Bundestrainer mit Spitze gegen Kollegen

Löw: Süffisanter Konter gegen van Gaal

+
Joachim Löw bei der Pressekonferenz

Amsterdam - Die Vorzeichen für den Länderspiel-Klassiker gegen die Niederlande stehen nicht gut. Dennoch reichte die Kraft des angeschlagenen Joachim Löw für eine verbale Spitze.

Mit seinem Auftritt im legeren blauen Trainingsanzug gab sich Joachim Löw äußerlich betont locker, die ständigen Übersprungshandlungen zeugten allerdings von einer großer Anspannung des Fußball-Bundestrainers. Andauernd spielte Löw auf dem Podium beim Ausblick auf den Länderspielklassiker zwischen dem deutschen Rumpfteam und den Niederlanden am Mittwoch (20.30 Uhr/ARD) mit der Espressotasse, den Gläsern, den Flaschen oder dem Mikrofon. Doch obwohl die jüngste Kritik und die großen Personalsorgen dem Coach offenbar mehr zusetzen, als er zugeben will, reichte die Kraft noch für eine verbale Spitze.

„Für einen Nationaltrainer ist es ja doch wichtig, dass man sich auch mal für ein Turnier qualifiziert. Das hat er zuletzt nicht geschafft - glaube ich“, konterte der Bundestrainer süffisant die Aussage des niederländischen Nationaltrainers Louis van Gaal. Der Bondscoach, der sich in seiner ersten Amtszeit mit der Elftal nicht für die WM-Endrunde 2002 qualifizieren konnte, hatte behauptet, dass Löw die Erfolge fehlten, um ein großer Trainer zu sein.

Ein guter Coach wäre Löw bereits, wenn seine B-Elf die letzte Partie des Jahres halbwegs erfolgreich absolvieren würde. Schließlich fehlen Löw insgesamt neun Leistungsträger. In Bastian Schweinsteiger, Toni Kroos, Marcel Schmelzer und Jerome Boateng hatten am Sonntag bereits vier Spieler ihre Teilnahme abgesagt. Am Montag zogen Real Madrids Spielmacher Mesut Özil wegen muskulärer Probleme und Torjäger Miroslav Klose wegen einer Grippe nach. Holger Badstuber und Sami Khedira sowie Mario Gomez standen ohnehin nicht zur Verfügung.

Sie bringen die Würze: Reizfiguren des Fußballs

Sie bringen die Würze: Reizfiguren des Fußballs

Angesichts der langen Ausfallliste machte Löw, der seit dem Halbfinal-Aus bei der EM gegen Italien (1:2) und dem historischen 4: 4 in der WM-Qualifikation gegen Schweden ständig in der Kritik steht, in Zweck-Optimismus. „Jedes Spiel bringt wichtige Erkenntnisse. Nun werden wir eben die Möglichkeit nutzen, dem ein oder anderen Spieler eine Chance zu geben, der nicht so viel Erfahrung hat“, äußerte der 52-Jährige, der eigenlich sein Topteam in die AmsterdamArena schicken wollte, um zum Jahresabschluss Wiedergutmachung zu betreiben und erneute Diskussionen im Keim zu ersticken.

Debatten gab es nach dem Schweden-Spiel vor allem an der angeblich zu offensiven Spielweise. Dennoch will sich Löw auch gegen die Niederlande nicht von seinem Kurs abbringen lassen. „Generell gilt, dass wir unserer offensiven Spielweise treu bleiben werden. Wir haben die Spieler, die das Können“, sagte der Badener: „Deutsche Tugenden sind mittlerweile eben auch technisch gute Spieler und Angriffsfußball.“

Um echten offensiven Fußball zu spielen, wäre allerdings ein Stürmer nicht schlecht. Im Aufgebot steht allerdings keiner. So wird vermutlich Marco Reus in vorderster Linie auflaufen. „Lukas Podolski kann auch ganz vorne spielen. Aber das ist nicht seine Idealposition. Er ist besser dahinter oder links“ sagte Löw, der auf Stefan Kießling von Bayer Leverkusen verzichtet, weil „in diesem Spiel ein anderer Spielertyp besser zu unserer Philosophie passt“.

Beim Thema Philosophie benutzte Löw, der Sven Bender, Lewis Holtby sowie die beiden Neulinge Sebastian Jung und Roman Neustädter nachnominiert hat, wie schon zuletzt seinen neuen Lieblingsbegriff „Balance“. Sie müsse gefunden werden. „Wir müssen unsere Organisation verbessern und Dinge in der Defensive erarbeiten, ohne unsere Spielweise aufzugeben. Unser Hauptaugenmerk muss darauf gerichtet sein, von Anfang an eine Stabilität im Spiel zu haben“, sagte der Bundestrainer.

Löw verzichtete trotz dieser Vorgabe darauf, das Schweden-Spiel im Detail mit seinen Schützlingen zu analysieren. „Die Aufarbeitung ist im Trainerstab intensiv betrieben worden. Aber es macht jetzt keinen Sinn, das mit dem Team aufzuarbeiten. Viele Spieler fehlen, außerdem ist das nicht so motivierend“, äußerte der Coach: „Man kann das nicht in einer Mannschaftssitzung oder einem Training aufarbeiten. Das ist ein Prozess, der auch in den nächsten Monaten ein wichtiges Thema ist.“

Ein wichtiges Thema für das Holland-Spiel ist auch die Besetzung der Torhüter-Position. Löw machte Rückkehrer Rene Adler nach seiner zweijährigen Abstinenz immerhin Hoffnung auf einen Einsatz über 45 Minuten.

In der Viererkette wird voraussichtlich Kapitän Philipp Lahm wieder auf die linke Seite rücken. Benedikt Höwedes, aber auch Jung wären die Kandidaten für rechts. Im defensiven Mittelfeld werden wohl Lars Bender und Ilkay Gündogan die abwesenden Khedira, Schweinsteiger und Kroos vertreten.

sid

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare