„Illusionskünstler“ als Vorbild

Löw: Italien ist ein "Wolf im Schafspelz"

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Joachim Löw mit seinem Kapitän Philipp Lahm.

München - Bundestrainer Joachim Löw blickt mit einigem Neid nach Italien und sieht die Squadra Azzurra auf dem Weg zum WM-Titel 2014 in Brasilien sogar als Vorbild.

„Sie haben vielleicht das beste taktische Gespür. Eine Fehlerkette gibt es bei Italienern praktisch nie. Die werden nicht hektisch. Man kann sich von ihrer Coolness, von ihrer Cleverness und gnadenlosen Effizienz was abschauen“, sagte Löw vor dem Klassiker am Freitag (20.45 Uhr/ZDF) in Mailand gegen Italien im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Für den 53-Jährigen ist es das 100. Länderspiel als Bundestrainer.

Die Italiener, gegen die die deutsche Nationalmannschaft schon seit 18 Jahren auf einen Sieg wartet, störe es auch „kein bisschen, wenn sie mal drei Bälle auf die Tribüne hauen müssen. Wir würden uns daran stören“. Das DFB-Team liefe dann sogar Gefahr, „den Rhythmus zu verlieren“.

Die deutschen Fans würden bei derartigen Aktionen murren, „unser Publikum hat inzwischen ein anderes Anspruchsdenken, auch zu Recht. Aber auch das wäre Pirlo, Bonucci oder Chiellini egal. Die würden sich von ihrer Linie nicht abbringen lassen“, führte Löw in der SZ weiter aus.

Löw: "Italien ist mein absoluter Wunschgegner"

Zuletzt hatte die DFB-Elf die italienische Effektivität im EM-Halbfinale 2012 beim 1:2 oder im WM-Halbfinale 2006 (0:2 n.V.) zu spüren bekommen. Deshalb misst Löw dem Duell am Freitag auch eine besondere Bedeutung bei: „Klar könnte man sagen: Italien zählt nicht zu unseren Wunschgegnern. Aber Sie werden lachen: In diesem speziellen Fall sind sie mein absoluter Wunschgegner. Wir wollten im November Testspiele, in denen wir noch was lernen können. Da gibt es keinen besseren Gegner als die Italiener.“

Sie könnten sich, so Löw, „wie keine zweite Mannschaft auf der Welt verstellen, sie sind - und das ist positiv gemeint - so was wie Illusionskünstler. Sie kommen daher wie der Wolf im Schafspelz“.

Von seiner eigenen Mannschaft verlangt Löw mehr Konzentration auf den erfolgreichen Torabschluss: „Der letzte Pass, der letzte Abschluss ist manchmal nicht seriös genug ausgeführt“, sagte er. Auch mental müsse die Mannschaft weiter reifen: „Wir dürfen uns auch von den Unwägbarkeiten des Spiels nicht mehr so beeinflussen lassen.“

Die Eckdaten der Bundestrainer-Ära Jogi Löw

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Indes pochte er einmal mehr auf eine Richtlinien-Kompetenz als Bundestrainer. „Ich nehme natürlich Rücksicht, aber ich bin der Trainer der Nationalmannschaft! Ich muss die Dinge manchmal auch aus unserer Perspektive sehen“, betonte Löw. Wichtig sei ein „gutes Miteinander, aber wenn wir anders spielen wollen als Dortmund oder Bayern, dann hat das Gründe. Damit stelle ich mich doch gar nicht gegen die Vereine. Wir spielen den Stil der Nationalmannschaft.“

Löw rechtfertigte auch seine öffentliche Kritik an Abwehrspieler Mats Hummels im August, die BVB-Trainer Jürgen Klopp erzürnt hatte: „Ich habe Jürgen Klopp bei einem Gespräch gesagt: Wenn ich jemanden öffentlich kritisieren will, dann mache ich das auch! Ich mache das ja selten, aber wenn ich es mal mache, dann ist das mein gutes Recht.“

sid

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