Zwei Dummheiten kosten Bayern den Sieg

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Mario Gomez hat mehrere hochkarätige Chancen vergeben.

München - Erste Auswärtsniederlage, Rot für Jerome Boateng und das Ende von Manuel Neuers Serie: Die Super-Bayern sind nach einem Horrorabend in Hannover zurück auf dem Boden der Tatsachen.

Die Super-Bayern sind zurück auf dem Boden der Tatsachen. Trainer Jupp Heynckes und Klubboss Karl-Heinz Rummenigge machten dafür aber nicht ihre Mannschaft, sondern Rene Kunsleben aus Hamm verantwortlich. „Der Schiedsrichter hat sich beim Platzverweis vom vierten Offiziellen beeinflussen lassen“, sagte Heynckes nach der 1: 2 (0:1)-Niederlage von Bayern München bei Hannover 96.

Rummenigge ging mit Blick auf die Schlüsselszene, in der Boateng nach einem Schubser gegen Christian Schulz die Rote Karte sah, sogar noch einen Schritt weiter. „Diese Entscheidung hat der vierte Unparteiische gefällt, das ist unverständlich. Hier wurden Täter und Opfer verwechselt“, schmipfte der Vorstandschef der Münchner, die mit ihrem Patzer bei den Verfolgern für kollektives Aufatmen sorgten. Die Mannschaft von Trainer Jupp Heynckes ist zwar weiter Spitzenreiter, der Vorsprung auf Titelverteidiger Borussia Dortmund ist aber auf drei Punkte geschrumpft. Hannover kletterte auf Tabellenplatz vier.

Vor 49.000 Zuschauern in der seit Wochen ausverkauften WM-Arena gelang 96-Torjäger Mohammed Abdellaoue für die Platzherren in der 23. Minute per Foulelfmeter der Führungstreffer. Nach dem 2:0 durch einen abgefälschten Schuss von Christian Pander (50.) brachte der eingewechselte David Alaba (83.) die Münchner in der Schlussphase noch einmal heran, Bastian Schweinsteiger traf in der 88. Minute nur den Pfosten.

Knackpunkt der Partie war aber die 28. Minute. Nach einem Foul von Toni Kroos an Sergio Pinto kam es zu einer Rangelei an der Seitenlinie. Auch „Sünder“ Boateng konnte den Platzverweis durch Schiedsrichter Manuel Gräfe aus Berlin nicht nachvollziehen. „Schulz schubst mich zuerst, ich schubse zurück. Ich weiß nicht, warum ich Rot kriege und er nur Gelb“, sagte Boateng. „Ich wollte nur unsere Spieler schützen, dann kam der Stoß von Boateng. Ich denke, dass man da Rot geben kann“, sagte dagegen Schulz.

Sein Trainer Mirko Slomka, dessen Team ab der 63. Minute nach Gelb-Rot für Steven Cherundolo auch nur noch zu zehnt war, hatte sich bei Gräfe vergeblich dafür eingesetzt, keine Karten zu zeigen. Erfolgreicher war er bei der taktischen Einstellung seines Teams. „Wir haben gut dagegengehalten, über 90 Minuten sehr gut verteidigt und alles reingeworfen, was wir haben. Es war wichtig, dass wir früh attackieren und die Bayern gar nicht erst in ihr gutes Spiel kommen lassen“, sagte Slomka.

Vor dem Strafstoß zum 1:0 hatte Gräfe einen Zweikampf zwischen Nationalspieler Philipp Lahm und Hannovers Kapitän Cherundolo als Foulspiel des Münchner Spielführers gewertet. Der Norweger Abdellaoue verwandelte an seinem 26. Geburtstag sicher und fügte Neuer das erste Bundesliga-Gegentor nach 770 Spielminuten zu. Es war der siebte Saisontreffer für Abdellaoue.

Nach einer von beiden Seiten vorsichtig geführten Anfangsphase erarbeiteten sich die Niedersachsen in der zwölften Minute die erste Einschussmöglichkeit. Ex-Nationalspieler Pander spielte Abdellaoue klug frei, doch der Stürmer verzog in aussichtsreicher Position. Nur 120 Sekunden später standen die Gäste dicht vor dem Führungstreffer, doch ein Kopfball von Torjäger Mario Gomez war nicht platziert genug, 96-Torhüter Ron-Robert Zieler wehrte zur Ecke ab.

Auch in der Folgezeit scheuten beide Mannschaften zunächst das letzte Risiko, die starken Abwehrreihen dominierten die Begegnung. Pech hatte der Tabellenführer in der 20. Minute: Nach einem sehenswerten Alleingang traf Kroos aus 18 Metern Entfernung nur das linke Lattenkreuz. Sekunden vor dem Halbzeitpfiff traf Abdellaoue bei einem Konter den Außenpfosten.

Zu Beginn der zweiten Halbzeit drängten die Münchner trotz Unterzahl auf den Ausgleich, doch in der 47. und 49. Minute hielt Zieler mit zwei reaktionsschnellen Paraden gegen Gomez die Führung der Hannoveraner fest. Fast im Gegenzug traf Pander zum 2:0.

Die Torschützen Abdellaoue und Pander sowie Keeper Zieler waren die stärksten Akteure im Team von Coach Mirko Slomka, das sich drei Tage nach dem 2:2-Unentschieden in der Europa League gegen den FC Kopenhagen deutlich verbessert zeigte. Auf Seiten des Rekordmeisters verdienten sich Kroos und Schweinsteiger die Bestnoten. An Superstar Franck Ribery hingegen lief die Partie mehr als eine Stunde lang weitgehend vorbei.

Die Aufstellungen:

Hannover 96: 1 Zieler - 6 Cherundolo, 3 Haggui, 4 Pogatetz, 19 Christian Schulz - 33 Schmiedebach, 7 Pinto - 28 Stindl, 24 Pander - 13 Schlaudraff, 25 Abdellaoue

Trainer: Slomka

FC Bayern: 1 Neuer - 13 Rafinha, 17 Boateng, 28 Badstuber, 21 Lahm - 30 Luiz Gustavo, 31 Schweinsteiger - 25 Thomas Müller, 39 Toni Kroos, 7 Ribery - 33 Gomez

Trainer: Heynckes

Schiedsrichter: Manuel Gräfe (Berlin)

Zuschauer: 49.000 (ausverkauft)

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