Rummenigge und Hoeneß ist Fußball das Wichtigste“

Dem FC Bayern fühlt er sich ohnehin noch auf besondere Weise verbunden. „Manchester United, das ich zuletzt trainierte, ist ein kommerzieller Klub. Ganz anders als Bayern. Die Chefs sind mit Rummenigge und Hoeneß ehemalige Spieler, die wissen, wovon sie sprechen. Für sie ist Fußball das Wichtigste, nicht das Geld wie inzwischen bei United. Dafür liebe ich den FC Bayern“, schwärmt van Gaal.

Deshalb hofft er auf ein baldiges Wiedersehen mit den Roten: „Meine Frau Truus und ich würden gerne nach München zurückkommen. Nach meiner Entlassung war ich nur einmal 2011 da, bei einer Sponsoren-Einladung für Manchester United. Dabei lieben wir die Stadt beide wirklich sehr, wie auch den Klub.“

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„Heynckes lässt ein System spielen wie ich damals“

Über die aktuellen Erfolge freut sich der "Tulpen-General", zumal sie immer noch seine Handschrift tragen würden. "Ich sehe, dass Jupp Heynckes heute genauso ein System spielen lässt, wie ich es damals einführte. Der Unterschied ist: Heynckes hat eine viel größere Qualität im Kader zur Verfügung", sagte van Gaal.

Seine Transferwünsche seien bei Weitem nicht alle erfüllt worden. So habe er für die Rückholaktion eines Eigengewächses geworben: „Ja, ich wollte Hummels im Sommer 2010 zurück, es gab sogar Verhandlungen. Doch wieder waren Hoeneß und ich anderer Meinung. Sechs Jahre später hat Bayern Hummels doch gekauft, für stolze 38 Millionen Euro.“ Van Gaals Aufzeichnungen zufolge hätte er zudem gern Mesut Özil, Wesley Sneijder, Jose Bosingwa und Simon Rolfes im Bayern-Trikot gesehen.

Ein Mann, ein Wort: Louis van Gaal krempelte den FC Bayern sportlich um.

sid, mg

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