Ex-Bayern-Trainer bleibt seinem Stil treu

Van Gaal: "Ein herrliches Gefühl"

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Louis van Gaal bleibt seinem Stil treu. Er setzt auf junge Talente.

Amsterdam - Louis van Gaal hat in den Niederlanden eine Revolution ausgerufen. Der neue Bondscoach heizt den Konkurrenzkampf an - und hat damit Erfolg.

Louis van Gaal stand auf, lachte und zupfte akkurat seine Oranje-Krawatte zurecht. Dass ihn Innenverteidiger Bruno Martins Indi mit einem wilden Jubelsprung zu Boden gerissen hatte, nahm der frühere Bayern-Trainer mit Humor. Schließlich hatte er alles richtig gemacht mit seiner Revolution. Ein Torwart-Wechsel, alles auf Null im Sturm, die Alten raus: Nach dem EM-Desaster stellt der Bondscoach in den Niederlanden zu Beginn seiner zweiten Amtszeit einiges auf den Kopf und vieles infrage. Und das mit Erfolg.

„Das ist ein herrliches Gefühl“, sagte der 61-Jährige, deutlich schlanker als zu Bayern-Zeiten, nach dem 2:0 (1:0) gegen die Türkei. Und sofort dachte van Gaal zurück: An 2002, als er mit der Elftal in der WM-Qualifikation auf peinliche Weise gescheitert war. Damals war beim ungeliebten Nachbarn das Spottlied „Ohne Holland fahr“n wir zur WM„ ein Gassenhauer geworden. Diesmal soll alles anders werden.

`Wir haben seinerzeit in Amsterdam mit dem 2:2 gegen Irland schwach begonnen. Jetzt sind wir hier gut gestartet. Das war kein besonders schöner Sieg, aber ein wichtiger“, sagte van Gaal. Wenig begeistert reagierte die Presse. „Mit Ach und Krach“, kommentierte der Telegraaf, De Volkskrant schrieb von einem Sieg „mit Hängen und Würgen“. Die neue Generation sei noch nicht bereit für große Taten.

Van Gaal war ins Risiko gegangen. Er hatte Torhüter Maarten Stekelenburg degradiert und den „Nobody“ Tim Krul aufgestellt. Er hatte überraschend auf Klaas-Jan Huntelaar von Schalke 04 verzichtet und Robin van Persie aufgeboten, obwohl sämtliche Medien bereits von einer Entscheidung pro Huntelaar berichtet hatten. Van Persie spielte - er erzielte per Kopf das 1:0. Van Gaal hat vor dem Duell mit Ungarn am Dienstag im Sturm ein Luxusproblem.

„Klaas hat ein Tor gegen Belgien (4:2 im Test, d. Red.) gemacht. Van Persie gegen die Türkei auch“, sagte van Gaal, mehr nicht, wohl, um den Konkurrenzkampf anzuheizen. In seiner Mannschaft drängen die jungen Spieler nach, Arrivierte müssen sich warm anziehen - oder in Decken gehüllt auf der Bank sitzen. Wie in Amsterdam: Kein einziger Spieler jenseits der 29 Jahre durfte ran, dafür die Jungstars Jordy Clasie (21) und Daryl Janmaat (23), die allerdings zur Halbzeit auch schon wieder zum Duschen geschickt wurden. „Sie haben ihre Leistung aus dem Training nicht gebracht“, sagte van Gaal.

Dennoch will er zur WM 2014 nach Brasilien mit einer jungen Mannschaft reisen. „Gegen Belgien habe ich der alten Garde vertraut. Sie hat mich enttäuscht. Jetzt habe ich junge Spieler zur Verfügung, und die habe ich eingesetzt“, sagte er. „Ein 2:0 ist daher mehr, als ich erwartet hatte.“

Er habe zwar keine Zweifel gehabt, dass die Youngster Leistung bringen, aber diese junge Mannschaft? „Da habe ich befürchtet, dass sie es nicht managen können“, sagte van Gaal. Erst das 2:0 durch den jungen Stürmer Luciano Narsingh von der PSV Eindhoven in der dritten Minute der Nachspielzeit beruhigte seine Nerven. „Wir hätten ihnen den Knock-out früher verpassen müssen“, sagte Arjen Robben. Der Star von Bayern München spielte durch. Aber er ist ja auch erst 28.

sid

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