Bundestrainer vor dem Frankreich-Spiel

Löw-Interview: "Mit Heynckes telefoniert"

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Bundestrainer Joachim Löw

Köln - Im Interview erklärt Bundestrainer Joachim Löw, warum Rene Adler spielt und wie er die Zukunft von Stefan Kießling im Nationalteam sieht. Zudem berichtet er von einem Telefonat mit Jupp Heynckes.

Mit dem Härtetest gegen Angstgegner Frankreich in Paris startet die deutsche Fußball-Nationalmannschaft am Mittwoch (21.00 Uhr/ARD) in das Länderspieljahr 2013. Im Interview erklärt Bundestrainer Joachim Löw, warum das Ergebnis für ihn zweitrangig ist, warum er einen so großen Kader nominiert hat, warum Rene Adler spielt und wie er die Zukunft von Stefan Kießling im Nationalteam sieht.

Herr Löw, Sie haben für das erste Länderspiel des Jahres am Mittwoch in Frankreich einen Einsatz von Rene Adler angekündigt. Wird er über die vollen 90 Minuten spielen?

Joachim Löw (Bundestrainer): Das ist so geplant. Wir wollen Rene die Chance geben, dabei zu sein und sich zu integrieren. Die beiden Qualifikationsspiele gegen Kasachstan wird aber natürlich Manuel Neuer bestreiten, denn er ist unsere Nummer eins.

Ist Adler denn nach der zweiten Nominierung in Folge schon die feste Nummer zwei?

Löw: Die Reihenfolge hinter Manuel Neuer wollen wir noch nicht festlegen. Dafür ist es noch zu früh. Rene Adler war schon lange bei uns dabei, er war die Nummer eins, und es ist imponierend, wie er zurückgekommen ist. Er hat überragende Leistungen gezeigt und seine Mannschaft mit seiner Persönlichkeit positiv beeinflusst. Doch wir wollen die Entwicklung in dieser und der kommenden Saison weiter beobachten, auch bei Ron-Robert Zieler oder Marc-Andre ter Stegen.

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Ihr Kader ist mit 23 Spielern für ein einzelnes Länderspiel ungewöhnlich groß. Wieso haben Sie sich dafür entschieden?

Löw: Beim letzten Länderspiel des Vorjahres waren einige Spieler nicht dabei, außerdem war die Mannschaft nun zwei Monate lang nicht zusammen. Deshalb ist der Kader nun ein bisschen größer als normalerweise bei einem Länderspiel. Mir war es wichtig, den ein oder anderen dabei zu haben und die Möglichkeit zu haben, mit ihm zu sprechen und ihn zu sehen.

Die Nationalmannschaft wartet seit 2008 auf einen Sieg im Jahres-Auftaktspiel. Werden Sie in Frankreich mit der besten Elf beginnen, damit dieses Jahr nach Möglichkeit mit einem Prestige-Erfolg beginnt?

Löw: Natürlich wollen wir ein gutes Ergebnis erzielen. Das Spiel bietet aber die willkommene Gelegenheit, etwas auszuprobieren und möglicherweise Spieler zu sehen, die bei uns zuletzt nicht regelmäßig gespielt haben. Ich mache nicht immer und ewig alles vom Ergebnis abhängig. Das Ziel, auf das alles ausgerichtet ist in diesem Jahr, ist die direkte Qualifikation für die WM.

Die Serie negativer Ergebnisse zum Jahres-Auftakt hängt auch mit der Auswahl der Gegner zusammen. Unter anderem waren Italien, Argentinien und im Vorjahr schon einmal Frankreich die Gegner. Wie wichtig ist es Ihnen, mit einem echten Härtetest ins Jahr zu starten?

Löw: Gegen Frankreich gab es eine Rückspiel-Vereinbarung. Aber generell ist es seit Jahren eine wichtige Vorgabe bei uns, möglichst starke und attraktive Gegner zu bekommen. Dazu gehört auch Frankreich mit seinen außergewöhnlichen Einzelspielern. Im Endeffekt bringt es uns am meisten, wenn wir uns abseits der Qualifikationsspiele mit Weltklasse-Mannschaften messen.

Sie haben im Sturm Miroslav Klose und Mario Gomez nominiert. Sind beide nach ihren Verletzungen völlig fit?

Löw: Miro hat zuletzt wieder gespielt und ist voll im Trainings-Rhythmus. Deshalb sehe ich keine Gefahr bei ihm und deshalb war es für mich klar, dass Miro dabei ist. Mario ist schon seit längerem wieder im Training, aber er war länger nicht bei uns dabei. Deshalb war es mir wichtig, ihn wieder an die Mannschaft heranzuführen. Er ist seit Jahren ein wichtiger Bestandteil dieser Mannschaft.

Jupp Heynckes berichtete am Freitag, er habe bei Ihnen angerufen und um Spielpraxis für den in München derzeit auf der Bank sitzenden Gomez gebeten...

Löw: Wir haben telefoniert, und ich habe mich natürlich nach Mario erkundigt. Die Bayern haben derzeit keine englischen Wochen und wenig Grund, etwas zu verändern. Deshalb würde Mario Spielpraxis sicher helfen und es würde ihn freuen. Aber im Endeffekt ist das meine Entscheidung. Ich muss mir erst einmal in den beiden Tagen vor dem Spiel einen Eindruck verschaffen. In erster Linie ist wichtig, dass Mario wieder bei uns dabei ist, um wieder Nähe zu ihm und zwischen ihm und der Mannschaft zu schaffen.

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Stefan Kießling fehlt wieder im Frankreich-Aufgebot, soll aber angeblich für die Qualifikations-Spiele gegen Kasachstan im März sicher nominiert werden. Ist das richtig?

Löw: Ich habe kein Comeback von Kießling angekündigt. Ich habe keinerlei Aussage gemacht, sondern es offen gehalten. Ich habe lediglich gesagt, dass es jetzt, für das Spiel gegen Frankreich, der falsche Zeitpunkt ist. Stefan war schon bei uns dabei und ist auch kein ganz junger Spieler mehr. Deshalb würde es ihm nicht gerecht werden, ihn nur für einen Kurzeinsatz zurückzuholen. Ich werde die Situation immer neu bewerten. Aber ich werde Kießling nicht für ein Spiel zurückholen, sondern dann, wenn ich ihm eine berechtigte Hoffnung und Perspektive bieten kann.

Hat er denn gegen Klose und Gomez überhaupt eine Chance?

Löw: Ohne Zweifel hat er zuletzt bemerkenswert gespielt. Aber Miroslav Klose und Mario Gomez sind, wenn sie gut in Form sind, derzeit noch eine Nasenlänge voraus. Beide verkörpern in hohem Maße unsere Spielphilosophie.

Kapitän Philipp Lahm schien seinen Platz sicher rechts hinten gefunden zu haben, musste zuletzt aber auch wieder links aushelfen. Wo wird er in Zukunft spielen?

Löw: Es gibt eine grundsätzliche Absprache, dass er - wann immer es möglich ist - auf der rechten Seite spielt, weil er diese Position seit 2010 auch bei den Bayern bekleidet. Im Grundsatz sehe ich ihn auch bei uns rechts. Aber ich weiß, dass ich bei ihm immer auch die Möglichkeit habe, ihn links spielen zu lassen.

Holger Schmidt und Thomas Niklaus, sid

 

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