Löw: Auch Gomez ist zu ersetzen

Düsseldorf - Bundestrainer Joachim Löw freut sich über einen großen Konkurrenzkampf in der Nationalmannschaft. Selbst etablierte Kräfte wie Podolski oder Gomez dürfen sich ihrer Sache nicht mehr sicher sein.

Die Zeiten, in denen sich die deutsche Nationalmannschaft quasi von selbst aufstellte, gehören der Vergangenheit an. Bundestrainer Joachim Löw hat derzeit personell die Qual der Wahl. Selten in der langen Historie des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) war die Auswahl an jungen und guten Spielern so groß.

Das Reservoir scheint unerschöpflich. Talente wie Mario Götze, Mats Hummels, Andre Schürrle, Sven Bender, Marco Reus oder Benedikt Höwedes drängen nach. Aber auch Leistungsträger wie Mesut Özil (22), Manuel Neuer (25), Sami Khedira (24), Bastian Schweinsteiger (27), Philipp Lahm (27), Mario Gomez (26), Per Mertesacker (26), Thomas Müller (21) oder Lukas Podolski (26) sind gerade erst im besten Fußballer-Alter.

„Der Konkurrenzkampf ist in den letzten Monaten ausgeprägter geworden und erwünscht. Das tut jeder Mannschaft gut“, sagte Löw vor dem EM-Qualifikationsspiel der DFB-Auswahl am Freitagabend in Gelsenkirchen gegen Österreich: „Wir brauchen bei einem Turnier einen breiten Kader mit 20 Topspielern, um den Titel zu holen.“ Beim Prestigeduell standen die zuletzt gesetzten Mario Gomez von Bayern München und Sami Khedira (Real Madrid) nicht zur Verfügung. Doch Grund zur Klage gab es für Löw dennoch nicht: „Wir haben die Möglichkeit, auch solche Spieler zu ersetzen.“

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Vielmehr übte er sogar Druck auf die etablierten Spieler aus, wie etwa auf den 90-maligen Nationalspieler Lukas Podolski. Der Kölner habe enormes Potenzial, „aber er schöpft es derzeit nicht aus“, sagte der Bundestrainer in Richtung Podolski - und es klang wie eine Warnung, da zuletzt Schürrle oder Götze mit starken Leistungen auf sich aufmerksam gemacht hatten.

Für Löw ergibt sich so fast ein Luxusproblem. „Er ist weiter darauf bedacht, den Konkurrenzkampf hochzuhalten. Keiner darf das Gefühl haben, dass er sich ausruhen darf. Der Konkurrenzkampf macht auch den etablierten Spielern Beine. Wir haben es geschafft, dass jeder in die Mannschaft will - und der Ehrgeiz ist bei allen groß“, sagte Teammanager Oliver Bierhoff dem SID.

Dass Löw inwischen „25 bis 30 Spieler zur Verfügung hat, die auf hohem internationalen Niveau spielen können“, wie Bastian Schweinsteiger anmerkte, stellt sich für den Vize-Kapitän sehr positiv dar: „Wir wollen den maximalen Erfolg, da brauchen wir diesen Konkurrenzkampf. Das steigert die Qualität.“

Der Kampf um die 23 begehrten Tickets für die EURO 2012 in Polen und der Ukraine ist längst in allen Mannschaftsteilen in vollem Gange. Bei den Torhütern hat nur Manuel Neuer seinen Platz sicher. Tim Wiese und Rene Adler werden von Ron-Robert Zieler oder Marc ter Stegen unter Druck gesetzt.

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In der Viererkette ist nur Kapitän Philipp Lahm auf links gesetzt. Marcell Schmelzer kommt da allenfalls bei einem Ausfall von Lahm zum Zuge. Ansonsten kämpfen in der Innenverteidigung Per Mertesacker, Mats Hummels, Jerome Boateng, Holger Badstuber und Benedikt Höwedes um zwei Positionen. Von einem Arne Friedrich spricht schon längst keiner mehr. Auf der rechten Seite können Höwedes, Boateng oder Christian Träsch verteidigen.

Noch größer ist das Gerangel im Mittelfeld. In Schweinsteiger, Özil, Müller, Khedira, Podolski und Toni Kroos hat der Bundestrainer einige Spieler, die bereits bei der WM 2010 dabei waren. Dazu kommen für maximal fünf Plätze inzwischen Götze, Reus, Sven und Lars Bender, Schürrle, Kevin Großkreutz, aber auch ein Simon Rolfes.

Im Angriff ist die Auswahl nicht ganz so groß, aber da hat der Bundestrainer im Normalfall auch nur einen Platz zu vergeben. Und um den gibt es einen heftigen Zweikampf zwischen Miroslav Klose und Mario Gomez. Cacau bleibt da nur die Statistenrolle. WM-Teilnehmer wie eben Friedrich, Dennis Aogo, Serdar Tasci, Marcell Jansen, Piotr Trochowski oder Marko Marin gehören derzeit nicht mal mehr zum Kader.

Laut Kapitän Philipp Lahm sei im Moment „alles sehr gut. Die Entwicklung in den letzten Jahren ist sogar enorm gewesen“, betonte der Bayern-Profi: „Wir haben jetzt Spielertypen in einer Fülle im Kader, wie wir sie jahrelang nicht hatten.“ Grund genug, sich an die Vorgaben des Bundestrainers zu halten, wie auch Mertesacker weiß: „Wer nicht mitzieht, hat keine Chance.“

SID

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